Wie aus Frau F Manja wurde

Obwohl mir die nächsten neun Sitzungen bei der Physiotherapie unter normalen Umständen einiges abverlangt hätten (Zeit, Parkgebühren, die Klinik meines Vertrauens hust, hust, die Blicke fremder Leute etc. pp), freute ich mich eigentlich regelmäßig auf die Dienstage. Das Wort eigentlich ist hier unbedingt nötig, da die Eingrenzung meiner Freude durch die Aufzählungen in der Klammer schon ein bisschen stattfand. Dennoch freute ich mich immer auf einen Plausch mit meiner Schwester des Ostens, mit der man mal wieder ungezwungen den alten Dialekt völlig ungeniert auspacken konnte.

So quatschten wir über unsere Erfahrungen hinsichtlich der neuen Wahlheimat und ja, es war beruhigend zu wissen, dass auch andere Ostbürger die Erfahrung gemacht hatten, dass man im Süden der Republik manchmal eher zu einer Art Trauerfeier geht anstatt zu einem Geburtstag. Selbstverständlich möchte ich an dieser Stelle ganz viele mir auch liebgewonnene Freunde ausschließen, das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass es schon oft vorkommt. Keine Ahnung warum, aber vielen Personen müsste man einfach mal den Stock aus dem Popes ziehen, damit sie endlich mal locker in der Schlüpfer werden. Und eins ist mal ganz sicher, egal ob man Menschen aus der ehemaligen Täterä (und des erweiternden Ostblocks selbstverständlich) nun mag oder nicht, aber oft sind wir die Stimmungsaufheller. Wir sind die Leute, die zwar polarisieren, aber an denen man nun mal nicht vorbei kommt hihi. Ok, genug der Werbung für Ossis, weiter im Text.

Natürlich war mein kleiner Mausebär zwischen unserem ganzen Gequake immer wieder Thema (Obacht, Frauen sind nämlich multitasking; zumindest was die Betätigung unseres Mundwerkes anbelangt). Mir wurden Übungen für zuhause an die Hand gegeben, erklärt, was er für sein Alter können muss oder auch nicht, aber vor allem wurde mir unglaublich die Angst genommen, von Frau F, die mir mittlerweile viel besser bekannt und ans Herz gewachsen ist als Manja. Auch sie äußerte, dass ich mir nicht so viele Sorgen machen solle aufgrund der Hand, denn Samu werde seinen Weg schon gehen. Aber im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich bei ihr ganz oft das wunderbare Gefühl, dass sie schon recht behalten würde.

Neben Babysport und erheiternden Gesprächen thematisierten wir schon auch ernstere Dinge. Von Sitzung zu Sitzung hatte ich immer mehr das Gefühl zurück zu mir zu finden und Manja einfach Sachen anvertrauen zu können, gerade auch im Hinblick auf meine Gefühlswelt rund um Samu. Dabei kam auch das Wort Therapie ins Spiel, nur eben nicht für den körperlichen Zustand, sondern eher für mein Oberstübchen, mein Seelenheil, mein Inneres – wie auch immer man nun das wenig Greifbare bezeichnen möchte. Ich erzählte Manja von meinem Blog und davon, dass ich dort versuche, ganz viel zu verarbeiten, indem ich es mir von der Seele schreibe. Ein Mensch, der mir dabei hilft, mit mir und der Welt wieder klarzukommen, war für mich zum damaligen Zeitpunkt undenkbar. Auch wenn ich oft laut, aber lustig, robust und unverwüstbar, wirke, fällt es mir extrem schwer über Gefühle zu sprechen; also tiefsitzende negative Gefühle und meine Kids sind dabei quasi meine Achillesverse. Mit Manja konnte ich das, da sie eben zufälligerweise die perfekte Therapeutin für Samu und mich war (Oder gibt es den Zufall vielleicht gar nicht und uns werden immer die richtigen Menschen zur richtigen Zeit gesandt? Nur eine kleine Überlegung am Rande). Sie unterstützte mein Kind bei der richtigen Entwicklung und mich bei der Seelenheilung.

Deshalb meine Liebe möchte ich dir an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön aussprechen, denn ich weiß, dass du oft mitliest, sofern es als berufstätige Mama eben geht. Danke für die wertvollen Gespräche mit dir. Danke, dass du auch weiterhin zu unserem Leben gehörst und Samu mit Adleraugen überwachst. Danke, für die wertvollen Kontakte, die ich durch dich erhielt, um für mich selbst zu heilen. Und auch ein ganz großes Dankeschön für dein offenes Ohr, das du mittlerweile als Freundin für mich hast.

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