Wie aus Frau F Manja wurde

Obwohl mir die nächsten neun Sitzungen bei der Physiotherapie unter normalen Umständen einiges abverlangt hätten (Zeit, Parkgebühren, die Klinik meines Vertrauens hust, hust, die Blicke fremder Leute etc. pp), freute ich mich eigentlich regelmäßig auf die Dienstage. Das Wort eigentlich ist hier unbedingt nötig, da die Eingrenzung meiner Freude durch die Aufzählungen in der Klammer schon ein bisschen stattfand. Dennoch freute ich mich immer auf einen Plausch mit meiner Schwester des Ostens, mit der man mal wieder ungezwungen den alten Dialekt völlig ungeniert auspacken konnte.

So quatschten wir über unsere Erfahrungen hinsichtlich der neuen Wahlheimat und ja, es war beruhigend zu wissen, dass auch andere Ostbürger die Erfahrung gemacht hatten, dass man im Süden der Republik manchmal eher zu einer Art Trauerfeier geht anstatt zu einem Geburtstag. Selbstverständlich möchte ich an dieser Stelle ganz viele mir auch liebgewonnene Freunde ausschließen, das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass es schon oft vorkommt. Keine Ahnung warum, aber vielen Personen müsste man einfach mal den Stock aus dem Popes ziehen, damit sie endlich mal locker in der Schlüpfer werden. Und eins ist mal ganz sicher, egal ob man Menschen aus der ehemaligen Täterä (und des erweiternden Ostblocks selbstverständlich) nun mag oder nicht, aber oft sind wir die Stimmungsaufheller. Wir sind die Leute, die zwar polarisieren, aber an denen man nun mal nicht vorbei kommt hihi. Ok, genug der Werbung für Ossis, weiter im Text.

Natürlich war mein kleiner Mausebär zwischen unserem ganzen Gequake immer wieder Thema (Obacht, Frauen sind nämlich multitasking; zumindest was die Betätigung unseres Mundwerkes anbelangt). Mir wurden Übungen für zuhause an die Hand gegeben, erklärt, was er für sein Alter können muss oder auch nicht, aber vor allem wurde mir unglaublich die Angst genommen, von Frau F, die mir mittlerweile viel besser bekannt und ans Herz gewachsen ist als Manja. Auch sie äußerte, dass ich mir nicht so viele Sorgen machen solle aufgrund der Hand, denn Samu werde seinen Weg schon gehen. Aber im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich bei ihr ganz oft das wunderbare Gefühl, dass sie schon recht behalten würde.

Neben Babysport und erheiternden Gesprächen thematisierten wir schon auch ernstere Dinge. Von Sitzung zu Sitzung hatte ich immer mehr das Gefühl zurück zu mir zu finden und Manja einfach Sachen anvertrauen zu können, gerade auch im Hinblick auf meine Gefühlswelt rund um Samu. Dabei kam auch das Wort Therapie ins Spiel, nur eben nicht für den körperlichen Zustand, sondern eher für mein Oberstübchen, mein Seelenheil, mein Inneres – wie auch immer man nun das wenig Greifbare bezeichnen möchte. Ich erzählte Manja von meinem Blog und davon, dass ich dort versuche, ganz viel zu verarbeiten, indem ich es mir von der Seele schreibe. Ein Mensch, der mir dabei hilft, mit mir und der Welt wieder klarzukommen, war für mich zum damaligen Zeitpunkt undenkbar. Auch wenn ich oft laut, aber lustig, robust und unverwüstbar, wirke, fällt es mir extrem schwer über Gefühle zu sprechen; also tiefsitzende negative Gefühle und meine Kids sind dabei quasi meine Achillesverse. Mit Manja konnte ich das, da sie eben zufälligerweise die perfekte Therapeutin für Samu und mich war (Oder gibt es den Zufall vielleicht gar nicht und uns werden immer die richtigen Menschen zur richtigen Zeit gesandt? Nur eine kleine Überlegung am Rande). Sie unterstützte mein Kind bei der richtigen Entwicklung und mich bei der Seelenheilung.

Deshalb meine Liebe möchte ich dir an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön aussprechen, denn ich weiß, dass du oft mitliest, sofern es als berufstätige Mama eben geht. Danke für die wertvollen Gespräche mit dir. Danke, dass du auch weiterhin zu unserem Leben gehörst und Samu mit Adleraugen überwachst. Danke, für die wertvollen Kontakte, die ich durch dich erhielt, um für mich selbst zu heilen. Und auch ein ganz großes Dankeschön für dein offenes Ohr, das du mittlerweile als Freundin für mich hast.

Eine Schwester des Ostens oder auch Samus Physiothapetie

Wie bereits erwähnt, konnte ich mich noch nicht richtig mit der Entscheidung anfreunden, Samu mit seinen gerade einmal acht Wochen zu einer Physiomaus zu schleifen, aber irgendwie sagte mein Inneres wieder, dass es auch nicht schaden könne. Also rief ich in einer Praxis an, die mir von einer Nachbarin ans Herz gelegt wurde. „Wir haben leider erst im Juni wieder etwas frei“, tönte eine ältere Dame ins Telefon. „Also gut, dann tragen Sie uns da bitte ein“, entgegnete ich.

Da es aber nicht zu meinen charakterlichen Stärken gehört zu warten, versuchte ich es über unsere Klinik, schließlich waren wir da auch im SPZ. Wieder hatte ich eine sehr liebe Person am Telefon. „Ob das wohl zum Berufsbild gehört?“, dachte ich. Ich fühlte mich auf jeden Fall auch hier gut aufgehoben und bekam einen Termin für die kommende Woche, allerdings bei einer Frau F, die sich noch bei mir melden würde bezüglich eines Tages und der Uhrzeit.

Frau F meldete sich auch zeitnah bei mir und war mir von Anfang an sehr sympathisch, denn sofort war auch durch den Dialekt klar, dass es sich bei ihr um eine Schwester des Ostens handelte. Ich weiß nicht warum, aber es sorgt bei mir immer gleich für Wohlfühlatmosphäre, Vertrauen und Heimatgefühl. So schnackten wir bestimmt auch schon beim ersten Telefonat 15min, um einen simplen Termin zu vereinbaren. Kamen irgendwie vom Hundertsten ins Tausendste – passiert oft bei Menschen aus dem Ostblock (inkl. alle Staaten östlich der ehemaligen DDR); viele Menschen sind da weniger verstockt, habe ich den Eindruck.

Beim ersten Termin, der natürlich pünktlich eingehalten werden konnte, da er nicht mit Frau B vom SPZ vereinbart wurde (habe die blöde Trulla nicht vergessen und wurde jeden Dienstag auch brav beim Vorbeischlappen an sie erinnert), war ich schon ziemlich aufgeregt. Wieder eine neuen Person die Geschichte rund um Samu erzählen, vielleicht wieder schwer Verdauliches in diesem Zusammenhang ertragen, wieder jede Woche mit meinem Mausbär durch Klinikhallen schlappen und dabei überlegen, ob ich selbstbewusst das Ärmchen frei lasse oder den Pulli drüber streife. Ich glaube ich habe Letzteres bis ganz zum Schluss getan, weil ich immer noch nicht mit der Situation umgehen konnte.

„Hey, ich bin MF. Ihr wollt sicher zu mir und du bist der kleine Samu. Wartet noch kurz, ich bin gleich für euch da“, überrollte uns Samus selbstbewusste, dynamische Physiotherapeuten in einem mir sehr bekannten und beliebten Dialekt (und da sch… ich drauf, was der Rest der Nation von uns hält!). „Jawohl geht klar“, antworte ich, wusste aber gar nicht, ob sie es noch gehört hatte. So schnell, wie Frau F verschwunden war, sauste sie wieder mit Handtüchern an uns vorbei, hielt uns die Tür auf und sagte: „So hereinspaziert, kann losgehen“.

Ich glaube, wenn Menschen dabei gewesen wären, die mich gut kennen, hätten diese sofort erkannt, dass ich mich ganz unsicher verhielt. Gar nicht suelike: crash boom bang. Ganz vorsichtig packte ich Samu aus seinen Winterklamotten und versuchte zeitgleich an bisschen zu berichten, wer wir waren. Dabei wurde ich ziemlich schnell unterbrochen mit dem Satz: „Ihr seid aber nicht nur da wegen der Hand?“. „Ähm doch. Betroffene Eltern haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, stotterte ich verunsichert. „Na dann schauen wir mal… Na du kleiner Mann. Schon wieder ein neues Gesicht und dann auch noch mit blöder Maske“. Dass die Physiomaus plötzlich völlig in der Kommunikation mit meinem Kind vertieft war, lenkte mich unglaublich ab, auch von meinen aufsteigenden Tränen. Ich weiß nicht genau, was an ihr das Gefühl bewirkte, aber ich empfand mein Kind schon nach wenigen Minuten als keines mehr, was anders war oder als therapiebedürftig eingestuft wurde.

Nachdem wir die ganzen Parameter zu Samus Geschichte abgehakt hatten, begann die Turnstunde, die Samu zumindest beim ersten Mal noch äußerst interessant fand und mich nicht blamierte. So war es Thema, dass Rotationen wichtig sein, aber man ihn auch dringend über seine rechte Seite animieren müsste nach Dingen zu greifen oder diese zu schlagen, je nachdem auf welchem Entwicklungsstand der Säugling aktuell sei. Natürlich wäre ich nicht da gewesen, wenn meinem Kind nicht die Hand fehlen würde, dennoch hatte die Therapiestunde etwas von einer Krabbelgruppenstunde nur ohne andere Babys, denn netten Smalltalk hatte ich alle mal. So erhielt ich am Ende sogar noch den äußerst wichtigen Tipp, dass unser Schnuller viiiieeeel zu groß sei für dieses kleine Mäuschen. Besser hätte es auch die Stillmafia nicht beobachten können, denn dass die Dinger durchs Abkochen und Desinfizieren aufquellen, war mir beim täglichen Gebrauch natürlich nicht aufgefallen. Allein dafür hatte sich die Sitzung bei der Physiothapetie, wie mein 2,5-Jähriger damals immer sagte, gelohnt.

Osteo, Physio und Co.

Nachdem ich nun etwas in der Chronologie gesprungen bin, versuche ich nun wieder einen Schritt zurückzugehen. Denn ich wollte euch noch berichten, welche Erfahrungen ich mit Samu beim Osteophaten und bei der Physiotherapie gemacht habe.

Als Samu die ersten Wochen so unglaublich schrie, wollte ich als Mutter nichts unversucht lassen und ließ mich von meiner Hebamme dazu überreden, einen Kinderosteophaten aufzusuchen. Irgendwie sagte mein Mutterinstinkt zwar wieder, dass dies nicht die Lösung des Problems sei, dennoch vereinbarte ich einen Termin.

In unserer Nachbarstadt erwartete mich ein junger, äußerst attraktiver Mann, der als erstes wieder die üblichen Fragen stellte: Name, Geburtsdatum, Diagnose und gaaannnz wichtig wo versichert? Ich beantwortete die Fragen brav und legte mein Kind danach wie angewiesen auf die Patientenliege, die im Vergleich zu einem Säugling überdimensional wirkt. Samu schaute sich derweil interessiert um und fand alles noch ganz spannend. Ich war froh, dass er nicht wieder die gesamte Praxis zusammenschrie, obwohl diese Gott sei Dank überschaubar war. Wahrscheinlich manierte sich mein Kind deshalb, es gab zu wenig Zuhörer.

Mr. Gutaussehend wollte noch einmal wissen, ob ich wegen der Hand gekommen sei. Ich sagte ihm, dass dies hoffentlich mit den wenigen Wochen noch kein Problem für mein Baby darstelle, aber er abends ein Konzert in allen Tonlagen gebe, dass wir uns schon überlegt haben, ob er eventuell beim Kaiserschnitt komisch rausgeholt worden war. Er schob daraufhin beide Hände unter Samus Rücken und schloss die Augen.

Es verging gefühlt eine Ewigkeit und ich nahm alle Geräusche im Raum war: nerviges Uhrenticken, das Ausatmen meines Kindes, das Gekrummel meines Bauches, welcher nach Futter schrie, und die Marktgeräusche unterhalb des Praxisfensters. Irgendwie ist es mir immer ziemlich unangenehm, wenn sich zwei Erwachsene in einem Raum befinden und ca. zehn Minuten kein Wort gesprochen wird. Es macht mich nervös, unglaublich nervös. Vielleicht liegt das daran, dass auf meinem Grabstein geschrieben stehen wird: „Die Gosch mussten wir extra totschlagen!“. Vielleicht sollte ich mehr zur Ruhe kommen, wenn ich die Stille nicht aushalte, aber das nur als kleine selbstreflektierende Randbemerkung meinerseits.

Nach der gefühlten Ewigkeit sagte der Osteopath, dass er schon spüre, dass Samu auf der rechten Seite eher steif wirke und wir da entgegenwirken sollen. Er zeigte mir eine Technik, die ich im Nachgang als Krabbelfummelrückentechnik bezeichnen möchte. Wir sollten einfach die Hände unter Samus Körper schieben und dann Klavier spielen, damit er sich lockert.

Ich sage es euch ganz ehrlich, ich machte den Spaß ein paar Tage, aber Samu fand es jedes Mal richtig scheiße. Auch die weiteren Termine beim Jungtherapeut brachten leider nicht den gewünschten Erfolg hinsichtlich Samus Sinfoniekonzerten und auch mein Säugling zeigte mittlerweile in der Praxis, was er von dem ganzen Prozedere hielt. Versteht mich nicht falsch, insgesamt halte ich sehr viel von Osteopathie, aber für uns war es einfach nicht der richtige Weg.

Dennoch nahm ich eins aus diesen vier oder fünf Sitzungen mit, nämlich dass Samu doch ein wenig mit der betroffenen rechten Seite zu kämpfen hatte. Also entschloss ich mich, entgegen der Meinung von Herrn Prof. Habenicht, einen Physiotherapeuten aufzusuchen. Also next stop Physio…

Corona trotz Impfung? Plus MRT…

Die Zeit des Wartens kann einem echt unendlich lang erscheinen, vor allem wenn angeordnet wurde, dass man eigentlich innerhalb der nächsten Stunden das Haus nicht verlassen dürfte. Ich gestehe, ich hielt mich so semi dran, denn immerhin war ich geimpft und als zweifache Mutter auch nicht auf nem angesagten Rave gewesen. Ebenso wenig war ich im Ausland, hatte mit fremden Leuten gekuschelt oder mich beim Friseur phallustiert. Apropos bei Letzterem hatte ich die Woche drauf einen Termin und den galt es wahrzunehmen mit 15cm Ansatz.

So ging ich wenigstens mit dem Hund am späten Abend spazieren, da ich zumindest einmal am Tag dringend an die frische Luft muss – das war mit Mitte 20 noch völlig unverständlich, aber man wird ja alt. Am nächsten morgen schaute ich gefühlt alle 10min auf mein dubbeliges Handy, ob die tolle Laborergebnis-App bereits etwas ausspuckte. Diese sagte mir zwar auch, dass sie mich informieren würde, sobald neue Erkenntnisse hochgeladen würden, aber der Technik vertrauen, ist eh nicht so mein Ding.

Nach 24h am Samstag verlor ich mal wieder fast die Geduld. Die zu haben ist by the way auch nicht so meine Stärke und als würde der da oben mich mal wieder auf die Probe stellen, wartete ich noch bis 18 Uhr am Abend. Nun wusste ich zwar, dass ich nicht bazillus maximus war, aber zu irgendeinem MRT zu schlappen, klappte nun natürlich auch nicht mehr, da mein Erstgeborener auf gar keinen Fall ohne seine Mama ins Bett gehen kann. Außerdem hatte mein Männle Geburtstag und da dieser eh erst am Abend aufkreuzte, dachte ich mir mal wieder, dass Unkraut schon nicht vergehen würde. Gleiches galt für den heiligen Sonntag.

Am Montag rang ich mich dann dazu durch, bei der empfohlenen Radiologie anzurufen und war schon auf unfreundliches Personal am Telefon eingestellt. Überraschenderweise war jedoch eine sehr nette Dame am Telefon, die mir vorschlug am Nachmittag vorbeizuschneien, um mein hübsches Köpfchen untersuchen zu lassen. Kurzerhand die Betreuung meine Mäuse sichergestellt und ab zum nächsten Arzt im Coronaimpfungsendzeitwahnsinn. Während ich es gewohnt war, in allen Kliniken, Praxen etc. zumindest bei solchen Terminen ein Stündchen zu warten, war man hier gleich dran.

Wenn ich mich nicht dazu entschieden hätte, die Anonymität sämtlicher Ärzte und Kliniken zu wahren, würde ich euch diese jetzt sehr empfehlen und über den grünen Klee loben. Für alle, die uns aber persönlich kennen, gibt es den Tipp, dass es sich um die CB-Klinik handelt, wobei man gar nicht denkt, dort radiologisch betreut werden zu können.

Ich wurde also in die Röhre geschoben und obwohl es sensationell laut ist, versuchte ich zu entspannen, indem ich mir vorstellte, dass ich am Strand auf einer Techno-Party in der Hängematte liege und Cocktail schlürfe. Glaubt mir, wenn man mit zwei Kids den ganzen Tag unter Strom steht und schaut, dass keiner stirbt oder sich zumindest nicht irgendwie schwer verletzt, dann sind selbst MRT-Geräusche äußerst entspannend. Am Ende der Veranstaltung merkte die MRT-Fachangestellte (wie auch immer man die Assistenz hierbei nennt) an, dass ich aber ganz schön arg erkältet sei. Was sie genau damit meinte, erfuhr ich im Gespräch mit dem Arzt.

„Also Frau Lorenz, die Sinusvenenthrombose können wir ausschließen und ansonsten ist mit ihrem Kopf alles in Ordnung, aber ich habe dennoch ne Kleinigkeit gefunden“, sagte Prof. Dr. T. Mein Puls war auf über 5000 gestiegen. „Na super, jetzt muss ich doch jämmerlich abdanken und meine Kinder werden ohne mich groß werden müssen“, ging es mir durch den Kopf. „Sie haben eine akute Nasennebenhöhlenentzündung, die dringend behandelt werden muss“, riss mich der Doctore aus meinen dunklen, verrückten Gedanken. „Was? Wie? Wann und wo? Doch kein frühzeitiges Ableben? Na das ist ja wunderbar! Dürfte mit dem guten alten Antibiotikum behandelbar sein“, dankte ich innerlich Prof. T.

Jetzt wusste ich auch, dass die Dame, die das MRT durchführte nicht heilsehen konnte, sondern lediglich die Bildchen gut interpretierte. Am Ende sprang ich förmlich beflügelt durch die heiligen Gänge der Klinik und mir war mal wieder deutlich bewusst geworden, was im Leben eigentlich zählt – nämlich die GESUNDHEIT!

Anmerkung Bildquelle: https://www.pinterest.de/pin/164311086385265661/

PCR am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Ich kann euch sagen, dass ich mich nicht erinnern konnte, dass ich in meinem Leben jemals über eine so lange Zeit Kopfweh verspürte und diese Tatsache fand ich alles andere als beruhigend. Es nützte also nichts, meine Ärzteodyssee hatte noch kein Ende gefunden.

Am Freitagmorgen nahm ich also das Telefon zur Hand, um in meiner Hausarztpraxis mein Anliegen vorzutragen. Eine nette Frau M hörte sich meine Beschwerden ruhig und geduldig an, um mir dann mitzuteilen, dass ich doch bitte den Krankenhausbefund schicken solle und sie sich dann wieder bei mir meldet, um das weitere Vorgehen zu besprechen – klar, denn ich hatte mittlerweile alle Coronasymptome, die es gab.

In der Nacht waren zu den unsäglichen Schmerzen im Oberstübchen noch Gliederschmerzen, Halsweh, Husten und Schnupfen mit Schmodder dazugekommen. Ich scannte also brav meinen Befund ein, schickte es zur Praxis und wartete. Und wartete und wartete…

Elf Uhr rief mich die nette Frau M zurück. Sie hätte leider nix erhalten. Kann zwar eigentlich nicht sein, aber ich schickte es ihr just in der Sekunde noch einmal. Fehlanzeige, es wurde nichts übertragen. O.k., es musste also alles in der Klinik angefordert werden, denn ein Fax besitze ich nicht, bzw. ist dieses nicht eingerichtet, und die ärztlichen Hallen meiner Hausärztin durfte ich natürlich so nicht betreten.

Nach einem endlosen Hin und Her wurde mir mitgeteilt, dass ich mich bitte 11:50 Uhr zum PCR-Test einfinden solle. Ich könne zwar zum CT auch in die Klinik fahren, aber dies wäre mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem nächtlichen Aufenthalt verbunden (aus abrechnungstechnischen Gründen) – das galt es selbstverständlich dringend zu verhindern.

Mittlerweile waren auch meine Eltern aus dem 1,5-stündig entfernten Städtchen angereist, um mich zu unterstützen. Ich glaube jede Mama kann nachvollziehen, dass es einem wirklich nicht so dolle gehen kann, wenn man sich nicht mehr in der Lage fühlt, seine Kinder gut zu versorgen. In der Regel können wir nämlich noch so krank sein, irgendwoher beziehen wir die Energie für die kleinen Mäuse und aktivieren unsere Superkräfte.

Gerade deshalb nützte es nix bei mir; eben, weil ich Kinder habe, galt es sämtliche bösartige Hiobsbotschaften auszuschließen. Ich musste also zum PCR-Test, ob mir dies nun gefiel oder nicht. Alle Teststationen mit Lollytest wurden mir strikt untersagt. Jeder, der diese Form des Testens einmal erleben durfte, weiß, dass es ganz fiese Schwestern und Pfleger gibt. Gefühlt rächen die sich durch ihre Stäbchenbisinsgehirnschieberei an allen da draußen, die ihnen jemals blöd gekommen sind. Ich war also not amused über diese Vorstellung, dass gleich wieder jemand seinen Trieben freien Lauf lassen konnte und dass ich in diesem Moment halt das Opfer sein würde.

Ich fuhr mit einem mulmigen Gefühl in die Arztpraxis, die 3min mit dem Auto entfernt war. Ja, ich weiß… ich höre die Umweltschützer schon wieder laut aufschreien: „Lauf, die faule Büchse!“. Aber jeder, der Kinder hat, weiß, dass man quasi oft auf dem allerletzten Drücker unterwegs ist. Ich gelobe auch wirklich Besserung. Schränke mich gerade schon in meinem Plastikverbrauch ein und fliege seit der Geburt meines felligen Babys überhaupt nicht mehr sinnlos in der Gegend rum.

Unten im Dörfle angekommen, schlich ich mich ans hintere Fenster, dass mir im Telefonat zugewiesen wurde. Kennt ihr das eigentlich, wenn man sich wie ein Aussätziger fühlt? Man denkt, dass alle einen anschauen und genau wissen, weshalb du gerade nicht durch die Vordertür hineinspazierst. Ich hatte nämlich auch wieder enormes Glück… gefühlt das halbe Dorf war eben an diesem Freitagmittag bereit, sich impfen zu lassen. Naja, es nützte nichts, Augen zu und durch – dies galt für die Blicke, wie auch für die folgende Sadistin.

Das Aufklärungsgespräch mit der Ärztin dauerte ca. 5min. Danach wurden noch kurze sportliche Übungen gemacht, um Ausfallerscheinungen im Oberstübchen zu überprüfen (schien aber auf den ersten Blick alles roger). Danach folgte das Stäbchen. Und was soll ich sagen? Ich glaube ich hatte unter einer Million Schwestern eine erwischt, die mit sich und ihrem Leben völlig im Reinen war. Es tat nicht weh und kitzelte lediglich etwas unangenehm. Auch der Rachenabstrich war deutlich weniger doof als ich es gewohnt war. Ich war erleichtert, doch nun hieß es 24-Stunden auf’s Ergebnis warten…

Anmerkung Bildquelle: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/pcr-test-coronavirus-1.5152146?reduced=true

Panik auf der Titanic

Am 26.Juli kamen meine Nichten mit meiner Schwester zu Besuch. Da diese in Österreich leben, hatten wir uns nun schon länger nicht gesehen und freuten uns darauf, ein paar Tage miteinander verbringen zu können. Natürlich war damit noch mehr Leben in der Bude, aber es ist gleichzeitig auch so schön zu sehen, wie vor allem mein Großer und meine kleine Nichte wunderbar miteinander harmonieren, flitzen und spielen, obwohl sie sechs Jahre Altersunterschied haben.

Am 30.Juli feierten wir den Geburtstag der älteren Maus. Sie wurde 14 Jahre alt und Tantchen ging es nach wie vor gut. Einen Tag vorher backte ich noch zwei Kuchen und bereitete den Purzeltag vor, damit auch das große Kind einen schönen Geburtstag mit tollen Leckereien erhielt. Wir genossen den Tag: waren Ponyreiten mit den Kindern, malten auf der Straße und aßen Pizza am Abend und noch immer ging es mir blendend.

Als die Ösis am 1.August abreisten, merkte ich, dass sich merkwürdige blaue Flecken am Körper gebildet hatten und ich latente Kopfschmerzen bekam, dachte mir allerdings noch nichts dabei, da ich ja vier Kids im Haus hatte und mit diesen auch herumgetobt bin. Der Schmerz im Kopf nahm allerdings zu.

Am Abend führte ich meine gewohnte Korrespondenz auf der Hundewellnessrunde, sprich ich quatschte allen möglichen Leuten Voicemails auf und antwortete entweder auf ihre Nachrichten oder meldete mich mal wieder.

Meine bayrischer Grasdackel antwortet mir innerhalb von wenigen Minuten ganz panisch auf die Schilderung meiner Beschwerden. Ich solle sofort zum Arzt, sie hatte das auch. Ich müsse Thrombosen ausschließen lassen und überhaupt und sowieso gefährlich und so weiter. „Ja,ja…“, dachte ich mir, „mein kleines panisches Evchen übertreibt mal wieder maßlos!“. Doch die Schmerzen im Kopf waren mittlerweile ein vertrautes Gefühl. Also entschied ich mich dazu, habe ja schließlich zwei Kinder, doch noch einmal nen Arzt diesbezüglich zu befragen.

Kurz ner Freundin ne Whats-App aufgelabert und versendet. Es dauerte nicht lange, bis ich schon einen Sprachanruf von ihr verbuchen konnte, den ich aber verpasste, da ich gerade die Kids ins Bett brachte. Es war auch mal wieder Nachtschichttime meines Mannes, was ja bedeutet, dass meine Zeit rar bemessen war. Als die kleinen Rabauken endlich schliefen, rief ich sie zurück. Sie überreichte mich an ihren Mann, der in der Notaufnahme arbeitet. Dieser hörte sich meine Geschichte an und riet mir dann schon mit Nachdruck dies mittels eines Blutbildes die Symptomatik abklären zu lassen. Natürlich liege das in meinem Ermessen und selbstverständlich könne ich auch erst morgen (sprich am Montag) zum Hausarzt gehen. Sollte aber irgendwas sein, ist natürlich je früher desto besser angesagt.

„Super“, schrie ich innerlich, „wie soll ich das denn jetzt mit zwei Kids anstellen?“. Mir boten die beiden an, dass ich die Kinder vorbei bringen könnte, solange ich in der Klinik sei, aber diese zu wecken und ein Theater, dass sicherlich besser als jede griechische Tragödie geworden wäre, wollte ich nun auch nicht heraufbeschwören. Außerdem wohnt ja meine ganze Schwiegerfamilie nebenan, da wäre es auch doof gewesen, eine andere Familie mit zwei Kleinkindern zu beauftragen. Ich bedankte mich ganz herzlich und legte auf.

Nun begann die halbe Stunde des Grübelns. Was mach‘ ich bloß, was mach‘ ich bloß? Es war mittlerweile halb zehn am Abend, die Kinder schliefen, wie bereits erwähnt, und meine Schwiegerleute wollte ich irgendwie auch nicht schon wieder einspannen. Ich tippte in mein Handy: „Ruf mich bitte mal zurück, ist wichtig!“. Kurze Zeit später bimmelte es und mein Mann war an meinem Handapparat. „Was ist los? Ist was passiert?“, fragte er. Ich schilderte die Thematik und bevor ich das richtig diskutieren konnte, ließ mein Männle schon verlauten, dass er in der Leitstelle Bescheid gebe und sich dann auf die Socken mache.

Exakt 22:10 Uhr war ich in der Notaufnahme und schilderte der sehr freundlichen Dame am Empfang (dieses Mal ohne Ironie zu verstehen) meine Symptome. Danach begann die Zeit des endlosen Wartens. Ich hörte derweil einen äußerst interessanten Podcast zum Thema Immobilien und Altersvorsorge, weshalb die Zeit etwas schneller verging. Dennoch frage ich mich jedes Mal, was denn da alles hinter den Kulissen so abläuft. Von besagter Uhrzeit bis 00:30 Uhr kam kein Notfall rein und nichtsdestotrotz sitzt man da und sitzt und sitzt und wartet und sitzt immer noch. Halb eins in der Nacht erbarmte sich dann mal jemand mich dran zu nehmen. „Also ganz ehrlich“, dachte ich mir „wenn ich jetzt wirklich diese Sinusvenenthrombose im Gehirn hätte, ist auch gerade mal alles zu spät. Sieben Stunden später zum normalen Arzt hätte ich dann wahrscheinlich auch noch überlebt“, natürlich aus völliger Laiensicht beurteilt.

Irgendeine hochintelligente Schwester nahm mir Blut ab und befragte mich zu meinen Symptomen. Hierbei muss ich mal loswerden, dass es schon auch nett wäre, wenn sich das untersuchende Volk dem Pöbel auch mal vorstellen könnte. Hätte ich nämlich gewusst, dass ich nicht die Ärztin vor mir habe, hätte ich meine Geschichte kürzer gefasst. Nun berichtete ich aber brav und in aller Ausführlichkeit meine Geschichte, dass blaue Flecken und extreme Kopfschmerzen aufgetaucht wären, dass mich ein befreundeter Arzt gern zur Abklärung in der Klinik sehen würde bla bla bla. Und was sagt die verplante Nudel zu mir??? Warum mich mein befreundeter Arzt nicht selbst untersuchen würde? Ich schaute sie entgeistert an, schüttelte mich kurz, aber nein, ich hatte mich wie immer nicht verhört und musste mich mal wieder schwer beherrschen, nicht aus dem Korsett zu hüpfen.

Also antwortete ich ihr in aller Ruhe, dass nicht jeder Arzt gerade im Dienst sei, dass nicht jeder Arzt single ist und privat alle möglichen Freunde mitten in der Nacht behandeln möchte und zu guter Letzt, dass nicht jeder Arzt ein Labor in seinem Keller hat, um mal eben Blutproben zu analysieren. Gut, wenigstens schien meine Aussage die dumme Nuss zufriedengestellt zu haben, denn sie verabschiedete sich mit den Worten: „Die Ärztin kommt gleich.“. Nun wollen wir mal wieder nicht auf die Goldwaage legen, was im Krankenhausjargon gleich bedeutet, aber nachdem mein Mann mir schrieb, dass mein Großer aufgewacht sei, rangen bei mir alle Alarmsirenen, denn wie im vorherigen Beitrag beschrieben, erahnt ihr vielleicht, was dies bedeutet.

Nun ist man ja als alter Ossi dazu erzogen worden, brav abzuwarten, höflich zu sein und wenig Druck zu verbreiten. Ok, ich gebe zu, ich hielt mich schon seit meiner frühen Jugend nicht an alle diese Punkte, aber ich übe mich wirklich in Geduld. Nachdem man mich aber eine Stunde in diesen Hamsterkäfig von Zimmer sitzen ließ, ohne mir irgendwelche Infos zukommen zu lassen, wie es jetzt weitergeht, brach ich aus. Ich teilte mit, dass bei mir zuhause der Baum brennt und dass ich gedenke, die Flitze zu machen. Plötzlich waren die Blutwerte da und die Ärztin sprechbar. Alles soweit i.O., sollte ich allerdings weiterhin Kopfschmerzen haben, müsse ich dies dringend erneut abklären.

Als ich um 2:00 Uhr am Morgen zuhause ankam, erwartete mich ein völlig aufgelöstes Kind, dass nicht begreifen konnte, dass seine Mama mitten in der Nacht plötzlich einfach mal nicht zu sprechen war. Ich erklärte meinem Großen, dass ich Kopfschmerzen hatte und mir deswegen in der Klinik Tabletten geholt hatte. Jeder Erwachsene hätte mich für diese Art der Begründung ausgelacht oder für verrückt erklärt, aber meinem Sohn reichte das völlig. Er schlummerte innerhalb kürzester Zeit wieder ein. Mein Mann könnte dann immer zum Fuchs werden: aus 1,5h Theater wird plötzlich wieder heikler Sonnenschein in Nullkommanix, Hauptsache Mama is in the house. Die Schmerzen in meinem Kopf hatte ich in diesem Stressmoment kurz vergessen, aber sie kamen wieder…

Zweite Impfe und Party on

Am 23.Juli bewegte ich nun meinen Allerwertesten wieder zum Onkel Doc, um mir die mysteriöse Flüssigkeit, die heiß diskutiert wurde, das hoffentlich letzte Mal in die Venen spritzen zu lassen. Gott sei Dank war ich eine der Ersten, die das Vergnügen hatte, denn hinter mir bildete sich im Anschluss die Schlange des Grauens.

So hieß es also erneut: Zurück auf Los, aber ziehen Sie keine 2000 Euro ein, sprich Aufklärungsgespräch. Haben Sie Bedenken? Ja/nein/vielleicht? Ja, habe ich denn eine Wahl? Und dann ab zur Nadelfrau. Wisst ihr aber, was ich in diesem ganzen Prozedere echt beunruhigend fand? Da schreibt die Ärztin doch auf meinen Zettel, dass ich ohne Priorisierung geimpft werde. Was heißt das denn jetzt? Spielt das irgendeine Rolle? Bekommt man dann doch den geheimen, sagenumwobenen anderen Impfstoff, den viele Verschwörungstheoretiker vermuten? Also eigentlich gehöre ich nicht zur letztgenannten Gruppierung, aber komisch fand ich es trotzdem…

Naja gut, was blieb mir übrig, schließlich war der Quatsch ja nun schon das erste Mal gespritzt wurden und ich vertraue nach wie vor auf meinen ehemaligen russischen/ sowjetischen Bruder, dass er uns auf solche Angriffe auf den Körper im Sinne der DNA-Veränderung schon durch sein Zeug damals gut gerüstet hat.

So war eigentlich meine Hauptsorge, ob ich am Abend ein/zwei oder auch drei Gläschen Prosecco trinken kann, denn schließlich war ich seit Monaten mal wieder gassibereit. Selbstverständlich nicht so wie vor den Kindern, bei Weitem nicht. Ich wollte nur ganz spießig bei meiner Nachbarin auf eine Prowinwellnessparty gehen. Die Ärztin gab mir ihr Okay, wenn ich es nicht übertreibe. Das war natürlich genau das, was ich hören wollte, denn ehrlich gesagt, hätte ich mit dieser Erlaubnis nicht gerechnet, nachdem meiner Busenkumpeline Eva dieses strikt verboten wurde. Wenn ich allerdings keine Symptome hätte nach sechs Stunden ginge dies schon in Ordnung – wunderbar.

Ich hatte sechs Stunden später keine Symptome. Nicht mal einen schweren Arm wie beim ersten Mal. Ich spürte in der Tat gar nichts. Mir ging es prima. „Super, dann kann ich ja heute Abend angreifen“, dachte ich mir noch.

Der Mittag verging, der Nachmittag auch und die gesundheitliche Lage veränderte sich nicht. Ich konnte also rüber flitzen. Es gab leckere Häppchen, tolle Kaltgetränke und ein wohltuendes Peeling mit anschließender Ölung (also Gott sei Dank noch nicht die Letzte, obwohl meine Füße mittlerweile schon schwer danach aussahen). Alles war ganz wunderbar, bis halb neun mein Kind anfing, mir den Abend und die Wohlfühlstimmung zu versauen.

Da ich mich ja direkt nebendran im nachbarschaftlichen Anwesen befand, konnte ich ihn brüllen hören. Mein Mann schloss zwar das Fenster, somit war das Geschrei gedämpft, aber mein Mutterherz verkrampfte sich selbstredend ab diesem Zeitpunkt und jede Mama wird mich da sicherlich verstehen können. Ich muss dazu sagen, dass mein Großer die exakte Kopie meiner Wenigkeit ist. Es wird auch schon gemunkelt, dass er besser werden könnte als das Original. Mit anderen Worten: er hat Ausdauer. Nun hätte ich dies ja ausgesessen, aber es gab ja mittlerweile Wipulino 2, der auch seinen Schönheitsschlaf brauchte.

Es kam, wie es kommen musste, mein Abend endete um 22 Uhr. Nachdem ich vor lauter Panik ein Glas zerstörte, mich überhaupt nicht mehr richtig auf Erklärungen, der sehr netten und kompetenten Prowinmaus konzentrieren konnte und ich auch kein Gespräch mehr so richtig aufnahm, unterbrach ich meine Wohlfühlstimmung und sauste rüber. Ich war dabei noch vorsichtig optimistisch und sagte: „Nicky, ich habe hier mein Glas geparkt, ich bin hoffentlich gleich wieder da!“.

Dabei hatte ich die Rechnung allerdings ohne mein Kind gemacht. Er war um zehn Uhr am Abend so wütend und aufgebracht, dass er sich bis um zwölf nicht beruhigen ließ. So sah ich alle Gäste der Party nacheinander abziehen, während ich versuchte meinen Stinki ins Bett zu bewegen. Er wollte nicht und ich war irgendwann so erschöpft und ausgelaugt, dass mir selbst der Gedanke an meinen halben Prosecco nicht mehr auf verhalf. Außerdem wusste ich auch nicht, ob es einer anderen Zweifachmama so recht wäre, wenn die Pute von nebenan plötzlich um Mitternacht wieder aufkreuzt. Obwohl bei Nicky, lach…

Am Ende des Tages war zwar meine Erholung für den A…, aber immerhin war ich in den Genuss ein paar leckerer Kaltgetränke gekommen. Für eine Mama ja schon Luxus genug. Von meiner zweiten Impfung spürte ich nach wie vor noch nichts. Dies sollte sich allerdings bald ändern.

Coronaimpfung – Pest oder Cholera?

Nachdem ich mich nun eigentlich überhaupt nicht mit dem C- Thema befassen wollte, tue ich es nun schon zum zweiten Mal. Die folgenden Ereignisse fanden zwar im August 2021 statt, aber aufgrund des inhaltlichen Zusammenhangs muss ich hier ausnahmsweise die chronologische Reihenfolge unterbrechen. Macht aber auch nix, denn es geht dieses Mal um meinen Arsch oder viel mehr um mein Hirn, meine Krätze oder wie auch immer man den Bullshit bezeichnen will, der mir im Zusammenhang mit der Never-ending-story-Thematik widerfahren ist.

Wie ich es schon vermutet hatte, wird es meiner Meinung nach in den zukünftigen Jahren nur ein Leben mit Corona geben und nicht mehr ohne. Aufgrund dessen wird sich auch unsere Gesellschaft in zwei Lager spalten, nämlich in Geimpfte und Impfverweigerer. Da ich eine Impfpflicht durch die Hintertür insbesondere für uns Beamte in den kommenden Jahren vermute, rang ich mir die Entscheidung ab, mir auch diese Substanz (wie auch immer sie nun erforscht ist) in die Venen jagen zu lassen, denn ich denke, dass ich, wie bei der Masernimpfung auch, über kurz oder lang sowieso dazu gezwungen werde, um meinen Beruf als Lehrer (Anmerkung: Nein, ich bin keine militante Emanze, die auf die weibliche Form achtet) weiter ausführen zu können.

Also gut, gesagt getan. Natürlich habe ich mich brav hinten angestellt und mich nicht vorgedrängelt, um gesellschaftliche Vorzüge nutzen zu können. Ich dachte, ich schreibe erstmal ne E-Mail an meine Hausärztin (im Mai war der Run auf die Praxen noch groß) und warte dann bis Herbst. Pustekuchen, unser äußerst kompetenter Gesundheitsminister hob die Priorisierung auf und schwupps Termin im Juni.

„Wenigstens mit Biontech“, dachte ich mir, muss aber sagen, dass mein Bauchgefühl schon wieder massiv abriet. Also gut, nützt ja nix… brav in die Arztpraxis gewackelt, Augen zu und durch.

Nach dem ersten Picks spürte ich überhaupt nichts. Vielleicht war ein kleines bisschen der Arm schlapp, aber das passiert hin und wieder bei Pamela Reif Workouts ebenso, also keine Panik auf der Titanic. Ich wartete und wartete, aber es schoss mich auch ein paar Tage später nicht aus dem Universum. „Wunderbar, Glück gehabt. Das Zeug aus der ehemaligen Sowjetunion hat dich also doch abgehärtet“, schmunzelte ich süffisant in mich hinein. Wir Kinder des Ostens hatten bereits sofort nach der Geburt die Tausendfachimpfung drin; will gar nicht wissen, was das alles für Zeug war. Wenigstens einmal hat man den ganzen Sonne-aus-dem-Arsch-scheinenden-Wessis was voraus – das dachte ich aber auch nur, denn Impfung No.2 sollte mich mal kurz wieder im Hinblick auf meine Schadenfreude einnorden.

Corona – oder auch die „Never ending story“

Lange habe ich mir überlegt, ob ich mich hier zu diesem Thema äußere, da sich ja bereits sehr viele Hobbyvirologen, Pseudomediziner, fabrikneue Politologen oder auch einfach nur Ich-weiß-alles-besser-Kandidaten hinreichend in sozialen Medien, oder wo auch immer dafür Platz zu sein scheint, zu Wort melden. Oft habe ich mir dabei die Frage gestellt, woher Menschen, die mit Verlaub i.d.R. aus anderen Universen als das meinige stammen, plötzlich eine Fülle an wissenschaftlichen Studien absolviert haben, um ALLES beurteilen zu können; und das innerhalb eines Jahres – verrückt…. Mittlerweile zerfleischen wir uns ja aber bekanntlich nicht nur untereinander, sondern auch Menschen, die sich eigentlich damit auskennen müssten. So bleibt es immer spannend am Coronahorizont.

Ehrlich gesagt, will ich hier weder meine persönliche Meinung zum Covid-Virus kundtun, noch will ich eine politische Debatte auslösen, sondern einfach nur meine Erfahrungen damit schildern.

Als der ganze Sch… begann, arbeitete ich noch in der Schule, war aber bereits schwanger. In den ersten Wochen scherzte ich noch mit meinen Schülerinnen und Schülern darüber, dass mich nur eine Erkältung erwischt hätte und ich schon keine Coronabazillusschleuder sei. Ich machte mir am Anfang relativ wenig Gedanken über das Ganze und war der Ansicht, dass der Virus a, schnell in den Griff zu kriegen sei und b, sowieso einen riesen Bogen um Europa machen würde.

Wie naiv das war, hätte mir eigentlich als begeisterter Resident Evil Fan klar sein müssen. Irgendwann beschlich auch mich langsam ein mulmiges Gefühl, nicht wegen mir, denn wie wir ja bereits wissen: Unkraut vergeht nicht! Aber da wuchs nun so ein kleiner Mensch in mir heran und dazu kam, dass ich eh die ganze Zeit von diesem unguten Gefühl geplagt wurde… Also war ich ganz froh, dass ich mich relativ schnell ins Homeschooling verabschieden konnte.

Zugegeben, ich hätte mir dort ein wenig mehr Freizeit gewünscht, wie es wohl auch an vielen Schulen der Fall gewesen sein muss. Aber Dank engagierter digitalisierungsbeauftragter Kollegen wurde mir das Glück nicht zuteil meinen Popo in die Sonne zu strecken und Zeitung zu lesen, weil Systeme wie Moodle oder E-Mailserver ständig aufgrund der Überlastung abstürzten. Nein, unsere Schule war mal wieder Vorreiter und nutzte die Plattform „Teams“. Damit war der Freizeitgedanke dahin und ich möchte hiermit mal eine Lanze für alle meine eifrig arbeitenden Kolleginnen und Kollegen brechen: Nein, es war nicht jeder Lehrer faul und hatte viel private Zeit (natürlich sind da auch ganz viele auszunehmen; Faultiere gibt es überall). Dank Corona hatte meine Arbeit eine ganz neue Intensität erreicht und zwar eine, die ich nicht unbedingt für gesund halte. Ich sollte nämlich nun zwischen Lockdown im Kindergarten auch noch meine Goldkinder aus der Schule optimal bespaßen.

„Ist ja auch dein verdammter Job“, höre ich da schon wieder den ein oder anderen sagen. Richtig! Aber es ist nicht mein verdammter Job, Email- und Chatanfragen der Kollegen, Eltern oder Schüler 24/7 zu beantworten, nebenbei mein Kleinkind zu bespaßen, Unterricht auf einem mir völlig fremden Terrain (da anderes Medium) vorzubereiten, mal eben ca.240 bearbeitete Aufgaben jeden Tag zu kontrollieren und zu feedbacken und dazu noch an sämtlichen Dienstbesprechungen teilzunehmen, die oft eh am nächsten Tag hinfällig waren, da die oberste Behörde seitens der Politik neue Anweisungen erhielt – aber hey, ich war wenigstens daheim. Auch bekam ich natürlich beamtengetreu jeden Monat pünktlich mein Gehalt.

Ja, ich kann Menschen verstehen, die plötzlich zum Coronaquerdenkermutant werden, weil sie einfach verdammt noch mal ihre Existenz bedroht sehen und die Hilfen in typischer deutscher Manier zu spät gezahlt werden. Auch kann ich nachvollziehen, dass es schwierig ist, dass man als junger Mensch keine Party besuchen kann, um sich dort mit maximaler Fake-Optik (denn in der Schule und zuhause trägt man heutzutage oft eher Gammellook) zu präsentieren und dem anderen Geschlecht, vielleicht auch dem gleichen anzubieten. Bitte versteht mich nicht falsch, ich verurteile das keineswegs, denn ich war kein Stück anders. ABER und das ist das, was mir richtig auf’s Gemüt schlägt… wir machen nun das ganze Theater seit über einem Jahr mit und Corona hat es geschafft, dass es selbst mir massiv auf den Sack geht.

Ja, ich beziehe gerade Elterngeld. Ja, ich gehe mit zwei Kleinkindern eh gerade nicht mehr jeden Tag essen wir noch ein paar Jahre zuvor. Ja, ich bin Dank meiner Kinder oft ab 21 Uhr im Bett. Und ja, ich habe weniger ein Problem mich an Besucherregeln zu halten, wie andere. ABER wie lange soll das Hin und Her denn noch andauern? Mein Zweijähriger ist nun das x-tausendste Mal vom Kindi ausgeschlossen, da ich keinen Anspruch auf die Notbetreuung habe (klar zurecht). Und selbst obwohl er noch so klein ist, stelle ich Veränderungen hinsichtlich seines Verhaltens gegenüber dem Kindergarten und den sozialen Kontakten, die damit einhergehen, fest.

Kinder, die bereits die Vorschule oder auch die Schule besuchen, tun mir unendlich leid und ich befürchte, dass wir hinsichtlich der sozialen, aber auch der kognitiven Entwicklung noch lange etwas von Corona haben werden. Deshalb appelliere ich an alle mit gesundem Menschenverstand und vor allem auch an diejenigen, die endlich ihr Leben zurückwollen, endlich mal ein bisschen Vernunft walten zu lassen. Ist es sinnvoll, wenn sich Jugendliche im Wald verstecken und mit 20 Leuten dort ihre Saufeskapaden abhalten? Ist es sinnvoll, wenn sich eine Million Familien am Sonntag bei einer Waldkugelbahn für Kinder versammeln? Klar, die meisten stecken eine Infektion relativ harmlos weg, manche aber eben vielleicht auch nicht. Ich für meinen Teil würde Samu gern noch ein paar Jahre mit seinen Großeltern gönnen (davon zwei Risikopatienten). Deshalb fände ich es super, wenn der ein oder andere mal seinen Egoismus ein bisschen zurückschrauben und auch an Menschen in seiner Umgebung denken könnte. Gut, ich gebe zu: 3,18 Millionen Infizierte insgesamt, mit ca. 2,8 Mill Genesenen (Stand April 22) seit dem Ausbruch der Pandemie im Verhältnis zur derzeitigen Einwohnerzahl von ca. 83 Millionen gesehen, lässt die Lage nicht ganz so schwarz erscheinen. Ich möchte hiermit allerdings noch einmal mit Nachdruck auf mein persönliches Glück verweisen: Mein Kind war eins auf 77.000 Geburten, das es traf… Man sollte sich bei Corona also genau überlegen, zu welcher Art Glücksspieler man gehört…

Abschließend möchte ich zusammenfassen, dass Europa sicherlich schon viel schlimmere Dinge überwunden hat, ich verweise nur kurz auf Wirtschaftskrisen und Hungersnöte, Weltkriege, den Holocaust sowie Diktaturen (zu Letztgenanntem möchte ich nur anfügen, dass wir uns keineswegs in einer solchen befinden, denn sonst wären mehrere tausend Menschen wohl bereits auf mysteriöse Weise verschwunden). Wer kurz inne hält und intensiv darüber nachdenkt, wird feststellen, dass wir alle nach wie vor in einer absoluten Luxusgesellschaft leben, in der leider ein Jeder, sei er/sie/es mit Intelligenz gesegnet oder eben auch nicht, seine Meinung zu allem und jedem äußern darf. Dennoch vereint uns am Ende des Tages wahrscheinlich eins: CORONA SUCKS!!!

Parkhausodyssee und Wiedersehen mit einer alten Freundin

Den letzten Satz des Arztes noch im Ohr, strauchelte ich mit meinem kleinen Mausebär und meinem Mann wieder durch das endlose Labyrinth an Klinik. Bereits innerhalb des Gebäudes hätte man sein Parkticket einlösen können, was wir auch versuchten. Schlappe 1,50 Euro zeigte der Automat an. „Hast du noch Kleingeld“, frug mich mein Ehegatte.

Vielleicht kennt ihr ja auch die Momente, in denen ihr das männliche Wesen neben euch gern umtauschen wollt. Ich blitzte ihn an und wenn Augen töten könnten, wäre er vermutlich in diesem Augenblick mal wieder umgekippt. „Du weißt ganz genau, dass ich so gut wie nie Bargeld bei mir habe und fragst mich das jetzt ernsthaft? Wer wollte denn in dieses dämliche Parkhaus fahren und macht sich vorher keine Gedanken darüber, ob er es auch bezahlen kann?“, giftete ich ihn an.

Auch hierbei möchte ich dringend anmerken, dass es mir persönlich scheiß egal gewesen wäre, wegen der Bummelei meines Allerliebsten ein paar Kilometer zu latschen, um den nächsten Bankautomaten aufzusuchen, aber mit einem neun Wochen alten Baby ist das doch eher uncool.

Ich durchsuchte sämtliche Taschen: Wickeltasche, Hosentasche, Jackentasche – lediglich 1 Euro gefunden, es fehlten aber noch 0,50 Cent!!! Ich bereute in diesem Moment, dass ich so oft in meinem Leben bei einigen Menschen, die mich voll schwafelten, dachte: „Hier hast du 0,50 Cent, erzähle es der Parkuhr!“. Was soll ich sagen, das Karma schlägt absolut IMMER bitterbös zurück, bei mir zumindest.

Mein Göttergatte beschwor mich, ich solle doch aufhören zu kruschteln und mit ihm zum Parkhaus laufen, dort werde schon die EC-Kartenzahlung möglich sein. Könne ja schließlich nicht sein bei so einer großen Klinik. Was soll ich sagen??? FEHLANZEIGE. Natürlich gab es KEINEN Automaten mit elektronischer Bezahlvariante. Da ich mir dies bereits dachte, sprach ich meiner alten Freundin aus Ausbildungszeiten auf, dass es länger dauerte mit unserem Wiedersehen, da wir aufgrund sagenumwobener 0,50 Cent das Parkhaus nicht verlassen könnten.

Samu begann unterdessen natürlich so ein richtig schönes Konzert durch das gesamte Blechkarrengebäude zu starten, weil er Hunger hatte. „Mir völlig scheiß egal, wie du das jetzt regelst, ich warte mit dem Kleinem im Auto“, fauchte ich meinen Mann an. Völlig am Ende mit meinen Nerven, musste ich nun auch noch den Mops im kalten Auto auspacken. Mein Tag war damit schon fast gelaufen. Netterweise bat mir meine Freundin via Sprachnachricht an, uns schnell Geld vorbei zu bringen, sie wohne ja schließlich nicht weit weg. In diesem Moment klopfte allerdings Samus Papa freudestrahlend ans Auto. Er hätte das Problem gelöst, wir könnten fahren. Männer sind wirklich Helden der Ablenkung, das muss an dieser Stelle gesagt werden. „Ja, du hast das Problem vielleicht lösen können, weil wieder jemand Mitleid hatte, aber schließlich hast DU es auch verbockt!“, hätte ich am liebsten laut gedacht, aber ich steckte es mir und war froh, dass wir nun doch noch einigermaßen pünktlich bei meiner alten Freundin, Seelenverwandten oder auch schon bekannt als Ersatzhebamme Diana aufschlagen konnten.

Eigentlich wollten wir uns tatsächlich nur kurz auf der Straße ein paar Worte zuschmeißen sowie die Kleinigkeiten, die ich für die Familie besorgt hatte, schließlich war ja noch Corona-Time. Aber wisst ihr was? Manchmal muss man im Leben auch mal auf ein paar Regeln verzichten oder sich zumindest in der Grauzone bewegen. Ich hätte sie ja mit meinem Kind besuchen können, aber mein Mann war eigentlich eine Person zu viel. Klar, hätte ich ihn vor ein paar Minuten am liebsten noch draußen geparkt, aber so sehr ich auch gleich auf die Palme klettere, reagiere ich mich zeitnah auch wieder ab, es sei denn natürlich man leistet sich größere Dinge.

So kam es, dass nun doch zwei Haushalte zusammenkamen. Diana und ich hatten uns mindestens 14 Jahre lang nicht gesehen und uns erst, seitdem mein Großer auf der Welt war, wieder öfter geschrieben. Es gab dafür keinen ersichtlichen Grund. Wir hatten keinen heftigen Streit oder so etwas, sondern verloren uns einfach nur eine ganze Weile aus den Augen, da jeder erst einmal seine eigenen Wege nach der Ausbildung ging. Nun wohnte sie in der Nähe der Klinik, also bot es sich förmlich an, wenigstens kurz „Hallo“ zu sagen.

Aus „Hallo“ wurden zwei wirklich tolle Stunden inklusiver Spaghetti Bolognese. Und was soll ich sagen, wenn sich Seelenverwandte treffen, ist es, als ob man sich erst gestern zum letzten Mal begegnet war. Wir tratschten, lachten, schimpften über dieselben Dinge, Situationen und Personen und waren uns dabei unglaublich vertraut. Und ich bin mehr als dankbar, dass es solche Menschen in meinem Leben gibt!