Ein Tag auf dem Bauernhof

Ein weiterer wichtiger Meilenstein auf meinem Weg hin zur Normalität war der Besuch mit Freunden auf einem großen Bauernhof. Ich kann euch gar nicht sagen, wie wichtig gute Menschen um einen herum sind, um in die Akzeptanz mit seinem Schicksal zu kommen. Es hilft unglaublich, wenn es Personen und auch Kinder im eigenen Umfeld gibt, die mit Betroffenen einfach völlig normal interagieren.

So trafen wir uns im August mit guten Freunden auf einem Schaubauernhof mit vielen tollen Attraktionen für Kinder. Es war Sonntag, es war warm und es waren viele Besucher da. Ihr versteht, was ich euch damit sagen will? Ganz genau, verstecken war gestern.

Selbstverständlich fühlte ich mich immer noch nicht hundert Prozent wohl in meiner Haut, aber es tat unfassbar gut, dass alle anderen mir ein völlig anderes Gefühl vermittelten. Meine Freundin schleppte Samu von A nach B, scherzte mit ihm, erklärte ihm die Welt und ließ ihn einfach mit den Großen mitspielen. Völlig unbeschwert, völlig angstfrei, völlig normal.

Samu schaute den Schafen zu, wurde zu den Pferden hoch gehoben, planschte im Wasser, und verständigte sich mit seinen Zweiwortbrabbellauten mit den größeren Kindern. Es war einfach so toll mit anzusehen, dass es für die Kinder von meiner Freundin überhaupt kein Thema war und ist, dass der Kleine ohne rechte Hand zurecht kommen muss. Es wurde einmal kurz erklärt, dass Samu so geboren sei (hierbei hatte ich ja nun dazu gelernt, bloß keine Heldengeschichten) und die Sache war geklärt. Auch für unseren großen Sohn stellt diese Einschränkung keinerlei Problem dar. Es war kurz nach dem Einzug von Samu eine Woche lang thematisiert worden und danach hatte es mein damals Zweijähriger akzeptiert und verlor nie wieder ein Wort darüber. Im Gegenteil, Samu wurde überall stolz mit den Worten: „Hast du eigentlich schon meinen Brudi gesehen und kennengelernt?“, vorgestellt.

Man kann von der unendlichen Leichtigkeit der Kinder so viel lernen. Denn es sind unsere Glaubenssätze, unsere Erfahrungen, unsere Negativität, sprich unser Mindset, das falsch programmiert ist. Kids erhalten eine Erklärung und damit ist es gut. Sie grenzen niemanden aus, sie verurteilen nicht, sie integrieren alle in ihr Spiel, zumindest die Kleinen und die Kinder, die einen offenen Umgang mit Integration aller Art gewöhnt sind.

Für mich sind Kinder auf jeden Fall tolle Vorbilder und sie zeigen mir durch ihr Verhalten sehr deutlich, dass das eigentliche Problem vermutlich doch bei mir liegt. Und dabei möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen, dass ich mein Kind über alles liebe, ich ihn aber einfach vor Ausgrenzung, Diskriminierung und Mobbing schützen möchte. Dabei ist mir natürlich zu einer Million klar, dass ich das auch nur erreichen kann, wenn ich in die Akzeptanz gelange und es mir aus tiefsten Herzen völlig am A… vorbei geht, was andere denken, sagen oder tun.

Auf jeden Fall war dieser Ausflug für mich ein weiterer Step in die richtige Richtung. Denn alle behandelten Samu völlig normal; auch die fremden Leute. Es findet damit so viel einfach in meinem Kopf statt. Auch wenn ich mir nichts vormachen will, denn es werden sicherlich hin und wieder einmal komische Situationen kommen. Aber gibt es die nicht mit jedem Kind? Es ist glaube an der Zeit, dass ich mir eine andere Story erzähle, eine Heldenreise mit Samu. Der kleine Krieger, der mir gesandt wurde, um Mama zu retten.

Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass der Tag kommt, an dem dieser Gedanke aus vollster Überzeugung in meine Seele eintätowiert ist. Und Menschen, wie meine Freundin Kamila und ihre Familie begleiten mich auf diesem Weg dahin – herzlichen Dank dafür!!!

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