Begutachtung der Hand Numero uno

Nachdem ich in den letzten Beiträgen geschildert habe, wie sich die Anfangszeit mit unserem kleinen Sonnenschein gestaltet hat, möchte ich in den folgenden Beiträgen schildern, welche medizinischen Erkenntnisse bei unserem Jungen gezogen wurden.

Die erste Untersuchung fand bereits relativ früh statt, nämlich noch im Krankenhaus. In der letzten Nacht, bevor man uns entließ, mussten unbedingt noch Röntgenaufnahmen für die anstehende Begutachtung bei Frau Dr. T gemacht werden. Die Ärztin war mir bereits bekannt, da sie zu einem Schwangerschaftsvorsorgetermin erschien, den ich mit Frau Dr. E in der Klinik beging. Damals wurde mir ja noch ein voll funktionsfähiger Daumen in Aussicht gestellt, der dann leider auf wundersame Weise verschwand. Im Nachhinein war der kleine Samu schon ein wenig wie ein Überraschungsei. Man weiß eben erst 100%ig, was heraus kommt, wenn man die Kugel öffnet.

Die Röntgenuntersuchung war auf jeden Fall ebenso spektakulär wie die vielen anderen Ereignisse, die ich in meiner Klinik des Vertrauens erlebte. Ich meine es war 22 Uhr, als ich mit meinem Babybett endlich zum Fahrstuhl rollen durfte (Corona war die Ausrede für alles). Allein versteht sich, denn das Nachtpersonal ist leider überall rar. Also schleppte ich mich mit fetter Kaiserschnittnarbe und einem schlafenden Kind, dem das Ganze gleich gar nicht schmecken würde, ein paar Etagen nach unten. Dort angekommen war ich auch erst einmal wieder lost in space. Ich kam mir ein wenig vor wie in der Horrorserie The Walking Dead, denn das Licht flackerte und ich war verwundet, spärlich bekleidet und völlig hilflos in einem Krankenhaus, das scheinbar kein Personal mehr zu haben schien.

Ein netter junger Mann mit russischem Akzent trat aus irgendeinem Raum heraus und befreite mich aus meiner langsam aufsteigenden Panikattacke. „Frau Lorenz, Sie kommen zum Röntgen?“. „Ich nicht, aber der Zwerg hier. Mit mir wäre es sicher einfacher“, entgegnete ich. „Das bekommen wir schon hin“, meinte Herr XY (er stellte sich mir leider nicht vor) ruhig. Dass er sich dabei ziemlich verschätzt hatte, gestand er sich hoffentlich später auch ein, denn eine Babyhand zu röntgen, ist glaub‘ wie eine Expedition zum Mars zu planen, schier unmöglich.

Gefühlt eine Million Mal versuchte der nette Assistenzröntgenmeister mir zu erklären, dass die Hand (also die gesunde) auch ausgestreckt werden müsste und gefühlt eine Million Mal versuchte ich ihm zu erklären, dass dies mit so kleinen Neugeborenenpatschehändchen fast unmöglich ist. Wer sich mit Babys auskennt, weiß eigentlich, dass diese fast immer ihre Finger zusammenkrümmen. Gut, wird nicht allzu oft vorkommen, dass da unten Besuch U1 vorbeischneit, aber ein bisschen Fachkenntnis wäre dennoch wünschenswert. Naja, egal, Herr XY war wenigstens sehr freundlich und extrem geduldig. Weshalb allerdings beide Hände geröntgt werden mussten, erschloss sich mir überhaupt nicht; dem leitenden Kinderarzt der Klinik am nächsten Morgen im Übrigen auch nicht. Aber als Frischlingsmama eines Kindes mit Besonderheit tut man ja brav, wie einem geheißen. Der ganze Spaß dauerte letztendlich 1,5h und wir waren die einzigen Gäste im Erdgeschoss. Es war ein riesen Act, die beiden Händchen so in Position zu bringen, dass die Bilder erstellt werden konnten. Dass ich mich dabei weigerte, meinem Samu Klebeband anbringen zu lassen, machte die Situation zwar nicht besser, aber kann sicherlich von allen Lesern nachvollzogen werden. Am Ende waren die Bilder für Frau Dr. T im Kasten und ich fix und fertig. Nun war ich aber gespannt wie ein Flitzebogen auf ihre Beurteilung…  

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