Erlösung

Um Gottes Willen, welche Nachricht überbringt man mir gleich. Aber die kleine Maus schreit doch zumindest, also lebt er… Schon mal gut. Samu wurde an mir vorbei getragen und mein Mann mitgenommen. Ich schaute ihm mit panikerfülltem Blick hinterher. Wieder musste ich mich zusammenreißen, um nicht laut los zu plärren. Unendlich viele Minuten vergingen, dann kam mein kleines eingepacktes Bündel zu mir auf den Arm. Anstatt den Neuankömmling zu genießen, suchte ich ihn nach allen möglichen weiteren Schäden ab, konnte aber aufgrund des Handtuchs nicht viel erkennen. Das Gesichtchen erschien mir aber sehr normal, erneut ein gutes Zeichen. Selbstverständlich fragte ich sofort bei meinem Mann nach, ob sonst alles in Ordnung sei. „Sieht schon so aus“, antwortete er mir. Klar, in so einer hektischen Situation konnte er auch nicht mehr erfragen oder erkennen. Ich war vorerst beruhigt. Da die restlichen Personen im Raum natürlich unsere Kommunikation belauschen konnten, schienen diese nun auch erleichtert zu sein. Und plötzlich dämmerte es mir: sie wussten alle nicht Bescheid. Nur der Chefarzt war informiert, hatte aber das gesamte Team im Vorfeld nicht unterrichtet, von was ich ehrlich gesagt schwer ausgegangen war, denn sonst hätte ich angekündigt, dass unser kleiner „einhändiger Bandit“ mit dem Namen Samu Rai gleich Terror schieben wird.

Ich mache natürlich niemanden einen Vorwurf. In so einem hektischen Klinikalltag geht sicher vieles unter, nur hat mir das OP-Personal in diesem Moment echt leid getan, denn sie schienen mit der Gesamtsituation wohl überfordert. Klar, wie sagt man auch einer frischgebackenen Mutter, dass ihr Kind nicht ganz „perfekt“ zur Welt gekommen ist? Ein kleiner Satz vor dem Kaiserschnitt hätte diese Unannehmlichkeiten für alle sicherlich entschärfen können, aber gut. Vor allem der Kinderarzt war wohl kreidebleich, bis ihm mein Gatte erklärte, dass die Fehlbildung der Hand bekannt sei. Erst dann habe er wohl wieder eine normale Gesichtsfarbe annehmen können.

Nichts desto trotz muss ich sagen, dass alle Ärzte und das gesamte Pflegepersonal im Kreißsaal absolut top waren: super nett, lustig, professionell und sehr bemüht. Frau Dr. I machte sogar Fotos im OP – zur Erinnerung an die ersten Momente – weltklasse!!! Das gesamte Team im ersten Stock der Klinik kann ich ohne Bedenken jedem wärmstens empfehlen. Anders sieht es da mit dem Pflegepersonal auf der Wöchnerinnen-Station aus… Da erlebte ich in den nächsten drei Tagen das ein oder andere, dass mich schon wieder sprachlos werden ließ…

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Jiuliena

Danke für Deinen ausführlichen Bericht! Alles Gute für Samu und Dich!

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