Hebammen – oder auch die Suche nach dem Heiligen Gral

Bei unserem ersten Kind wusste ich ja Dank meines wunderbaren Endokrinologen sehr früh, dass ich schwanger war (ha ha). Als ich damals die Nachricht für mich verdaut hatte und jeder mich beschwor, ich solle mich auf die aussichtsreiche Suche nach einer Hebamme machen, war ich bereits in der 13.SSW. Voller Zuversicht rief ich damals die ersten Damen an. „Was??? Sie sind schon in der 13.SSW? Nee, also da haben wir selbstverständlich nichts mehr frei im September!“. Na galaktisch! Sue bekommt ein Kind und keiner will dann hin. Was läuft denn eigentlich falsch in diesem Land? Ich hatte mal gelesen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt bis zur zwölften Woche schon nicht ganz unwahrscheinlich sei und jetzt erzählte mir jede Hebamme am Telefon ich sei zu spät dran?

Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik verstand ich dann letztendlich auch warum. Die Aussicht auf Dauerstress, hohe Versicherungen, wenig Urlaub und die Gefahr immer mit einem Bein im Knast zu stehen, sind nicht die besten Voraussetzungen, um sich selbstständig zu machen. Nach dreißig Telefonaten oder mehr, beschloss ich für mich die Suche einzustellen und das Thema mit „aussichtlos“ zu beenden. Ich fühlte mich am Ende erschöpft und ausgelaugt, als wäre ich auf der Suche nach dem Heiligen Gral gewesen. „Egal, wir wuppen das auch ohne Hebamme! Gott sei Dank ist meine Schwiegermutter gelernte Krankenschwester und eine Kinderärztin wohnt im größten Notfall auch in der Straße“, dachte ich mir.

Dennoch bemühte ich mich frühzeitig wenigstens eine Zusage für einen Vorbereitungskurs zu ergattern. Was ich da erlebte, war auch wieder spektakulär.

Kennt ihr das auch, wenn euch Personen von der ersten Sekunde, auch was rede ich, Millisekunde an, unsympathisch sind? Frau B gehörte definitiv dazu. Auch hatte ich mir so einen Kurs gänzlich anders vorgestellt. Ok, Sport ist unter normalen Umständen kein Mord und dient der Gesunderhaltung, in der Schwangerschaft aber schon. Man schnauft wie eine Dampflock bei jedem Spaziergang den Berg hinauf oder hechelt die Treppen empor. Und nun soll man dies auch noch in einem Raum mit zehn anderen Dickhäutern tun? Naja, wenigstens war man unter Seinesgleichen. Dennoch war ich der Meinung, dass dies für mich Zeitverschwendung ist, denn meinen fetten Ar… kann ich schließlich auch zuhause kreisen lassen. Immerhin waren die anderen Teilnehmerinnen nett, sonst hätte ich den Unfug sofort abgebrochen, der nach der sportlichen Betätigung weitere Höhepunkte bereit hielt.

So sollten wir nun sanft den Rücken unserer Nachbarin streicheln und sie anschließend massieren. Weltklasse! Lecker schweißige Streicheleinheiten bei 36 Grad im August, mhhhh! Aber gut, was tut man nicht alles im Gruppenzwang… Hin und wieder lernten wir dann etwas darüber, weshalb zumindest ich gekommen war, die Atmung unter der Geburt. Die anschauliche Darstellung dieser, seitens der Hebamme, in Anwesenheit aller Männer werde ich nie vergessen; mein Mann wohl auch nicht. Ehrlich gesagt dachte ich, dass Frau B entweder in Filmen für Erwachsene nebenberuflich mitspielt oder eindeutig zuviel geraucht hat, aber gut…

Was mich am meisten aufregte, war ihre Vorurteile gegenüber Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden und/oder danach nicht stillen. Zu Ersteren gehörte ich aufgrund meiner gesundheitlichen Vorgeschichte schon einmal. Dass ich auch nur wenige Wochen stillen konnte, wusste ich zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht, hätte mir aber wahrscheinlich bei Frau B den Preis für das schlimmste Muttertier aller Zeiten beschert.

Was soll ich sagen? Meinem Großen geht es gut, er lebt noch und wuchs auch so auf. Einen Kurs für die Nachstellung der natürlichen Geburt bei Frau B habe ich bis jetzt auch noch nicht in Betracht ziehen müssen, denn mein Zweijähriger hat eine ganz hervoragende Bindung zu seiner Mutter und kann quasi als kleine Kopie meinerseits gelten. Ich stelle mir gerade vor, welches Selbstbewusstsein er erst entfacht, sollte mir doch irgendwann ein Furz quer sitzen und ich die Geburt nachstellen wollen – Oh, mein Gott!!!

Letztendlich war ich nach dieser Erfahrung froh, dass die Suche nach dem Heiligen Gral bei dieser Schwangerschaft erfolglos blieb, denn auch Frau B stand in der 13.SSW auf meiner Anrufliste…

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