Zweite Impfe und Party on

Am 23.Juli bewegte ich nun meinen Allerwertesten wieder zum Onkel Doc, um mir die mysteriöse Flüssigkeit, die heiß diskutiert wurde, das hoffentlich letzte Mal in die Venen spritzen zu lassen. Gott sei Dank war ich eine der Ersten, die das Vergnügen hatte, denn hinter mir bildete sich im Anschluss die Schlange des Grauens.

So hieß es also erneut: Zurück auf Los, aber ziehen Sie keine 2000 Euro ein, sprich Aufklärungsgespräch. Haben Sie Bedenken? Ja/nein/vielleicht? Ja, habe ich denn eine Wahl? Und dann ab zur Nadelfrau. Wisst ihr aber, was ich in diesem ganzen Prozedere echt beunruhigend fand? Da schreibt die Ärztin doch auf meinen Zettel, dass ich ohne Priorisierung geimpft werde. Was heißt das denn jetzt? Spielt das irgendeine Rolle? Bekommt man dann doch den geheimen, sagenumwobenen anderen Impfstoff, den viele Verschwörungstheoretiker vermuten? Also eigentlich gehöre ich nicht zur letztgenannten Gruppierung, aber komisch fand ich es trotzdem…

Naja gut, was blieb mir übrig, schließlich war der Quatsch ja nun schon das erste Mal gespritzt wurden und ich vertraue nach wie vor auf meinen ehemaligen russischen/ sowjetischen Bruder, dass er uns auf solche Angriffe auf den Körper im Sinne der DNA-Veränderung schon durch sein Zeug damals gut gerüstet hat.

So war eigentlich meine Hauptsorge, ob ich am Abend ein/zwei oder auch drei Gläschen Prosecco trinken kann, denn schließlich war ich seit Monaten mal wieder gassibereit. Selbstverständlich nicht so wie vor den Kindern, bei Weitem nicht. Ich wollte nur ganz spießig bei meiner Nachbarin auf eine Prowinwellnessparty gehen. Die Ärztin gab mir ihr Okay, wenn ich es nicht übertreibe. Das war natürlich genau das, was ich hören wollte, denn ehrlich gesagt, hätte ich mit dieser Erlaubnis nicht gerechnet, nachdem meiner Busenkumpeline Eva dieses strikt verboten wurde. Wenn ich allerdings keine Symptome hätte nach sechs Stunden ginge dies schon in Ordnung – wunderbar.

Ich hatte sechs Stunden später keine Symptome. Nicht mal einen schweren Arm wie beim ersten Mal. Ich spürte in der Tat gar nichts. Mir ging es prima. „Super, dann kann ich ja heute Abend angreifen“, dachte ich mir noch.

Der Mittag verging, der Nachmittag auch und die gesundheitliche Lage veränderte sich nicht. Ich konnte also rüber flitzen. Es gab leckere Häppchen, tolle Kaltgetränke und ein wohltuendes Peeling mit anschließender Ölung (also Gott sei Dank noch nicht die Letzte, obwohl meine Füße mittlerweile schon schwer danach aussahen). Alles war ganz wunderbar, bis halb neun mein Kind anfing, mir den Abend und die Wohlfühlstimmung zu versauen.

Da ich mich ja direkt nebendran im nachbarschaftlichen Anwesen befand, konnte ich ihn brüllen hören. Mein Mann schloss zwar das Fenster, somit war das Geschrei gedämpft, aber mein Mutterherz verkrampfte sich selbstredend ab diesem Zeitpunkt und jede Mama wird mich da sicherlich verstehen können. Ich muss dazu sagen, dass mein Großer die exakte Kopie meiner Wenigkeit ist. Es wird auch schon gemunkelt, dass er besser werden könnte als das Original. Mit anderen Worten: er hat Ausdauer. Nun hätte ich dies ja ausgesessen, aber es gab ja mittlerweile Wipulino 2, der auch seinen Schönheitsschlaf brauchte.

Es kam, wie es kommen musste, mein Abend endete um 22 Uhr. Nachdem ich vor lauter Panik ein Glas zerstörte, mich überhaupt nicht mehr richtig auf Erklärungen, der sehr netten und kompetenten Prowinmaus konzentrieren konnte und ich auch kein Gespräch mehr so richtig aufnahm, unterbrach ich meine Wohlfühlstimmung und sauste rüber. Ich war dabei noch vorsichtig optimistisch und sagte: „Nicky, ich habe hier mein Glas geparkt, ich bin hoffentlich gleich wieder da!“.

Dabei hatte ich die Rechnung allerdings ohne mein Kind gemacht. Er war um zehn Uhr am Abend so wütend und aufgebracht, dass er sich bis um zwölf nicht beruhigen ließ. So sah ich alle Gäste der Party nacheinander abziehen, während ich versuchte meinen Stinki ins Bett zu bewegen. Er wollte nicht und ich war irgendwann so erschöpft und ausgelaugt, dass mir selbst der Gedanke an meinen halben Prosecco nicht mehr auf verhalf. Außerdem wusste ich auch nicht, ob es einer anderen Zweifachmama so recht wäre, wenn die Pute von nebenan plötzlich um Mitternacht wieder aufkreuzt. Obwohl bei Nicky, lach…

Am Ende des Tages war zwar meine Erholung für den A…, aber immerhin war ich in den Genuss ein paar leckerer Kaltgetränke gekommen. Für eine Mama ja schon Luxus genug. Von meiner zweiten Impfung spürte ich nach wie vor noch nichts. Dies sollte sich allerdings bald ändern.

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