Samus Geschwister

Wie Inklusion am besten funktioniert, können wir in der Tat von kleinen Kindern und Tieren lernen. Diesen ist es nämlich in der Tat sch… egal, was jemand hat oder eben auch nicht.

Ich habe es jetzt in Samus erstem Jahr immer wieder erlebt, dass Kinder zwar fragen, ob die Hand noch wächst oder warum er nur eine hat, aber nach der Erklärung war es immer auch gut. Wir haben bis jetzt, und ich klopfe kurz auf Holz, noch keinerlei diskriminierende Erfahrungen mit jüngeren Kindern gemacht.

Auch unser großer Sohn hat nach Samus Geburt NIE wieder thematisiert, dass sein Bruder nur eine Hand hat. Er wird genauso in sein Spiel eingebunden wie seine Kumpels. Wie selbstverständlich gibt er Samu die Spielsachen in die linke Hand, mit der er auch greifen kann. Dabei wurde noch nie kundgetan, dass es blöd sei, dass sein Bruder keine zwei Hände hat. Es spielt tatsächlich überhaupt keine Rolle. Geschont wird er auch absolut nicht, sei es beim Toben oder beim Kuscheln, es wird, so herrlich normal, überhaupt keine Rücksicht genommen.

Ebenso erlebe ich immer wieder, dass unsere große Maus voller Stolz seinen „Brudi“ präsentiert, wenn er auf neue Leute trifft. „Habt ihr eigentlich schon meinen Samu kennengelernt?“, ist dann oft sein erster Satz. Ich schätze diese Offenheit so sehr und diese bedingungslose Liebe seinem Geschwisterchen gegenüber. Seine Einschränkung spielt für ihn überhaupt keine Rolle, er achtet nicht auf Blicke, ihn interessieren die Gedanken der Erwachsenen nicht – ihm ist einfach alles so wunderbar egal. Ein tolles Vorbild, besonders für die Mama.

Wen ich auch so unfassbar liebe in Hinblick auf seine Geduld, ist unser Familienhund, unser Erstgeborener wie wir ihn spaßeshalber nennen. Obwohl Jamie ein unglaubliches Charaktertierchen ist und gern seinen eigenen Weg geht, besonders wenn es draußen so gut nach Weibchen riecht, ist er bei den Kindern beispielslos geduldig. Ihn bringt einfach gar nichts aus der Ruhe. Am Schwanz fassen, an den Barthaaren ziehen, Zähne anschauen, drauf sitzen – alles gar kein Problem für unser blondes Familienmitglied.

Schon als unser erster Sohn auf die Welt kam, wurde er akzeptiert wie ein Welpe. Der Maxi Cosi musste bewacht werden und unters Babybett kroch man ebenfalls fürs Wohlbefinden. Oft haben wir gedacht, dass wir den Hund schützen müssen vor dem sehr lautem Babygeschrei. Wenn wir ihn dann aber aussperrten, wurde vehement vor der Tür mit lautem Fiepen nach Einlass begehrt. Also ließen wir ihn immer neben seinem menschlichen Bruder schlafen und diesen bewachen. Was Nichttierbesitzer dazu sagten, ging mir mit der Zeit auch immer mehr am A… vorbei. Den beiden tat es gut und wem es nicht passte, sollte doch bitte einfach die Augen schließen oder ganz wegbleiben. Da wurde ich immer radikaler. Denn wir lieben unser Haustier ebenfalls ganz arg und er ist eben zum Familienmitglied geworden, Punkt.

Samu und Jamie haben eine noch engere Bindung als mein Erst- und Zweitgeborener. Das machte sich schon sehr früh bemerkbar. Obwohl unsere jüngste Maus wie ein Opernsänger sang (ihr wisst stundenlang), schreckte das den Felligen in keinster Weise ab. Im Gegenteil sie suchen beide immer die Nähe des anderen.

Als Samu begann zu krabbeln, musste Jamie immer hinterher und im Gegenzug wurde morgens nach dem menschlichen Brudi zu allererst nach dem Hund geschaut. Wer interessiert sich schon für Mama und Papa…

Auch von Tieren können wir meiner Meinung nach lernen, wie ein gelungener Umgang mit allen Lebewesen funktioniert. Es ist wirklich egal, wie jemand aussieht: stehende Ohren oder Schlappohren, groß oder klein, dick oder dünn, vier Pfoten oder drei, blind oder sehend, humpelnd oder laufend – alles völlig Wurscht. Man kann sich eben leiden bzw. riechen oder eben nicht. Dass man allerdings jemanden ausgrenzt, weil er anders aussieht, wird man bei Tieren niemals erleben. Vielleicht sollte man ja manche Menschen mal in die Hundeschule schicken, aber eben nicht, damit das Tier lernt…

Neulich habe ich mal gelesen: „Weil ich einen Bruder habe, habe ich für immer einen Freund.“ Samu hat gleich zwei, seinen menschlichen und seinen felligen, die ihn über alles lieben, auf ihn aufpassen und beschützen und dafür bin ich den beiden so unendlich dankbar, denn ich weiß, dass sie immer hinter ihm stehen und ihm Kraft spenden werden.

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