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          SAMU RAI 
   unser kleiner Krieger
  • Begutachtung der Hand Numero uno

    Nachdem ich in den letzten Beiträgen geschildert habe, wie sich die Anfangszeit mit unserem kleinen Sonnenschein gestaltet hat, möchte ich in den folgenden Beiträgen schildern, welche medizinischen Erkenntnisse bei unserem Jungen gezogen wurden.

    Die erste Untersuchung fand bereits relativ früh statt, nämlich noch im Krankenhaus. In der letzten Nacht, bevor man uns entließ, mussten unbedingt noch Röntgenaufnahmen für die anstehende Begutachtung bei Frau Dr. T gemacht werden. Die Ärztin war mir bereits bekannt, da sie zu einem Schwangerschaftsvorsorgetermin erschien, den ich mit Frau Dr. E in der Klinik beging. Damals wurde mir ja noch ein voll funktionsfähiger Daumen in Aussicht gestellt, der dann leider auf wundersame Weise verschwand. Im Nachhinein war der kleine Samu schon ein wenig wie ein Überraschungsei. Man weiß eben erst 100%ig, was heraus kommt, wenn man die Kugel öffnet.

    Die Röntgenuntersuchung war auf jeden Fall ebenso spektakulär wie die vielen anderen Ereignisse, die ich in meiner Klinik des Vertrauens erlebte. Ich meine es war 22 Uhr, als ich mit meinem Babybett endlich zum Fahrstuhl rollen durfte (Corona war die Ausrede für alles). Allein versteht sich, denn das Nachtpersonal ist leider überall rar. Also schleppte ich mich mit fetter Kaiserschnittnarbe und einem schlafendem Kind, dem das Ganze gleich gar nicht schmecken würde, ein paar Etagen nach unten. Dort angekommen war ich auch erst einmal wieder lost in space. Ich kam mir ein wenig vor wie in der Horrorserie The Walking Dead, denn das Licht flackerte und ich war verwundet, spärlich bekleidet und völlig hilflos in einem Krankenhaus, das scheinbar kein Personal mehr zu haben schien.

    Ein netter junger Mann mit russischem Akzent trat aus irgendeinem Raum heraus und befreite mich aus meiner langsam aufsteigenden Panikattacke. „Frau Lorenz, Sie kommen zum Röntgen?“. „Ich nicht, aber der Zwerg hier. Mit mir wäre es sicher einfacher“, entgegnete ich. „Das bekommen wir schon hin“, meinte Herr XY (er stellte sich mir leider nicht vor) ruhig. Dass er sich dabei ziemlich verschätzt hatte, gestand er sich hoffentlich später auch ein, denn eine Babyhand zu röntgen, ist glaub‘ wie eine Expedition zum Mars zu planen, schier unmöglich.

    Gefühlt eine Million Mal versuchte der nette Assistenzröntgenmeister mir zu erklären, dass die Hand (also die gesunde) auch ausgestreckt werden müsste und gefühlt eine Million Mal versuchte ich ihm zu erklären, dass dies mit so kleinen Neugeborenenpatschehändchen fast unmöglich ist. Wer sich mit Babys auskennt, weiß eigentlich, dass diese fast immer ihre Finger zusammenkrümmen. Gut, wird nicht allzu oft vorkommen, dass da unten Besuch U1 vorbeischneit, aber ein bisschen Fachkenntnis wäre dennoch wünschenswert. Naja, egal, Herr XY war wenigstens sehr freundlich und extrem geduldig. Weshalb allerdings beide Hände geröntgt werden mussten, erschloss sich mir überhaupt nicht; dem leitenden Kinderarzt der Klinik am nächsten Morgen im Übrigen auch nicht. Aber als Frischlingsmama eines Kindes mit Besonderheit tut man ja brav, wie einem geheißen. Der ganze Spaß dauerte letztendlich 1,5h und wir waren die einzigen Gäste im Erdgeschoss. Es war ein riesen Act, die beiden Händchen so in Position zu bringen, dass die Bilder erstellt werden konnten. Dass ich mich dabei weigerte, meinem Samu Klebeband anbringen zu lassen, machte die Situation zwar nicht besser, aber können sicherlich von allen Lesern nachvollzogen werden. Am Ende waren die Bilder für Frau Dr. T im Kasten und ich fix und fertig. Nun war ich aber gespannt wie ein Flitzebogen auf ihre Beurteilung…  

  • Die Nachtschichten bringen mich um

    Im Hinblick auf meine heutige Überschrift vermuten wahrscheinlich alle Leserinnen und Leser, dass Samu uns nachts kaum schlafen lässt. Nein, mein Kind ist seit dem 3.Lebensmonat tatsächlich nicht mehr das Problem. Alle 10 Tage steigt mein Puls gefühlt auf 200, denn immer dann heißt es die 2 Nachtschichten meines Mannes irgendwie überleben. Ich weiß nicht, wer von euch da draußen eine ähnliche Situation hat und diese gut meistert… Sollte sich auf jeden Fall jemand hinsichtlich meiner folgenden Schilderungen wiedererkennen, so bitte melde dich, denn ich bin für jeden Ratschlag dankbar.

    Als wir unser felliges Familienmitglied kauften, war die Freude groß, der Weitblick leider nicht. Für mich war sonnenklar, dass ein Hund und ein Baby kein Problem darstellen werden. Ja, EINS ist in der Tat auch kein Problem. Mit zwei Kindern und einem Mann, der sich des Nächtens rarmacht, sieht das allerdings wieder ganz anders aus…

    So heißt es bereits 16:15 Uhr: „Ade, ihr Lieben, bis morgen früh!“. „Ja, viel Spaß auf der Wellnessfarm!“, rufe ich meinem Mann dann oft hinterher. Denn während er sich mit Kollegen über Kapitalanlagen, Einreisebestimmungen oder den neusten Klatsch und Tratsch in den verschiedenen Dienstgruppen austauscht, heißt es hier daheim: AIR LO FLIEGT WIEDER. Und das meine ich keinesfalls ironisch, sondern leider bitterernst.

    Bekommt es irgendjemand da draußen gebacken, mit einem Hund am Abend Gassi zu laufen und zwei Kleinkinder zur selben Zeit zum Einschlafen zu bringen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein oder das Tablet laufen zu lassen? Wenn ja, dann kann ich nur noch einmal an DICH appellieren: BITTE MELDE DICH (klingt im Übrigen wie die Vermissten-Sendung im Trash-TV, aber egal, ich bin echt verzweifelt).

    Ich muss dazu sagen, dass ich gerade in den ersten Wochen nach der Elternzeit meines Mannes auf die Hilfe meiner Eltern oder der meiner Schwiegerleute zurückgreifen konnte. Besonders zuletzt Genannte helfen auch heutzutage noch oft aus, wenn sie denn auch darüber informiert werden, dass sie dies bitte tun sollen. Mein Gatte ist Meister darin, Dinge zu organisieren, zu erfragen oder zu kommunizieren…NICHT! Und ich bin nun mal niemand, der andere gern um Hilfe bittet und ihnen ständig auf den Senkel geht. Jedes Mal aufs Neue flehe ich darum, Absprachen zu treffen, damit ich etwas entlastet werde und zwar einen Monat im Voraus, da meine Schwiegereltern auch noch berufstätig sind und jedes Mal grüßt das Murmeltier und ich erfahre 15 Uhr, dass ich mal wieder auf mich allein gestellt bin – Danke, Ehemann!

    Nun habe ich schon die verschiedensten Ratschläge erhalten, aber irgendwie kann ich mit keiner Lösung so richtig leben. Vorschlag 1: Lass deinen Hund abends nur in den Garten. Abgelehnt weil: Jamie ist es gewohnt, nicht in sein Revier zu k… Ich muss ihn ja schon immer bei Durchfall beknien, dass er doch nun bitte auf 500qm mal sch… geht. Vorschlag 2: Telefoniere mit dem Babyphone und gehe Gassi. Abgelehnt weil: Zum einen schlafen die Kids in unterschiedlichen Räumen. Zum anderen vertraue ich weder der Technik noch darauf, dass meine Kinder nicht aufwachen und deshalb traue ich mich selbst keine 10min um den Block. Vorschlag 3: Nimm die Kinder mit auf die Hunderunden. Abgelehnt weil: Erstens ist es mit den drei Jungs echt spannend zu laufen und damit ist ebenso eine Achterbahnfahrt meines Pulsschlages garantiert und zweitens macht dies auch nur Sinn im Sommer, denn mit allen bei Kälte und Dunkelheit durch unseren Wald laufen ist irgendwie nicht so erquickend. Vorschlag 4: Bessere Abstimmung und Hilfe annehmen. Abgelehnt weil: Schon hundert Mal versucht, aber da muss der Ehegatte mitspielen und endlich etwas hinsichtlich seiner Kommunikationsfähigkeiten verbessern. Vorschlag 5: Mann austauschen 😉 (Spaß)! Abgelehnt, weil: auch keine Option. You see: It’s very COMPLICATED! (Einen Hundesitter bekommt man hier übrigens auch nicht so ohne Weiteres).

    Und während ich so tippe, fliege ich wieder von Zimmer zu Zimmer. Kandidat 1 hat den Schneller verloren, kurze Zeit später hat Kandidat 2 schlecht geträumt, später sicherlich auch noch Durst. So geht das die ganze Nacht. Froh bin ich schon immer, wenn dann der Fellige nicht noch Magen-Darm hat und in einer 20-minütigen Fürsprache davon überzeugt werden muss, irgendwann einmal im Garten etwas zu verrichten, bevor er platzt. Aber ratet… Genau! Natürlich passiert dies ausschließlich in den Nachtschichten meines Mannes. Und nachdem ich dann mal wieder 2min in der Nacht geschlafen habe, weil meine Lauscher ständig auf Empfang sind, kommt mein Schnatz heim und ratet… Jep, er muss erstmal schlafen. Unterstützt wird das von ALLEN, denn der arme Bub hatte schließlich Nachtschicht. Nach den Nachtwachen, die wir Mamas ständig hinter uns bringen, fragt dabei natürlich keiner…

  • Oh du schöne Elternzeit

    Bereits als Erstgebärende war die Elternzeit bei uns ein ganz großes Thema. Da ich ja eigentlich laut Ärzten nicht so einfach schwanger werden konnte, freute ich mich, dass es geklappt hatte und ich nach dreijähriger Abstinenz an meine Refischule zurückkehren konnte. Alles war ganz wunderbar vorbereitet und mit meinem Schulleiter so ausgetüfftelt und abgesprochen, dass das RP ja sagen musste. Ja, bis ich im Februar wusste, dass ich schwanger bin und mein Mutterschutz natürlich, wie soll es anders sein bei mir, pünktlich zu den Sommerferien beginnen würde und ich im September bereits Mama sein werde. Dies hieß für mich: Aus der Traum? Denn eins war klar, sollte ich nicht nach der Mutterschutzfrist zurückkehren, würde die Stelle anders besetzt werden.

    Nach langen Überlegungen zuhause, bot sich mein Mann an, die Elternzeit zu übernehmen. Allein deswegen behaupte ich, dass ich den weltbesten Schnatz habe, denn wie viele Männer der draußen würden das machen? Also ich meine mehr als die hierzulande üblichen zwei Monate, in denen die Frau ja meist gleichzeitig zuhause ist. Richtig! Fast niemand. Ich kenne in meinem Freundeskreis nur noch ein einziges Pärchen, die das ähnlich hielten, wie wir und wo der Papa ein halbes Jahr mit dem kleinen Spatz seine Freude hatte. Ja, warum denn auch nicht? Denn ich bin da schon Emanze genug zu sagen, dass MANN beim Kinderkriegen nicht nur seinen Spaß haben kann. Wir haben zwar auch Spaß, zumindest hoffe ich das für alle da draußen, aber dann hat man den Salat über den ich ja nun bereits ausführlich berichtete. Also warum sollten die Väter nicht auch ein bisschen in die Pflicht genommen werden bzw. einen prägenden Teil in der Kindererziehung übernehmen?

    Ich habe dahingehend mal ein wenig recherchiert und war sehr überrascht, dass in Japan und Korea die Männer ebenfalls 52 oder 53 Wochen in Elternzeit sind, sprich ein ganzes Jahr!!! In Europa sind wohl Frankreich und Portugal Spitzenreiter (28/22 Wochen) und danach folgen viele Länder mit den üblichen zwei Monaten. Mich überraschte auch zu lesen, dass die türkischen Männer im Durchschnitt wohl wenigsten zwei Wochen zuhause bleiben, während in der USA und in der Schweiz kein einziger Tag Vaterschaftsurlaub genommen wird – verrückt!

    Wir für unseren Teil können auf jeden Fall sagen, dass man dadurch unglaublich was verpasst. Vor allem ist die Zeit zu Zweit bzw. Dritt oder Viert so unendlich wertvoll. Mir hat der liebe Gott, das Universum oder wer auch immer, bei meinem Großen die Zeit in Form von Corona zurückgegeben und dafür bin ich unendlich dankbar. Denn ja, es war schon extrem hart, nach acht Wochen wieder voll in den Beruf einzusteigen, auch wenn man i.d.R. mittags daheim ist, Feierabend hat man deswegen noch lang nicht (auch wenn das Volk da draußen immer davon ausgeht). Zumindest konnte ich meinen Großen dann ins Tragetuch nehmen oder ins Bettchen neben mich legen – war viel wert. Aber die Zeit verfliegt so schnell und deswegen habe ich den Lockdown sowas von dermaßen genossen. Es war Zeit mit meinem Kind, wertvolle Zeit. Während viele schimpften, und ja es hat auch mich starke Nerven gekostet, vor allem, als ich wieder schwanger war, dennoch war es ein Geschenk.

    Dieses Geschenk habe ich mir bei meinem zweiten Schatz nicht nehmen lassen und es war völlig klar, dass ich daheim bleiben würde. Dennoch hat ja auch das Ehemännchen Anspruch auf zwei Monate nach dem Elterngeldanspruch 12+2. Also war die große Preisfrage, wie wir die verteilen. Meine Kollegin aus der Schule riet mir davon ab, den ersten Monat gemeinsam zu starten, da die Häsle ja viel schliefen und der Mann eigentlich eh nichts tun könne. Wir haben uns Gott sei Dank dennoch dafür entschieden, den ersten Monat gemeinsam zu verbringen und das aus verschiedenen Gründen.

    Zum einen ist Samu ein Winterkind. Das bedeutete, die Zahlen waren mal wieder extrem hoch im Landkreis und die Kindergärten dicht. Nun weiß glaub jede Mehrfachmama, was es bedeutet, wenn man ein Kind stillen will, während der Zweijährige ungelogen nur Scheiße baut und man gerade noch verhindern kann, dass die Rolle vorwärts nicht unbedingt im OG am Treppengeländer ins EG erfolgt. Zum anderen wusste ich auch dieses Mal nicht, ob mir ein Kaiserschnitt bevorstand oder nicht. Wie ich ja bereits geschildert habe, war eine Spontangeburt geplant, aber leider wurde nichts daraus. So und dann steht man genauso da, denn jeder Arzt warnt vor zu schwerem Heben. Und wir reden hier weder von Gewichtheben noch anderen Aktivitäten, sondern es sind ganz profane Dinge wie eine Einkaufstüte schleppen, verboten. Sehr witzig natürlich, wenn man ein weiteres Kleinkind hat, um nicht zu sagen ausgeschlossen. Aber es hilft natürlich unglaublich, wenn man erst einmal eine helfende Hand hat und deswegen bin ich sehr froh, dass mein Mann den ersten Monat mit mir und dem kleinen Schatz verbracht hat. Des Weiteren war es auch für die ganze besch… Bürokratie unglaublich hilfreich, denn die muss ja auch in den ersten Wochen erledigt werden. Das schönste an der Elternzeit mit Samu war jedoch, dass wir alle Vier (Fünf inkl. Felligem) die Anfangszeit genießen konnten und als Familie zusammen waren. Wir haben oft einfach nur zusammen im Bett gelegen und alle gekuschelt. Das war eine Zeit, die ich nie vergessen werde, weil ich sie als so unglaublich wertvoll empfunden habe. Gott sei Dank haben wir den zweiten Monat meines Mannes in die Zeit zwischen Weihnachten und Samus ersten Geburtstag gelegt und wieder freue ich mich wie ein kleines Kind auf die gemeinsame Zeit. Ich werde berichten…

  • Was Babys so niedlich macht und alles vergessen lässt

    Nun sollte man ja eigentlich bei meinen bisherigen Schilderungen davon ausgehen, dass bereits ein Kind einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt, denn wir erinnern uns an die Beiträge zum Thema schreien, stillen und schlafen. Spätestens nachdem man die AGB’s beim ersten Kind nicht gelesen hat, dürfte es unmöglich erscheinen, sich noch eins anzutun. Warum macht man das als Eltern oder vielmehr als Frau? Und welche Mutter hierbei behauptet, sie hätte noch nie für wenigstens eine Millisekunde das Gefühl gehabt, sich oder das kleine Monster aus dem Fenster zu schmeißen, die lügt schlicht und ergreifend.

    Man wird ja aber nicht nur seelisch auf eine harte Probe gestellt, sondern auch körperlich. Während ich 2008 noch Konfektionsgröße 36 trug, 62kg wog und mit mir und der Welt ziemlich zufrieden war, möchte ich aktuell nach zwei Kindern nicht unbedingt über meine körperliche Verfassung sprechen. Auch das Thema Sport ist so ne Sache für sich. Die ersten acht Wochen geht sowieso nichts nach dem Kaiserschnitt, bei dem leider keine Bauchstraffung vorgenommen wurde, auch auf dringenden Wunsch hin nicht. Vielleicht hätte ich tiefer in die Tasche greifen sollen… Naja, also bleibt man das erste Vierteljahr sowieso fett, es sei denn man verliert Unmengen Kilos beim Stillen. Aber nein, ich gehöre natürlich nicht zu dieser Kategorie Mütter. Ich bin eher diejenige, bei der exakt ein Jahr nach der Entbindung gar nichts geht und damit meine ich wirklich gar nichts. War schon nach dem Ersten so. Sämtliche Ärzte versuchten die Ursache zu finden: Schilddrüse, Hormonstörung, Diabetis Typ I etc. pp – nach exakt 12 Monaten nahm ich plötzlich wieder super ab, aber dann zeigte der Test schon das nächste Vögelchen an. Und zack, wieder fett oder noch fetter. Ziel war es nur, niemals dreistellig zu werden.

    Es dürfte also nun mehr als deutlich geworden sein, dass die süßen Mäuse nicht nur Segen ins Haus bringen, also für uns Mütter zumindest. Die Frage bleibt also: Wieso bekommen viele ein zweites oder drittes Häsle? Ich versuche es zunächst einmal mit dem sogenannten Kindchenschema zu erklären…

    Rein wissenschaftlich gesehen gibt es dazu Folgendes zu wissen (ich zitiere, bevor ich mir den Finger wund tippe): „Das Kindchenschema bezeichnet die bei Menschen und bei vielen höheren Tierarten vorkommenden kindlichen Proportionen, die als Schlüsselreiz wirken und Fürsorgeverhalten und Kümmerungsverhalten auslösen, wodurch gerade im Tierreich gewährleistet ist, dass sich die Eltern um ihre Jungen kümmern, sie beschützen und großziehen. Die Evolution der höheren Arten verlangte bei der lange dauernden Großzucht zur Selbständigkeit einen Mechanismus, um die Eltern an das Kind zu binden. 1943 postulierte Konrad Lorenz den Begriff Kindchenschema als Bezeichnung eines Merkmalaggregats des Kleinkindergesichts. Zu diesen Merkmalen zählt ein großer Kopf, eine große Stirnregion und damit einhergehend eine relativ weit unten liegende Platzierung der Gesichtsmerkmale. Darüber hinaus zählen große, runde Augen, eine kleine Nase, ein kleines Kinn, rundliche Wangen und eine elastische, weiche Haut zu den Charakteristika. Der kindliche Kopf ist im Vergleich zum Körper größer als beim Erwachsenen, und die Gliedmaßen (Arme, Beine, Finger) sind kürzer. Evolutionsbiologisch betrachtet bedeutet dieses Aussehen für Kinder einen Vorteil. Die Eltern erkennen durch diese Merkmale die Schwäche und Hilfsbedürftigkeit des Heranwachsenden und werden dadurch zu Schutz- und Pflegeverhalten animiert. Dass dies funktioniert, wies Thomas Alley 1983 nach: Erwachsene verhalten sich gegenüber kindchenschemagerechten Merkmalen stärker schützend, fürsorglicher und weniger aggressiv, als sie sich gegenüber Merkmalen älterer Individuen verhalten. [Dass dies einwandfrei funktioniert, beweist das Beitragsfoto meiner Freundin Jacky – auch bei ihr wird ein Knuddel- und Liebhabreiz ausgelöst, was gegenüber Erwachsenen keinesfalls oft der Fall ist hihi] Das Gegenstück zum Kindchenschema – die erwachsenen Proportionen, insbesondere Gesichtsproportionen – wird als das Mutterschema bezeichnet, das bei Kleinkindern Vertrauen und Klammern auslöst.“ (zitiert nach: https://www.biologie-seite.de/Biologie/Kindchenschema).

    Soviel zur Theorie. Aber es ist wirklich so, und man kann es sich als Nichteltern keinesfalls ausmalen, man sieht seine kleine Schnullerbacke mit diesen riesigen Kulleraugen an und fühlt sich wie im siebten Himmel. Zusätzlich sind die kleine Wurschtgewitter unglaublich niedlich, wenn sie versuchen, einen nachzuahmen, quietschende Geräusche von sich geben (natürlich sind hierbei eher die freudigen gemeint) oder einfach nur, scheinbar grundlos, laut loslachen. Außerdem sind Babys noch so unverbraucht und freuen sich über Kleinigkeiten wie einen Quirl, einen bunten Textmarker oder ein Geschirrtuch. Selbstverständlich ist auch alles toll, was knistert oder Geräusche von sich gibt, aber glaubt mir, dabei muss es sich nicht zwangsläufig um Spielzeug aus der Hölle handeln. In der Regel sind die kleinen Mäuse also ganz einfach zu befrieden: Windel frisch, genug gefuttert, keinen Furz quer sitzen haben und immer wieder was Neues aus der Umgebung erkunden lassen und zack: glückliches Baby. Und dieses Lächeln ist wirklich unbezahlbar. Hinzukommt, dass die kleinen Racker unglaublich gut riechen. Klar, manchmal sind Milchreste im Hals oder Käsefüße nicht so die Dinge, die man mit guten Gerüchen in Verbindung bringt, aber die Pupser schaffen es, dass man dennoch nahezu stündlich an ihnen schnüffeln will, weil sie unglaublich lecker nach Baby riechen. Zu guter Letzt sind die Ministinkis ja auch einfach nur eine Mickymousekopie von einem selbst, zumindest zu 50% und deshalb liegt es glaube ich in unserer Natur, dass man sie zum Fressen gern hat. Ich liebe meinen Samu auf jeden Fall aus tiefsten Herzen, völlig bedingungslos und auch trotz der ganzen Nebenwirkungen, die ein Kleinkind halt so mit sich bringt. Für seinen Bruder gilt selbstverständlich selbiges und auch fürs Ehemännchen, obwohl sich der wenigstens Gott sei Dank den Popo schon selbst putzen kann (Spaß). Meinen Schnatz liebe ich auch ganz besonders dolle, denn er ist immer mein Seelentröster und mein Fels in der Brandung, wenn ich mal wieder durchdrehe oder verzweifle. Lieb you am matchigsten!

  • I can’t get no sleep

    Nun gibt es ja eine Million Theorien, weshalb Kinder nicht schlafen, von durchschlafen spreche ich in diesem Zusammenhang gar nicht: Anpassungsstörungen, Schübe, Hunger, zahnen oder schlicht und ergreifend keinen Bock auf pennen und lieber Party machen. Früher fand ich das lustig und ich wäre sofort mit am Start gewesen, heute ist nimmer soviel los mit mir und drei-Tage-wach bringen mich schier um.

    Nun gehört Samu nicht zu den Babys, die jede Stunde auf der Matte stehen, aber selbst zwei Mal in der Nacht ist unmenschlich. Und bis er einmal schläft, Herr Gott sagt… Mein kleiner Terrorist hatte nämlich exakt bis zur zwölften Woche die Angewohnheit vier!!! Stunden am Abend einfach zu schreien (ich meine ich berichtete schon, aber durch Wiederholung wird etwas nicht falsch – smile). Pünktlich 18 Uhr startete das Konzert und ca. 22 Uhr war die Batterie leer. Konnte man sich wenigstens drauf verlassen. Auch hierzu bekam ich allerhand Tipps, wie das zu managen sei. Ich schwöre euch: nichts funktionierte. Nun hat man aber ja noch ein anderes Kind und das will dann irgendwann einmal schlafen.

    Ich war schon so verzweifelt, dass ich mir die Swing-to-sleep-Wiege ausleihen wollte, aber ungefähr 200 Euro fürs MIETEN auszugeben, fand ich gesponnen. Ich glaube neu kosten die Dinger um die 600 Euro. Also warum nicht gleich kaufen? Da ich dahingehend aber viel von meiner neuen Wahlheimat gelernt hatte und von den Menschen, die hier wohnen, war mir das natürlich viel zu teuer und ich saß die Angelegenheit aus.

    Was macht man nun als Elternteil, wenn man sicher damit rechnen kann, dass sich durch das Seele aus dem Leib schreien, zwei Stunden nach 22 Uhr wieder der Hunger einstellt? Schlafen gehen, jedoch nicht schlafen können, weil man bei der kleinsten Drehung sofort in Habachtstellung ist? Oder doch lieber versuchen wie ein wandelnder Zombie die Zeit zu überbrücken? Ich sage es euch, es ist beides kacke. Nichts hält ein Mensch auf Dauer durch oder ich zumindest nicht. Männer sind da ja ganz anders drauf… Kaum den letzten Zeh ins Nest gestreckt, zack eingeschlafen. Wie zur Hölle funktioniert das? Wahrscheinlich ist das ein Relikt aus der Urzeit, in der wir Frauen beim Feuer mit den Kindern schliefen und ständig aufpassen mussten, dass die Kids nicht von irgendeinem wilden Viehsch gefressen werden, während die Männer jagen waren. Irgendwie hat sich da heute nicht viel verändert, nur dass manche Männer jagen fehlerhaft interpretieren.

    Nun liege ich also jedes Mal halb scheintot irgendwo rum oder wandel durchs Haus, bis mein kleines Monster wieder anfängt, in unerträglichen Höhen zu pfeifen. Danach verläuft meine Nacht aber auch nicht wirklich besser, denn ich bin ja wieder in bewährter Stellung unterwegs, damit mir bei den zwei Schnuppis nur nichts durch die Lappen geht. Nicht mal das laue Lüftchen, das aus dem Popo entweicht. Mein Mann sagt, ich sei bekloppt, ich muss damit aufhören. Recht hat er natürlich, aber den Ausknopf hat er mir nicht gezeigt, aber dann wundern die sich, wenn man drauf ist wies Messer und zu Motzilla wird.

    Eins sage ich euch, wenn ich irgendwann in meinem Leben jemals wieder schlafen können sollte, und dabei wird es sich noch um eine sehr sehr sehr lange Zeit handeln, da schlafe ich dann aus bis halb elf am Mittag, soviel ist sicher. Scheiß egal, was die Nachbarn denken. Ich habe schließlich etwas nachzuholen. Hoffentlich ereilt mich bis dahin nicht die senile Bettflucht, aber das ist aktuell schwer vorstellbar. Bis dahin werde ich damit leben müssen, dass ich mich oft fühle, wie in einem Verhör. Weggecasht von einer anderen Spezialeinheit, die einem geheime Informationen entlocken will. Und wie geht das am besten? Richtig! Mit Schlafentzug! Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist, ob je ein Mann, der damit gefoltert wurde, länger als ein paar Tage durchhielt, bis er zusammenbrach und sang wie ein Kanarienvogel. Liebe Männer, es ist mal wieder bewiesen: ihr seid leider das schwächere Geschlecht, denn wir ertragen das Jahre und mehrfach in der Nacht, während wir NIE richtig schlafen. Dennoch schön, dass ihr und die Kinder da seid 😉, auch wenn es heißt: I can’t get no sleep.

  • Schock – Das Kind hat eine blaueZunge

    Gerade den ersten Monat mit Samu einigermaßen ohne Zwischenfälle überstanden, überkam mich die Panik ziemlich genau am erstmonatigen Geburtstag. Tagsüber war der junge Mann schon extrem quengelig und unleidig und ich überlegte, ob er vielleicht schon den ersten Entwicklungsschub durchmachte. Fix mal in das Buch „Oje, ich wachse“ geschaut, aber dort hieß es, dass die jungen Menschen i.d.R. das erste Mal mit sechs Wochen soooo richtig gute Laune aufgrund der Veränderungen, die sie erleben, bekämen. Es war ja nicht so, dass Samu nicht ohnehin schon die letzten vier Wochen zum Samu Schrei mutierte… Nein, er legte noch einmal ne Schippe oben drauf – na hervorragend! Laut des Buches sollte das aber erst in zwei Wochen passieren. Mit viel Schuckelei im Kinderwagen und auf unseren Armen überstanden wir den Tag. Am Abend erhielt ich dann mal wieder eine mittelschwere Panikattacke, denn die Zunge meines Kindes war blau. Nicht irgendwie blau, nein. Er sah aus, als hätte er sämtliche Kinderkrankheiten dieser Welt einfach einmal inhaliert. Zu meinem Glück passiert natürlich so ein Anschlag auf mich nur am Wochenende oder wie hier am Abend, wenn selbstverständlich kein Kinderarzt einfach so erreichbar ist. Ziellos stolperte ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durchs Haus. Sämtliche Erste-Hilfe-Kurse für Erwachsene, Kinder, Kleinkinder und sogar Haustiere habe ich absolviert, aber man sollte nicht meinen, dass die liebe Sue dadurch in der Lage wäre, entsprechend zu reagieren; also mit kühlem Kopf und klarem Verstand, so nach dem Motto: „Kind wird schon nicht gleich sterben!“. Nein!!! Sobald ich emotional an eine Person oder Personengruppen, können tatsächlich auch Schüler sein, gebunden bin, fällt mir das Handeln im ersten Moment schwer.

    Was also nun tun? Auch mein Mann befand, dass es gefährlich aussah und wir vielleicht doch besser in die Klinik fahren sollten. Aber auch hier kam mir die nun schon so oft beschriebene Intuition zur Hilfe, die mich nach ein paar Minuten des Schocks lautstark anschrie: „Erst mal die Hebamme befragen!“. An dieser Stelle muss ich noch einmal los werden, dass ich glaub die weltbeste Hebamme erwischt hatte. Nicht nur, dass  es sehr positiv war, dass sie nicht zur Stillmafia gehört, mit Edelsteinchen herum hantierte oder bereits mit Säuglingen schon Geburtsrückführungskurse anbot, nein, sie ist im Notfall auch immer erreichbar gewesen.

    Sie und meine innere Stimme beruhigten mich. „Morgen zum Kinderarzt… ist ein Pilz höchstwahrscheinlich, aber dringend abklären“, schrieb sie mir. „Ist das gefährlich? Woher kann das kommen?“, wollte ich noch wissen. Per Voicemail wurde ich weiter beruhigt: nicht gefährlich; eigentlich müsse ich es aber auch an den Brustwarzen spüren, falls es ein Pilz sei; eventuell auch schwarze Haarzunge (aber eigentlich bei Erwachsenen vorkommend); vielleicht auch bakterielle Infektion – Resultat: Kein Klinikbesuch am Abend nötig. IB gab mir dann aber noch den Tipp, zu versuchen, es mal mit einem Mulltuch etwas wegzurubbeln.

    Was soll ich sagen… Ich rubbelte und alles ging weg. Es waren Fusel!!! Ich war zwar mega happy, aber gleichzeitig auch hochgradig peinlich berührt, da ich wieder alle schalu gemacht hatte. Woher die Fuselviehcher kamen… ich habe keine Ahnung, denn außer auf der Zunge waren sie weder bei mir, noch bei Samu irgendwo auszumachen.

  • Ersatzhebamme Diana

    Nun bin ich ein Mensch, der es gewohnt ist, nachts kreativ zu sein, zu denken und manchmal eben auch zu handeln. Dies hat sich Samu in Perfektion in den ersten drei Monaten abgeschaut. Und liebe Neumamas, ich kann euch aus eigener Erfahrung versprechen, exakt mit Ablauf der berühmten zwölf Wochen Anpassungsstörung wurde es besser – kaum zu glauben, aber wahr, man kann den Timer danach stellen.

    Nun gut, die ersten Wochen brachte mich mein Kind allerdings wie bereits im Beitrag „Aus Samu Rai wird Samu Schrei“ beschrieben, zur Weißglut. Man will ja aber die arme Hebamme nicht auch noch des Nächtens nerven, hat eh schon genug zu tun. Dennoch hat man Fragen, viele Fragen. Zumal Lian so ein einwandfreies, problemloses Kind war. Also musste eine Ersatzhebamme für die Nacht her.

    Diana ist Mutter von drei Kindern; ihr Jüngster ist lediglich ein Dreivierteljahr älter als Samu. Wir kennen uns seit nunmehr fast zwanzig Jahren – oh mein Gott, die Zahl erschreckt mich gerade. Und wir sind in vielerlei Hinsicht seelenverwandt.

    Kennengelernt haben wir zwei uns bei unserer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und was soll ich sagen… Es passte wie Arsch auf Eimer: beide ne große Klappe und ausm Osten, dazu derselbe Humor und dieselbe Einstellung – perfekt. Ich kann mich an so viele lustige Momente aus unserer gemeinsamen Azubizeit erinnern, dass ich allein darüber einen Blogeintrag schreiben könnte. Eine Episode davon will ich euch jedoch nicht vorenthalten…

    Man behauptet ja so schön, dass Lehrjahre keine Herrenjahre seien. In unserem damaligen Unternehmen war das in vielerlei Hinsicht Programm, obwohl ich behaupten würde, dass wir die beste Ausbildung im Einzelhandel genossen, die Azubis bekommen konnten. Das Kleingeld stimmte im Übrigen auch. Nun war es Firmenphilosophie, dass auch die Lehrlinge, wie die Chefetage, Schulungen in einem 5-Sterne Hotel erhielten (das aufgrund zweier berühmter deutscher Schlagerstars über unsere Landesgrenzen bekannt ist) und zwar eine ganze Woche lang, jedes Lehrjahr. Am ersten Vormittag lernten wir noch brav. In den darauffolgenden Tagen mussten wir alle zusehen, dass wir die Augen offen behielten. So nahmen wir die Lehrinhalte zum Thema „Jim Jack und Jonny“ sowie „Wein, Champagner und Co.“ sehr ernst – die einzelnen Geschmacksnoten mussten schließlich mit dem eigenen Gaumen herausgefiltert werden. So begann ein Abend damit, dass wir schön den Schampus in der Badewanne genossen, um danach frisch erholt, den Caipi aufs Zimmer liefern zu lassen, um mit den anderen Genossen eine dicke, fette Azubi-Party zu feiern. Hin und wieder hatte vor allem ich dann nach diesen Ritualen Oberwasser und legte mich noch zusätzlich mit unserer 45kg Russin Anastasia an. „Dich sauf‘ ich doch locker unter den Tisch, du Fliegengewicht!“, proletete ich noch . Dass Damen aus der ehemaligen Sowjetunion wahrscheinlich schon mit Wodka im Blut groß werden, unterschätzte ich dabei wohl gänzlich. Nützte nix, mussten schließlich auch die Spirituosen verköstigt werden. Während Diana wohlweislich irgendwann ausstieg, kannte ich kein Ende und verlor, gegen Anastasia!!! Mein Hasenpüpschen sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich auch im richtigen Bett landete – dafür post exercitatione herzlichen Dank.

    Ich habe keine Ahnung, wie wir damals diese Woche überstanden, denn unsere Nachmittage starteten bereits mit Alkohol; mit ganz viel Alkohol. Dennoch mussten wir auch lernen, denn alle zwei Tage standen Tests an. Mir ist es wirklich bis heute ein Rätsel, wie wir das durchstanden und vor allem, wie es uns auch noch gelang, gute Noten zu schreiben. Badewanne, Schampus und Lernkarten waren vielleicht gar keine so schlechte Mischung… Naja, während wir den Luxus in unserer Ausbildung noch in vollen Zügen genießen konnten und wir uns bei jedem Seminar aufs Neue freuten, dass wir nun mal die Firma ausbeuteten wie diese das ganze Jahr uns, so wurde diese Ehre dem nachfolgenden Jahrgang nicht mehr zuteil – woran das wohl lag???

    Ihr seht also, wir kennen uns in und auswendig. Und auch wenn unsere Freundschaft hin und wieder von Funkstille geprägt war, werden wahre Seelenverwandte sich immer irgendwann wieder finden. So auch wir und das war gerade mit meinem Samu Schrei ein Segen.

    Eigentlich wollte ich noch einmal in unsere unzähligen Sprachnachrichten hineinhören, die wir uns besonders gern in der Nacht aufsprachen, allerdings muss ich zugeben, dass dies meinen zeitlichen Rahmen sprengen würde, denn sie waren wirklich lang (zwischen 10-25min). Unsere Lieblingsthemen umfassenden selbstverständlich die komplexen Bereiche rund ums Kind: Stillen und Abpumperei (in diesem Zusammenhang war auch die Ernährung ein Thema), nächtliche Ruhestörungen durch die kleinen Terroristen, Kinderkrankheiten, Bürokratie und und und… Dennoch fanden wir hin und wieder auch anderen Unterhaltungsstoff. So schwelgten wir beispielsweise in Erinnerungen, unterhielten uns über unsere Verwandtschaftsverhältnisse, über Esoterik, zukünftige Reiseziele (also die, die wir in 20 Jahren dann zusammen ohne Kinder angehen), unsere Gemeinsamkeiten, die im Übrigen erschreckend sind, oder quakten über unsere Ehemännchen.

    Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass wir seit der Geburt von Samu (oder auch die Jahre zuvor) einmal ernsthaft gestritten hätten. So wie damals beim Lernen unterstützten wir uns nun mit unseren Kinderthemen, oder besser gesagt Diana mich, schließlich hat sie dahingehend schon ein Kind mehr Erfahrung. Ich möchte mich auf diesen Weg auf jeden Fall noch einmal ganz herzlich bei dir bedanken und ich weiß ja, dass du fleißig mitliest 😉. Du warst, insbesondere bei meinem jüngsten Kind, eine ganz große Stütze, wenn ich bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs war. Es gab keine einzige Frage, die von dir nicht SOFORT beantwortet wurde und auch keine einzige Aussage stimmte nicht mit der der Hebamme überein. DANKE, DANKE, DANKE! Obwohl wir nun leider einige Kilometer entfernt wohnen, hoffe ich, dass mich mein Seelenhasenpüpschengschmusi ein Leben lang begleiten wird!

  • Wissenschaft Stillen

    Ganz ehrlich, eigentlich ist das doch ne riesen Schweinerei, dass einem niemand vor der ersten Schwangerschaft mal die ganzen AGB’s unter die Nase hält. Das macht doch die Generation über uns mit Absicht, damit die Menschheit nicht ausstirbt oder ist die Vergesslichkeit da schon ein so großes Thema?

    Hätte ich auf jeden Fall die Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Vorfeld gekannt, wüsste ich nicht, ob ich so naiv an die Sache des Kinderkriegens herangegangen wäre. Vor allem den Absatz, der sich mit der Thematik „Stillen“ beschäftigt, hätte ich wohl genauer studieren sollen…

    Da ich bei meinem Großen nach acht Wochen bereits wieder arbeitete, war ich ganz froh, als nach zwei Monaten das Thema gegessen war und wir einfach nur noch Premilch fütterten. Bevor mich die Stillmafia allerdings wieder killen will, lasst euch bitte gesagt sein, dass ich willig war, aber mein Kind nach tagelanger Trockenheit im Krankenhaus keine Brust mehr sehen konnte. Erst als die schockierte Ärztin nach drei Tagen anordnete, ich solle SOFORT zufüttern, wurde er endlich glücklich. Und nein, ich hatte auch keinen einzigen Tropfen, von wegen Kolostrum und so… ich war trocken wie die Wüste Gobi (ich berichtete glaub schon darüber). Also pumpte ich beim ersten Mal fleißig ab. Es lief und lief und lief, bis zu dem Tag, als mir die ganze Beschriftung im Kühlschrank außer Kontrolle geriet. Ich schüttete alles weg, aus Angst mein Kind könnte sterben, aufgrund meiner viertagealten Muttermilch – totaler Blödsinn, aber ich war Erstlingsmama (also den Felligen raus gerechnet) und hatte kein Stilllexikon alias Geburtsvorbereiterin, die ich nerven konnte. IB sagte bei Samu einen Satz, der mich wochenlang nicht losließ: „Was du verschiet, das versiegt!“. Gut, mich hatte also beim ersten Kind der Hebammenfluch getroffen. Jetzt konnte ja nur noch alles besser werden…

    Samu kam auf die Welt und es lief alles ganz wunderbar. Blöd ist die Sue ja nicht, manchmal würde ich mich sogar als Oberhauptfuchs bezeichnen, und so schleuste ich schon ins Krankenhaus Spritzen und Pre-Nahrung ein. Denn eins sollte auf gar keinen Fall wieder passieren, dass mein Kind die Brust verweigert. Nun konnte Samu schon nicht auf natürlichem Wege geboren werden, also MUSSTE es zwingend mit der Stillerei funktionieren.

    Plan A funktionierte schon einmal ganz hervorragend. Mein Kind wurde kein Brustverweigerer wie sein Bruder. Ganz im Gegenteil, er beruhigte sich nur, wenn ich ihn anlegte. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten klappte es auch ziemlich gut. Anfängliche Schwierigkeiten klingt dabei so easypisi. N alter Scheiß sag‘ ich euch. Ich hatte höllische Schmerzen. Für die Männerwelt: Lasst euch mal von eurer Frau 16h am Tag (vielleicht auch besser von mehreren) die Brustwarze nuckeln. Ja, dann werdet ihr ein Gefühl dafür bekommen, was wir da aushalten müssen. Scheiß auf Hormone, die konnten gar nicht in so großem Maße einschießen, wie das weh tat. Auch mein Milchstau war ja mittels Prosecco und bissi ausstreichen nicht zu beheben. Nein, ein Massagegerät aus den 70ern musste erhalten (anbei als Beitragsbild). Sah aus wie eine überdimensionale Haarbürste und damit musste ich mir jetzt schön, mindestens 5X täglich, nach der ganzen Stillerei den Mops beim Abpumpen massieren – schöner Scheiß. Zusätzlich war ich abhängig von Drogen wie: Stillhütchen, Mercarialissalbe, der Medela Pumpe und Stilleinlagen.

    Nach geraumer Zeit, als es endlich funktionierte, kam ich mir vor wie eine Tropfsteinhöhle, denn so viel konnte der junge Mann gar nicht saufen, wie Milchkuh Lisbeth produzierte. Ich stillte, ich pumpte ab, ich massierte. Dass ich dafür nicht den Preis „Mutti des Jahres“ erhielt, ist mir bis heute rätselhaft (ach nein, so geht es ja vielen Frauen…). Ich beneide die Muttis, die ihr Kind am ersten Tag anlegen und es nach eigenen Aussagen keine Probleme bis zum zweiten Lebensjahr gibt. Möge euch der Stillteufel holen (Spaß!).

    Zwei weitere Faktoren, die mich wahnsinnig stressten waren: die Wortfindungsstörungen und die Ernährung. Das Erste wäre mir vermutlich so oder so nicht erspart geblieben, aber der Verzicht auf gewisse Lebensmittel war Folter. Ja, ich höre die Stillmafia schon wieder sagen: „So ein Quatsch. Man braucht auf nix verzichten. Ich habe alles gegessen“. Schön für euch, aber wir haben sofort gemerkt, wenn ich nur die geringsten Mengen an blähenden Dingen verköstigt habe. Samu hatte extreme Bauchkrämpfe und schrie, schrie, schrie, schrie – stundenlang. Das was also in der Schwangerschaft für mich verboten war, war ein Scheiß gegen das, was ich jetzt alles nicht konsumieren durfte. Aber: Allet für den Dackel, allet für den Club!

    Es kam dennoch wie beim Großen… Aus „Milch für Drillinge“ wurde nach exakt genau demselben Zeitraum wie damals „Milch für nicht einmal ein Kind“. Ich habe es eh gehasst, irgendwann nicht mehr pumpen zu dürfen, ich sollte ausschließlich stillen. Auch aufgrund der Zeit, musste ich doch gewährleisten, dass mein Kamikaze Zweijähriger keine Rolle vorwärts im Treppenhaus übt. Angeschlossen an die Milchstation gestaltete sich die Aufsicht immer schwierig, vor allem, als die schöne Elternzeit meines Mannes ein Ende fand.

    Nun nahm mein Samu ab und schrie. „Dringend Stillproben machen und zufüttern“, lautete die Anweisung der Hebamme. Und ja, wie beim Ersten kamen plötzlich nur noch 50ml pro Pumpgang, obwohl mein Baby 120ml verputzte. Mein Traum, mein Kind dieses Mal bis zum vollendeten ersten Lebensjahr zu stillen, zerplatzte. Und ganz ehrlich, ab dem vierten Monat ließ ich es ganz sein. Der zeitliche Aufwand stand für mich in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen, denn zufüttern musste ich nun eh.

    Was soll ich sagen ihr Lieben… Ich bin nach einwöchiger unendlicher Traurigkeit froh, dass meine Möpse wieder mir gehören, ich kann soviel Kohl futtern, bis es mir den Ranzen zerreißt. Der Oberkontrolletti hat die gefütterte Menge wieder im Blick und ist deutlich weniger gestresst und ja, das Leben ist schön, auch ohne zu stillen.

  • Samus Hebamme – der rettende Anker

    Ich hätte nie gedacht, dass ich das in meinem Leben noch einmal sagen würde, aber ich war wirklich froh, eine Hebamme bei Samu gehabt zu haben. Bei meiner zweiten Schwangerschaft wusste ich ja dieses Mal rechtzeitig, nämlich in der dritten Woche, dass da wieder ein kleiner Wurm in mir heranwächst. Ich hatte also genügend Zeit, mir zu überlegen, ob ich eine Hebamme wollte oder eben nicht. Fast wäre das schief gegangen, denn mein Verstand sagte mir: „Brauchst du nicht, hat doch auch beim ersten Baby alles reibungslos und problemfrei geklappt!“. Da mich aber von Beginn an dieses negative Gefühl plagte, wollte ich lieber nichts dem Zufall überlassen und verließ mich auf meinen Bauch. Sollte ich ja schließlich endlich begriffen haben, dass dies immer die bessere Wahl in meinem Leben ist…

    Stundenlang, und das meine ich wirklich ernst, schaute ich mir bei Google an, welche Hebammen in meiner Nähe angezeigt werden. Rational kann ich das wieder nicht begründen, aber immer wieder zog es mich zu NB hin. Wie ein Pendel, das immer wieder an derselben Position stehenbleibt. Ich rief also irgendwann dort an, ich denke, das dürfte so in der achten Woche gewesen sein. NB ging ran und ich wusste von der ersten Sekunde an, dass ich mit ihr ganz wunderbar zurechtkommen würde. Absolut genau mein Typ: direkt, forsch, ohne großes Bla Bla, sondern gleich zur Sache Schätzchen.

    „Naja, Januar ist aber schlecht! Da bin ich immer einen Monat im Urlaub. Mh, kriegen wir aber sicher mit meiner Tochter hin. Die vertritt mich, sollte ich noch nicht wieder da sein. Aber am 15.Januar bin ich zurück, am 13ten hast du ja ET. Musst du halt klemmen.“ Sowas Geiles, so ein Spruch hätte doch glatt von mir sein können… Und ja, liebe NB, ich habe geklemmt, ganze acht Tage (lol), aber aus NB wurde IB, deine Tochter, die schlussendlich zu mir kam. Sie war mir aber natürlich genauso recht und vom gleichen Schlag.

    Ich habe übrigens im Nachhinein den allergrößten Respekt vor Hebammen. Die Armen müssen bei Wind und Wetter raus, es interessiert nicht, ob Wochenende, Feiertag, Weihnachten, Ostern, der eigene Hochzeitstag oder der Geburtstag der Kinder gefeiert wird (der Ehemann kommt auch mal allein klar, ist ja schon groß 😉), nein, sie müssen immer 24/7 ansprechbar sein.

    Ganz sicher bin ich zwar nicht, aber ich meine, dass IB das erste Mal an einem Sonntag zu uns kommen musste. Es war kalt, arschglatt und hatte geschneit. Am ersten Tag war ich noch nicht so gut vorbereitet, aber die kommenden Male stellte ich gefühlt eine Million Fragen, die ich lehrertypisch auf irgendeinen Fresszettel gekritzelt hatte. „Das ist voll typisch für deine Berufsgruppe!“, bekam ich da nur zu hören. Insgesamt sei es ihr aber so lieber, als wenn dann die Fragerei übers Handy losginge. Ja, das wollte ich der Guten, ebenfalls Mutter von zwei jüngeren Kindern, nun wirklich nicht auch noch antun. Ich musste sie einmal am Abend kontaktieren, da ich nicht wusste, ob Samu in die Klinik muss (Beitrag folgt) und einmal hatte ich tatsächlich die Zeit vergessen und es war bereits halb zehn am Abend. Bei frisch gebackenen Müttern verschwimmen irgendwann Tages- und Nachtzeiten, aber ansonsten versuchte ich, nicht über Gebühr zu nerven (Für die Abende und Nächte hatte ich meine gute Freundin Diana mit ihren drei Jungs als Ersatzhebamme fest gebucht). Dafür schoss es aus mir heraus wie aus einem Maschinengewehr, wenn sie zugegen war und ich bekam auf alles eine hoch kompetente Antwort, ohne dieses ganze Hebammenschischi drum herum, von dem ich ja bereits berichtete.

    Die ersten Tage war es wirklich alles andere als leicht… Mein Baby schrie, mir spannte der Mops, mit dem Stillen lief es alles andere als gut und mein Mann war zu Beginn ungelogen jeden Tag in der Apotheke: Waage holen, Mercurialis Salbe besorgen, Sap Simplex kaufen usw.. „Dafür sind die Männer da, lass ihn laufen!“, kommentierte IB das nur. Recht hat sie! Denn schließlich haben wir genug auszustehen, sobald Nachwuchs ins Haus steht. Fett werden wir, die Beckenbodenmuskulatur ist erst einmal im Arsch, Schwangerschaftsstreifen zieren ggf. den Körper, Muttimöpse erhält man durchs Stillen, 24/7 sind wir gefragt und was ist mit unseren Göttergatten??? Sie werden von Tag zu Tag attraktiver und interessanter im Alter, während wir uns dem Schicksal ergeben, zukünftig Kleidung im Schrank in die Kategorie „passt nie wieder“ zu sortieren und von Faltencreme abhängig werden – also nein, ich hatte gar kein Mitleid, als mein Mann klare Ansagen erhielt, was er alles zu tun habe.

    Obwohl ich IB immer als super relaxte und kompetente Hebamme empfand, gab es eine Situation, bei der ich sofort wusste, dass es ernster war. Ich meine es war am dritten Tag nach meinem Milcheinschuss, als ich extrem harte Knötchen in der Brust spürte, beziehungsweise in meinen Wassermelonen. Unter normalen Umständen kann man meine Brust schon nicht mehr mit Äpfelchen oder so vergleichen, nein Galiamelone sicherlich ohnehin schon, aber an diesem Tag fühlte ich mich wie Lolo Ferrari. IB tastete und schaute ernst. „Oh,Oh“, dachte ich mir, „gar nicht gut, wenn sie schon so schaut!“. „Sue, du machst jetzt Folgendes: Du nimmst jetzt sofort eine Ibu und gibst deine Kinder zur Oma. Danach gehst du extrem heiß duschen. Dabei versuchst du so viel auszustreichen, wie du kannst. Anschließend genehmigst du dir einen Prosecco. Ich komme am Abend noch einmal.“. „Habe ich gerade Prosecco gehört???“, schoss es mir durch den Kopf. „WELLNESS, klasse Sache!“, dachte ich mir, aber da hatte ich mich getäuscht, denn der Prosecco schmeckte, doch die Wassermelonen ließen sich ganz und gar nicht einfach ausstreichen und der Schmerz nahm zu….


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6 Kommentare zu „Blog

  1. Hallöchen, gerne möchte ich deinen Blog verfolgen. Tolle Idee! Wir haben eine Tochter, Lilli-Marleen, geboren am 28.09.2020. Ihr fehlen die Finger an der linken Hand. Erfahren haben wir es erst bei der Geburt. Viele Grüße, Verena

  2. Hallo,

    ich finde den Blog toll! Bin schon ganz gespannt auf die nächsten Beiträge.

    Viele Grüße
    Ellen

  3. Ich finde deine Idee super und möchte gern deinem Blog folgen.
    Bei unserem Sohn fehlen die Finger an der rechten Hand. Er überrascht uns jeden Tag aufs neue.
    Liebe Grüße

    Therese

  4. Hallo ,

    Bei meinen sohn war es nach der Geburt und später mit gut 1 Jahr wurde festgestellt das er das poland syndrom hat jetzt ist er 4 Jahre und ein toller Junge mir wollten die Ärzte usw bis heute einreden was er nicht alles kann aber er überzeugt alle jeden tag aufs neue unsere Kinder können alles schaffen manchmal dauert es einfach etwas länger aber sie schaffen es 🙂

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