In freier Wildbahn

Der erste größere Ausflug, den wir mit Samu unternahmen, führte uns in den Zoo. Unser Großer hatte sich dies seit einer Weile gewünscht. Und wann bietet es sich besser an als in der Elternzeit? Denn dann kann man auch mal in der Woche zu Zebra, Affe und Co. fahren, ohne dass man sich mit Elefanten ums tot Trampeln der Besucher streiten muss. Erstere würden dies bestimmt gern tun bei den Massen und bei dem Geschrei an Wochenenden, Feiertagen oder in den Ferien.

Da mein Männle ja bekanntlich den Schichtdienst genießt und damit oft in der Woche zugegen ist, war dies für unser Vorhaben ausnahmsweise mal perfekt. Also zack, das Wurzelkind aus der Kita genommen und los ging es.

Ich muss ehrlich gestehen, es fiel mir nicht unbedingt leicht (auch nach sechs Monaten nicht) mich in der Öffentlichkeit mit meinem Kind zu zeigen. Da Samu im Januar geboren wurde, war nun Sommer und damit hörte das Versteckspiel in Winteranzügen oder langen Jacken tatsächlich auf.

Manja, Samus Physiotherapeutin, fragte mich in diesem Zusammenhang mal, vor was genau ich denn Angst hätte. Dass Leute gucken, blöde Sprüche abgeben, etwas über mich als Mama denken, oder vor was? Ganz ehrlich, ich kann diese Frage bis heute nicht gänzlich beantworten. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Das Allerwichtigste für mich ist aber, dass mein Kind nicht angestarrt und in irgendeiner Form von anderen durch ihr Verhalten ausgegrenzt wird. Was gewisse Herrschaften da draußen über mich denken, ist mir vielleicht nicht vollkommen egal, aber reiht sich in den tausenden Antworten auf die Frage glaub‘ ganz hinten ein.

Wir kamen also Frühmorgens im Zoo an und es war bereits schon herrlich warm. Auch unser Zweijähriger freute sich wie ein Schneekönig und war kaum zu bremsen. Er sauste in Windeseile an sämtlichen Absperrungen vorbei und sah den Sinn des Bezahlens überhaupt nicht ein. Gut, dass wir zu Zweit waren, sonst hätte mich vermutlich ein Drehkreuz daran gehindert, meinen Sausewind kurz vor Durchbruch des Eingangsbereiches abzufangen.

Als Erstes mussten die Seelöwen und Robben begutachtet werden, um danach sofort ins Aquarium zu springen, um dann in Windeseile den Berg hoch zu flitzen. Dabei haben Kleinkinder, zumindest meines Erachtens nach, eine Aufmerksamkeitsspanne, die einer Feldmaus gleicht. Nur hin und wieder war es ein Tier wert, zu verweilen, dann aber ausgiebig. Samu musste das Ganze in seinem Kinderwagen erdulden, entweder wie ein Pferd im Galopp zu fliegen oder minutenlang in der Sonne auszuharren. Es war ihm allerdings völlig egal, er quickte fröhlich und fand es mega.

Auch mein Gemütszustand entspannte sich von Stunde zu Stunde. Ok, es gab nicht den Menschenauflauf, der sonst üblich war (auch da hatte Corona seine Vorteile mit sich gebracht), aber dennoch waren wir natürlich nicht allein unterwegs. Bin ja schließlich kein Weltstar, der sich ganze Areale zur Alleinnutzung mieten kann – manchmal bissi schade,lach.

So nahmen sicherlich einige Leute wahr, dass mit meinem Baby etwas anders war, aber es gab zu keinem Zeitpunkt dämliches Gestarre, Getuschel oder dubbelige Kommentare, die mich aus der Fassung gebracht hättem. Also vielen Dank liebe Zoobewohner, Besucher und liebes Universum, dass ihr mir geholfen habt, in meinem noch sehr instabilen Zustand keinerlei doofe Erfahrungen zu machen. Es war ein kleiner, aber wichtiger Step zurück in die Normalität, aber vor allem auch in die freie Wildbahn, ohne dieses ganze Versteckspiel.

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