Oh du schöne Elternzeit

Bereits als Erstgebärende war die Elternzeit bei uns ein ganz großes Thema. Da ich ja eigentlich laut Ärzten nicht so einfach schwanger werden konnte, freute ich mich, dass es geklappt hatte und ich nach dreijähriger Abstinenz an meine Refischule zurückkehren konnte. Alles war ganz wunderbar vorbereitet und mit meinem Schulleiter so ausgetüfftelt und abgesprochen, dass das RP ja sagen musste. Ja, bis ich im Februar wusste, dass ich schwanger bin und mein Mutterschutz natürlich, wie soll es anders sein bei mir, pünktlich zu den Sommerferien beginnen würde und ich im September bereits Mama sein werde. Dies hieß für mich: Aus der Traum? Denn eins war klar, sollte ich nicht nach der Mutterschutzfrist zurückkehren, würde die Stelle anders besetzt werden.

Nach langen Überlegungen zuhause, bot sich mein Mann an, die Elternzeit zu übernehmen. Allein deswegen behaupte ich, dass ich den weltbesten Schnatz habe, denn wie viele Männer der draußen würden das machen? Also ich meine mehr als die hierzulande üblichen zwei Monate, in denen die Frau ja meist gleichzeitig zuhause ist. Richtig! Fast niemand. Ich kenne in meinem Freundeskreis nur noch ein einziges Pärchen, die das ähnlich hielten, wie wir und wo der Papa ein halbes Jahr mit dem kleinen Spatz seine Freude hatte. Ja, warum denn auch nicht? Denn ich bin da schon Emanze genug zu sagen, dass MANN beim Kinderkriegen nicht nur seinen Spaß haben kann. Wir haben zwar auch Spaß, zumindest hoffe ich das für alle da draußen, aber dann hat man den Salat über den ich ja nun bereits ausführlich berichtete. Also warum sollten die Väter nicht auch ein bisschen in die Pflicht genommen werden bzw. einen prägenden Teil in der Kindererziehung übernehmen?

Ich habe dahingehend mal ein wenig recherchiert und war sehr überrascht, dass in Japan und Korea die Männer ebenfalls 52 oder 53 Wochen in Elternzeit sind, sprich ein ganzes Jahr!!! In Europa sind wohl Frankreich und Portugal Spitzenreiter (28/22 Wochen) und danach folgen viele Länder mit den üblichen zwei Monaten. Mich überraschte auch zu lesen, dass die türkischen Männer im Durchschnitt wohl wenigsten zwei Wochen zuhause bleiben, während in der USA und in der Schweiz kein einziger Tag Vaterschaftsurlaub genommen wird – verrückt!

Wir für unseren Teil können auf jeden Fall sagen, dass man dadurch unglaublich was verpasst. Vor allem ist die Zeit zu Zweit bzw. Dritt oder Viert so unendlich wertvoll. Mir hat der liebe Gott, das Universum oder wer auch immer, bei meinem Großen die Zeit in Form von Corona zurückgegeben und dafür bin ich unendlich dankbar. Denn ja, es war schon extrem hart, nach acht Wochen wieder voll in den Beruf einzusteigen, auch wenn man i.d.R. mittags daheim ist, Feierabend hat man deswegen noch lang nicht (auch wenn das Volk da draußen immer davon ausgeht). Zumindest konnte ich meinen Großen dann ins Tragetuch nehmen oder ins Bettchen neben mich legen – war viel wert. Aber die Zeit verfliegt so schnell und deswegen habe ich den Lockdown sowas von dermaßen genossen. Es war Zeit mit meinem Kind, wertvolle Zeit. Während viele schimpften, und ja es hat auch mich starke Nerven gekostet, vor allem, als ich wieder schwanger war, dennoch war es ein Geschenk.

Dieses Geschenk habe ich mir bei meinem zweiten Schatz nicht nehmen lassen und es war völlig klar, dass ich daheim bleiben würde. Dennoch hat ja auch das Ehemännchen Anspruch auf zwei Monate nach dem Elterngeldanspruch 12+2. Also war die große Preisfrage, wie wir die verteilen. Meine Kollegin aus der Schule riet mir davon ab, den ersten Monat gemeinsam zu starten, da die Häsle ja viel schliefen und der Mann eigentlich eh nichts tun könne. Wir haben uns Gott sei Dank dennoch dafür entschieden, den ersten Monat gemeinsam zu verbringen und das aus verschiedenen Gründen.

Zum einen ist Samu ein Winterkind. Das bedeutete, die Zahlen waren mal wieder extrem hoch im Landkreis und die Kindergärten dicht. Nun weiß glaub jede Mehrfachmama, was es bedeutet, wenn man ein Kind stillen will, während der Zweijährige ungelogen nur Scheiße baut und man gerade noch verhindern kann, dass die Rolle vorwärts nicht unbedingt im OG am Treppengeländer ins EG erfolgt. Zum anderen wusste ich auch dieses Mal nicht, ob mir ein Kaiserschnitt bevorstand oder nicht. Wie ich ja bereits geschildert habe, war eine Spontangeburt geplant, aber leider wurde nichts daraus. So und dann steht man genauso da, denn jeder Arzt warnt vor zu schwerem Heben. Und wir reden hier weder von Gewichtheben noch anderen Aktivitäten, sondern es sind ganz profane Dinge wie eine Einkaufstüte schleppen, verboten. Sehr witzig natürlich, wenn man ein weiteres Kleinkind hat, um nicht zu sagen ausgeschlossen. Aber es hilft natürlich unglaublich, wenn man erst einmal eine helfende Hand hat und deswegen bin ich sehr froh, dass mein Mann den ersten Monat mit mir und dem kleinen Schatz verbracht hat. Des Weiteren war es auch für die ganze besch… Bürokratie unglaublich hilfreich, denn die muss ja auch in den ersten Wochen erledigt werden. Das schönste an der Elternzeit mit Samu war jedoch, dass wir alle Vier (Fünf inkl. Felligem) die Anfangszeit genießen konnten und als Familie zusammen waren. Wir haben oft einfach nur zusammen im Bett gelegen und alle gekuschelt. Das war eine Zeit, die ich nie vergessen werde, weil ich sie als so unglaublich wertvoll empfunden habe. Gott sei Dank haben wir den zweiten Monat meines Mannes in die Zeit zwischen Weihnachten und Samus ersten Geburtstag gelegt und wieder freue ich mich wie ein kleines Kind auf die gemeinsame Zeit. Ich werde berichten…

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