Antrag auf einen Behindertenausweis

Den nächsten großen Antrag, den ich irgendwie nie stellen wollte, lautete: Antrag auf einen Behindertenausweis. Ihr wisst, dass ich mit dem Wort „Behinderung“ allein schon meine Schwierigkeiten habe, einen Ausweis dafür rumliegen zu haben, ging mir aber so gänzlich gegen den Strich.

An dieser Stelle möchte ich die ganzen Leute einmal zitieren, die immer wieder sagten: „Es ist doch nur eine Hand!“ Genau, also soll ich meinem Kind nun deshalb den Stempel „schwerbehindert“ in Form eines Dokumentes aufdrücken? Auch hier dauerte es Monate, bis ich eine Entscheidung treffen konnte.

Ich las vor allem mal wieder in meiner Lieblingsgruppe nach, wer warum wann und wie einen solchen Ausweis beantragt hatte oder eben nicht. Irgendwann erkannte ich, auch nach Rücksprache mit meinem Steuerberater, dass es schon Sinn machte, einen zu haben. Denn soweit ich das verstand, ist es ansonsten schon problematisch, wenn man Pflegegeld erhält.

Auch ist es wohl möglich, die KfZ-Steuer erlassen zu bekommen, wenn man das betroffene Kind für das Auto anmeldet. Ja, ihr habt richtig gelesen, das gilt auch, wenn es noch nicht volljährig ist. Ich habe es zwar noch nicht selbst ausprobiert, aber schon von mehreren Leuten mitbekommen, dass dies geht.

Des Weiteren ist es natürlich sonst für Vergünstigungen in der Spaßgesellschaft gut. So ein Eintritt im Zoo, im Europapark, im Spielewunderland oder wo auch immer, kann schon einmal den ein oder anderen Euro kosten. Hier kann man für sein Kind etwas sparen und ggf. für anfallende Kosten wie Fahrten zu speziellen Untersuchungen, Zuzahlungen bei Hilfsmitteln (hierfür ist das Ding/der Ausweis übrigens auch hilfreich, wenn man es hat) etc. zurücklegen. Hat man dann in diesem Ausweis beispielsweise noch ein H für hilflos vermerkt bekommen, gelten diese Vergünstigungen auch für eine Begleitperson.

Auch ist es einfacher, gewisse Anträge zu stellen, wie mir das SPZ mitteilte. Eine zusätzliche Kraft im Kindergarten müsste wohl über das Sozial Pädiatrische Zentrum der jeweiligen Stadt beantragt werden und mit einem entsprechenden Dokument sei dies leichter, dass das Personal auch tatsächlich bewilligt wird. Inwiefern das allerdings tatsächlich so ist, kann ich nicht beantworten, denn unser Kindergarten sieht das dankenswerter Weise als absolut nicht notwendig an. Angemeldet hatten wir Samu hier schon kurz nach seiner Geburt für die Wichtelgruppe, sprich für Kinder ab einem Jahr.

Was mein Kind aktuell sicherlich noch nicht betrifft, aber eventuell später, sind Ermäßigungen bei Bus- und Bahntickets, mehr Urlaub im Job und besserer Kündigungsschutz, Parken direkt in der Stadt, ohne lange Suche, oder auch Ermäßigungen beim Autokauf von 10-15% fast aller Autohersteller (ein Applaus für Letztere an dieser Stelle).

Ich konnte also nach intensiver Recherche keinen ersichtlichen Nachteil des Dokuments mit dem schrecklichen Namen ausmachen. Außer, dass es eben bescheuert klingt und ich das Ding aufgrund dessen schon hassen werde. Ich habe mir also vorgenommen, sofern wir es bewilligt bekommen, es ganz tief unten in Samus Ordner zu vergraben, bis ich mich damit abgefunden habe.

Ich füllte also wieder einmal das geduldige Papier aus, dachte nicht groß nach, kopierte noch die medizinischen Akten, die sich in meinem Besitz befanden, steckte alles in einen Briefumschlag und schickte es an unser zuständiges Landratsamt. Welches dies in eurem Fall ist oder über welche Behörde das generell in den jeweiligen Bundesländern zu beantragen ist, erfahrt ihr wahrscheinlich am schnellsten im Internet oder eben auch beim SPZ. Da wir mit Samu eh dort zur Physiotherapie gingen, vereinbarte ich gleich einen Beratungstermin mit einer Dame, die sich hervorragend auskannte und uns auch den gesamten Papierstabel inkl. Adresse gleich in die Hand drückte.

Beantragt im Oktober erhielten wir Bescheid Ende Januar. Ein großes Hurra geht an die Ämter, aber diesmal die other way round, wenn ihr versteht… Zumindest waren wir nun stolzer Besitzer eines grünen Dokuments, dass ohne Lichtbild gültig ist, und welches nun einmal diesen furchtbaren Namen trägt: „Schwerbehindertenausweis“. Auf der Rückseite wird der Grad der Behinderung angegeben (GdB). Wir haben 50% erhalten. Weshalb Menschen mit Diabetes und einer geheilten Krebserkrankung oft mehr zugesprochen bekommen, weiß ich zwar nicht, aber ich bin ja kein neidischer Mensch und gönne jedem, was ihm/ihr zusteht. In diesem Sinne, fühlt euch bitte ermutigt, es mir gleich zu tun und eure unguten Gefühle zu vergraben oder eben wie ich nach unten abzuheften.

Bildquelle: https://www.hamburg.de/schwerbehindertenausweis/2743942/eintragungen-schwerbehindertenausweis/

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