Wolle Petrys Diagnose…

Ich ließ Wolle Petry erst einmal seine Arbeit machen und war mir durchaus bewusst, dass man die Doktoren in ihren Monologen besser nicht unterbricht, sonst werden sie nämlich irgendwie ungemütlich.

Nachdem er nun Laura alles referiert hatte, fragte ich frech, ob man mir denn jetzt ‚mal bitte übersetzen könne, was denn nun Sache sei und das bitte auch für Leute, die fernab jeglicher medizinischer Galaxien sind.

„Also Frau Lo, wir haben es mit einer klassischen FNH zu tun, wie ich Laura schon erklärt habe. Diese ist auch ganz typisch ausgeprägt und hat Lehrbuchcharakter, weshalb ich mir einhundert Prozent sicher bin. Dies ist ein gutartiger Tumor, der niemals entartet. Aufgrund des Größenwachstums sollte man diesen lediglich beobachten. Auch ihre Zyste am Eierstock schätze ich zum einen kleiner ein, zum anderen finde ich auch diese nicht beunruhigend. Meine Frau hat seit 20 Jahren son Ding und hat es nie raus operieren lassen. Jede OP birgt schließlich auch Risiken.“ – Herzlichen Dank für die sehr coole Übersetzung für Fachidioten und die ehrlichen Ratschläge ohne Profitgedanken!

Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen und ich wollte noch einmal wissen, wie ich denn nun aber mit der Diagnose des Kollegen umzugehen habe. „Ich haue eigentlich nie Kollegen in die Pfanne,“ nein dachte ich mir… die eine Krähe hackt der anderen in der Regel kein Auge aus, also bin ich gespannt, was jetzt kommt… „aber ich würde mir überlegen, ob ich diese Vorgehensweise nicht der Ärztekammer melde. Denn sie sind insgesamt eine gesunde Frau, mit idealen Blutwerten, einer eindeutigen FNH, und zwei kleinen Kindern, vielleicht mit ein- zwei Kilo zu viel, aber das ist nicht so tragisch. Wenn Sie den Kollegen fragen würden, ob er mit diesen medizinischen Voraussetzungen seine Frau operieren würde, und er dürfte nicht schwindeln, dann müsste er die Frage mit einem klaren NEIN beantworten.“

Mal abgesehen von der dämlichen Anspielung auf mein Gewicht (das ja, das gebe ich durchaus zu, nach zwei Schwangerschaften und unzähligen Abnehm-Versuchen immer noch zu hoch war), welche man sich hätte aber auch sparen können, war ich unendlich dankbar für diese Neuigkeiten.

Man glaubt es vielleicht nicht, aber ich fühlte mich, als hätte Dr. Wolle mir gerade ein neues Leben geschenkt. Es war schöner als jeder Geburtstag, ja es war schöner als jegliches Weihnachten, Ostern oder alles zusammen.

Während mich monatelang die blanke Panik ergriffen hatte, dass meine Kids eventuell ohne Mama groß werden mussten, falls etwas schief läuft (vor allem mein kleiner Samu, den ich doch speziell beschützen und stärken muss), konnte ich endlich wieder durchatmen. Und das meine ich wirklich wörtlich. Als ich das Krankenhaus verließ, nahm ich alles viel deutlicher wahr: den Wind, die Temperaturen, den leichten Nieselregen, den Geruch von Pflanzen – einfach alles. Es war ein Geschenk, das mir gemacht wurde. Ein Geschenk, was sich durch nichts Materielles ersetzen lässt. Ein Geschenk, das man Leben nennt.

Bildquelle: https://www.gettyimages.de/fotos/wolfgang-petry

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