21.01.21 – Welcome little sunshine

Am 21.01.21 war es schließlich soweit (hierbei muss natürlich kurz auf das mega bombastische Datum verwiesen werden, wenn auch bestellt). Kliniktasche dabei, VITA 34 Koffer, Sachen fürs Baby und jede Menge Aufregung. In meine Freude mischte sich halt leider auch die unendliche Panik, dass mein kleiner Schatz doch noch weitere Erkrankungen oder Fehlbildungen erlitten hatte, die vorher niemand feststellen konnte. Deshalb hatte ich natürlich ein ganz anderes Empfinden als bei meiner ersten Entbindung via Kaiserschnitt.

Hinsichtlich der ganzen Vorbereitungen lief selbstverständlich alles gleich ab: Nadel setzen, Katheter legen, nettes OP-Hemdchen überziehen und letzte Bedenken runterschlucken. Auf dem Gang begegnete ich noch Dr. Love oder auch Dr. Hübsch, wie er von vielen Frauen in meiner Umgebung liebevoll genannt wird. Dr. P ist zusätzlich ein Freund meiner Freunde und ich verstehe natürlich auch warum… Wir sind nämlich alle lustig und um keinen Spruch verlegen. Schon bei meinem Großen damals wurde ich bei einer morgendlichen Visite mit dem Satz begrüßt: „Frau L., Sie sind also die Frau, die an mir vorbeioperiert wurde!“. Da schaut man erst einmal nicht schlecht und wenn mir die Worte fehlen, dann will das etwas heißen – kurzum: ein Arzt ganz nach meinem Geschmack und, das fiel mir jetzt ehrlich gesagt erst beim zweiten Kaiserschnitt auf, tatsächlich ganz gutaussehend. Ich war also insgeheim froh, dass mich als Privatpatient der Chefarzt operierte, so zumindest der Plan…

Dr. P hielt mich auf dem Gang mit dem Satz auf: „Frau L., Sie sind also die Frau mit dem Kind, das so einen großen Kopf hat?“. „Ja, klar“, dachte ich. Frage mich doch einfach ehrlich, ob ich die Frau sei, dessen Kind mit nur einer Hand zur Welt kommt, schluckte aber meine Antwort runter, lächelte und entgegnete: „Jep, aber ich werde schon wieder an Ihnen vorbeioperiert. Wir haben da aber auch kein Glück.“ „Ja, da will der Chef wohl selbst ran“, sagte Dr. P. „Logisch, ist ja auch die Sensation.“, fuhr es mir erneut durch den Kopf. Wir plauschten noch ein wenig über unsere gemeinsamen Bekannten und verabschiedeten uns dann nett.

10 Uhr war mein Termin zur Entnahme meines kleinen Stinkis angesetzt. Zwanzig nach neun holte mich bereits die Anästhesistin Dr. I aus meinem Zimmer. Diese Ärztin war ebenfalls genau mein Fall: nicht lange um den heißen Brei rumfaseln (Es ginge jetzt los, zack zack fertig werden 😉!), klare Ansagen, aber immer mit genügend Humor. Sie erinnerte mich schwer an die Hauptdarstellerin der Serie „Roseanne“, die in den 90ern auf Pro7 lief. Ich trabte also brav hinterher, während mein Mann in einen Vorbereitungsraum geführt wurde. Man versprach mir, man hole ihn, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen seien. „Kein Thema“, dachte ich. Alles war wie beim letzten Mal, nur eins nicht…

Ich betrat den OP im Kreißsaal und dort lächelte mich breit grinsend Dr. P an, von Herrn Prof. Dr. T fehlte jede Spur. Dass der Chefarzt der Anästhesie mich mal wieder versetzte, war mir eigentlich schon vorher klar, mit dem habe ich schon gar nicht gerechnet, zumal „Roseanne“ ein super Ersatz war, aber dass nun Dr. Love hier stand, fand ich weniger lustig. Vor gutaussenden Männern willenlos die Beine zu spreizen, ungeschminkt und klatschen fett, fand ich so überhaupt nicht erquickend. Ich wäre ja aber nicht Sue, wenn ich meinen Unmut nicht in irgendeiner Form wieder kundgetan hätte. Ich weiß nicht mehr genau, was ich äußerte, aber ich hörte Dr. I nur sagen: „Ach Frau L., wenn man schwanger wird, muss man für neun Monate sämtliches Schamgefühl ablegen“. Wie recht sie damit hat.

Nun gut, ich musste die Kröte schlucken, denn Herr Dr. P teilte mir mit, dass der Chef gleich käme und er heute assistieren dürfte. „Super“, dachte ich, „alle wollen mal gucken, wie der kleine Mensch ohne Hand so aussieht.“ Wie unrecht ich mit meinen ganzen Gedanken hatte, erfuhr ich erst am Ende.

Bei den ganzen Vorkehrungen, die getroffen wurden, hatten wir Anwesenden im OP unendlich viel Spaß, worüber ich sogar mein armes wartendes Männle vergaß. Die Ärzte machten sich über Lehrer lustig und ich mich im Gegenzug über sie. Diese unbeschwerten Minuten waren klasse, denn sie nahmen mir meine Schwermut und die aufsteigende Angst. Dennoch waren diese Gefühle natürlich nicht weg und ließen mir kurzzeitig den Kreislauf runterfahren. „Bissle blass um die Nas, meine Liebe“, hörte ich es nur reden und zack hatte ich irgendeine Infusion drin und Sauerstoff-Tampons in der Nase. Just in diesem Moment kam auch der Chefarzt rein und mein Mann wurde dazu geholt. Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich die Stimmung zum ersten Mal, das lustige Geflachse hatte ein Ende und plötzlich waren Maultaschen zum Mittagessen Thema. Nicht so gut für mich, denn dadurch stieg wieder die Panik in mir auf. Da ich mich allerdings darauf konzentrierte, nicht sofort los zu heulen, verging die Zeit sehr schnell. Ein lauter Schrei und ich wusste, Samu ist jetzt endlich da. Nur wurde es bis auf das Geschrei meines Kindes plötzlich totenstill im Raum, keiner sprach ein Wort. Mir wurde erneut kotzübel…

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