Klinik meines Vertrauens

Ich hörte den Arzt der Radiologie noch sagen: „Klären Sie Ihren Befund bitte dringend in einer Uniklinik ab, auf keinen Fall in der in unserer Stadt!“. So und was machte ich??? Klar, ich vereinbarte einen Termin in unserer Stadt und in der Klinik, in der Samu und ich schon die tollsten Dinger erlebt hatten, die ich hier bereits zum Lesen serviert habe.

Weshalb ich das immer tue, obwohl ich im Vorfeld schon weiß, dass dies totaler Bullshit wird, kann ich euch echt nicht sagen. Ich denke an dieser Stelle war es Bequemlichkeit und die leise Hoffnung, dass eine andere Station andere Erfahrungen liefert. Tut sie leider nicht, um das schon einmal vorweg zu nehmen…

Zunächst wurde wieder ein Termin bei sämtlichen Chefärzten klar gemacht – der Rubel rollt, sag ich dazu nur. Dass diese dann oft beim Golf spielen sind, wie einem noch ganz ehrlich kommuniziert wird, interessiert auf der Abrechnung dann niemanden. Aber ganz ehrlich, in der Regel sind mir ihre Oberarztkollegen eh lieber: na an der Praxis und insgeheim die heimlichen Chefs.

Erster Halt: ich durfte mein Hämangiom in der Ultraschallsonografie abchecken lassen. Dabei fuhr mir eine Ärztin mit dem Gerät gefühlte hundert Jahre über den Bauchraum, während ich fleißig Yoga-Atemtechniken absolvierte: „Einatmen, ausatmen, halten…“ und dasselbe Spiel immer und immer wieder. Zwischendurch wird irgendwelches Fachchinesisch an die Assistenz diktiert und weiter geht’s im Text.

Nach wie vor finde ich es immer spannend, dass alle Berufsgruppen scheinbar davon ausgehen, dass man das Gleiche studiert hat, denn die Begriffe, die einem um die Ohren fliegen, scheinen für alle im Raum selbstverständlich, nur eben für einen selbst nicht. Natürlich wäre ich nicht Sue, wenn ich die Herrschaften mittlerweile nicht unterbrechen würde. Also wollte ich wissen, was denn jetzt so super daran sei, wenn das Geräusch „echoarm“ ist. „Naja Frau Lorenz, damit kann ich eigentlich fast sicher sagen, dass Sie keinen Leberkrebs haben. Was das allerdings jetzt letztendlich ist, weiß ich auch nicht. Das muss der Herr Dr. R oben abklären“.

Na hervorragend, kein Leberkrebs mit 35 – was für eine gute Nachricht! Ich weiß nicht, ob die Damen und Herren die Zeitspanne meines Tumors beachtet haben, aber mit Leberkrebs hätte ich es wahrscheinlich keine fünf Jahre inkl. Nobelpreisblutwerten geschafft.

Ich war also tatsächlich wenig überrascht, dass zumindest das ausgeschlossen wurde. Zusätzlich war die Kollegin sich auch noch in einem ganz sicher: kein Hämangiom und damit leider doch geringfügig besorgniserregend. Dass ihr angekündigter Chefarzt allerdings den Vogel für mich abschießen sollte, habe ich zu diesem Zeitpunkt im Keller meines Lieblingskrankenhauses noch nicht erahnen können…

Bildquelle: https://www.pexels.com/de-de/foto/tur-geoffnet-239853/

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