Langersehnter Termin in der Orthopädischen Klinik

Am 23.3. war es endlich soweit, wir hatten unseren Termin in einer orthopädischen Klinik im süddeutschen Raum, zu dem auch Herr Prof. Dr. Habenicht, als beratender Arzt, anwesend war, der lange Zeit als Leiter des Wilhelmstiftes in Hamburg fungierte. Wir erhofften uns dadurch, dass wir unserer kleinen Maus die Fahrt nach Hamburg ersparen können, um dort die Hand von Frau Dr. Hülsemann einschätzen zu lassen.

Obwohl die Zahlen im Hinblick auf Corona wieder stiegen, durften wir Samu dennoch zu Zweit zu diesem für uns wichtigen Termin begleiten. Ich hatte das im Vorfeld per E-Mail angefragt (übrigens muss man die elektronische Kommunikation mit der Klinik durchweg als positiv bewerten), da ich wusste, dass ich aufgrund meiner Emotionalität bei solchen Untersuchungen gern dazu neige, mir Sachverhalte falsch zu merken, Dinge vergesse zu fragen, oder mein Hirn einfach nicht voll und ganz aufnahmefähig ist. Aus diesen Gründen bin ich immer froh, wenn mich mein Mann bei solchen wichtigen Gesprächen begleitet.

Insgesamt erhoffte ich mir natürlich sehr viel von diesem Termin, immerhin sollte ja die Koryphäe schlechthin zugegen sein und nicht irgendwelche Wald- und Wiesenärzte, die sich mit ihren hochprofessionellen Tipps dennoch immer schwer zügeln können.

Gott sei Dank war der liebe Gott an diesem Dienstag im März gnädig mit uns und wir hatten weder einen Lockdown im Kindergarten, noch waren wir in Quarantäne oder hatten Stau – sehr erstaunlich für meine Verhältnisse (aber dazu mehr in einem bald erscheinenden Beitrag, der den Titel „Karma“ tragen wird). Na gut, ging ja auch um Samu und nicht um mich.

Nachdem wir unseren Großen in der Bespaßungsanstalt namens Kindi abgegeben hatten (angemerkt sei hierbei, dass wir einen sehr guten Kindergarten haben, der wirklich viel mit den Kids unternimmt) , machten wir uns auf zu unserem nächsten Halt, denn Jamie of Monrepos, unser weltbester adliger Hundling, musste auch noch versorgt werden. Und somit schmissen wir ihn bei seinen Kumpels für einen halben Tag im Hundelabradorparadies raus. Nach einer weiteren Dreiviertelstunde Fahrt kamen wir schließlich bei der Klinik an. Da ich ja ein Oberkontrolletti bin, hatten wir noch eine halbe Stunde Puffer. Aber mein Mann musste natürlich SOFORT ins Parkhaus fahren, was uns später noch teuer zu stehen kommen sollte… Außerdem möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass es auch Parkplätze an der Straße gegeben hätte, aber nein, ein Parkhaus ist viel sicherer, vor allem am helllichten Tag.

Wir packten also langsam unsere Sachen zusammen (und wer mit Kindern reist, weiß, dass man tunlichst genau alles beisammenhaben sollte, sonst wird einem die Hölle heiß gemacht) und liefen Richtung Klinik. Vor dieser angekommen, durfte man sich natürlich erst einmal Romane auf netten Hinweisschildchen durchlesen und schlau machen, wie es hier in Sachen Corona ablief. Ich möchte dabei anmerken, dass die Klinik hierbei sehr fortschrittlich war, denn man konnte sich bereits vor Betreten per E-Mail „einchecken“ und musste nicht die Zettel ausfüllen, die in unserem Spital jedes Mal gereicht werden. Gibt es eigentlich eine Studie dazu, wie viele Wälder Dank Corona und seiner Zettelwirtschaft abgeholzt werden? Falls nicht, wird es aber wirklich Zeit.

Drinnen angekommen wurde uns, wie wir es ja bereits gewohnt waren, die Wohlfühlatmosphäre schnell genommen, denn es fauchte uns eine Frau mittleren Alters an, dass nur eine Person zulässig sei, das stünde schließlich auch überall. Ich blieb ganz freundlich (was übrigens wirklich erstaunlich für mich war) und erklärte ihr ruhig, dass wir extra aus XY angereist seien und wir das im Vorfeld mit Frau S von der handchirurgischen Abteilung abgeklärt hätten. Da entgegnete die blöde Büchs doch, dass sie auch jeden Tag aus E anfahren müsse. Ich habe meinen Mann in unserer ganzen Beziehung selten, wirklich ganz ganz selten, aus dem Korsett hüpfen sehen, aber dies war ein Moment, wo ihm sprichwörtlich die Hutschnur riss. Die gute Frau wurde kurz mit zwei Sätzen eingenordet, sodass sie nur noch: „Ok.OK.“ stammeln konnte und mein Mann pfiff in einem Affenzahn mit dem Maxi Cosi an ihr vorbei. „Chapeau“, dachte ich mir, hätte ich jetzt besser nicht regeln können und trappelte stolz hinterher. Dass ich der dummen Pute nicht noch den Mittelfinger hochhielt, verdankte sie nur meiner guten Erziehung.

Wir fragten uns durch das endlose Labyrinth an Gängen, Abzweigungen und Aufzügen, bis wir schließlich dort landeten, wo wir hin wollten, nämlich in der Hand- und Plastischen Chirurgie. Eine Dreiviertelstunde ließ man uns in dem schönen lichtdurchfluteten Wartezimmer Platz nehmen, bevor man uns endlich aufrief. Wissen die eigentlich, dass das mit Baby in so einer Schale eine Zumutung sein kann? Ich meine, warum macht man denn eigentlich Termine in diesem Land? Und man darf mir ganz sicher glauben, dass ich persönlich auch zwei Stunden oder mehr in einem Wartebereich meinen Arsch platt sitzen würde und kein Problem damit hätte (aktuell mit zwei Kids wäre das sogar als Wellnessaufenthalt bezeichnen), aber mit einem Säugling, der noch nicht einmal drei Monate alt ist, finde ich so etwas wirklich grenzwertig. Naja egal, Samu wurde schließlich von einer Dame aufgerufen. Dabei erklang natürlich die Kriegerbezeichnung Samu Rai, nicht Rea oder Ray gesprochen. Ich kann es selbstverständlich niemanden verübeln, denn keiner weiß, dass wir den Zweitnamen englisch aussprechen, aber ich fragte mich schon, ob sich das jetzt so einbürgerte, denn ich hatte keinen Bock alle Personen immer zu korrigieren. Ich bin es schon bei meinem Großen leid, dessen Namen man ebenfalls nicht deutsch spricht, aber es so viele tun…

Vor lauter Aufregung verwarf ich diese Gedanken aber schnell, denn das eigentlich wichtige, nämlich die Untersuchung, stand ja nun unmittelbar bevor…

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