Geburt und die ersten drei Monate

  • 21.01.21 – Welcome little sunshine

    Am 21.01.21 war es schließlich soweit (hierbei muss natürlich kurz auf das mega bombastische Datum verwiesen werden, wenn auch bestellt). Kliniktasche dabei, VITA 34 Koffer, Sachen fürs Baby und jede Menge Aufregung. In meine Freude mischte sich halt leider auch die unendliche Panik, dass mein kleiner Schatz doch noch weitere Erkrankungen oder Fehlbildungen erlitten hatte, die vorher niemand feststellen konnte. Deshalb hatte ich natürlich ein ganz anderes Empfinden als bei meiner ersten Entbindung via Kaiserschnitt.

    Hinsichtlich der ganzen Vorbereitungen lief selbstverständlich alles gleich ab: Nadel setzen, Katheter legen, nettes OP-Hemdchen überziehen und letzte Bedenken runterschlucken. Auf dem Gang begegnete ich noch Dr. Love oder auch Dr. Hübsch, wie er von vielen Frauen in meiner Umgebung liebevoll genannt wird. Dr. P ist zusätzlich ein Freund meiner Freunde und ich verstehe natürlich auch warum… Wir sind nämlich alle lustig und um keinen Spruch verlegen. Schon bei meinem Großen damals wurde ich bei einer morgendlichen Visite mit dem Satz begrüßt: „Frau L., Sie sind also die Frau, die an mir vorbeioperiert wurde!“. Da schaut man erst einmal nicht schlecht und wenn mir die Worte fehlen, dann will das etwas heißen – kurzum: ein Arzt ganz nach meinem Geschmack und, das fiel mir jetzt ehrlich gesagt erst beim zweiten Kaiserschnitt auf, tatsächlich ganz gutaussehend. Ich war also insgeheim froh, dass mich als Privatpatient der Chefarzt operierte, so zumindest der Plan…

    Dr. P hielt mich auf dem Gang mit dem Satz auf: „Frau L., Sie sind also die Frau mit dem Kind, das so einen großen Kopf hat?“. „Ja, klar“, dachte ich. Frage mich doch einfach ehrlich, ob ich die Frau sei, dessen Kind mit nur einer Hand zur Welt kommt, schluckte aber meine Antwort runter, lächelte und entgegnete: „Jep, aber ich werde schon wieder an Ihnen vorbeioperiert. Wir haben da aber auch kein Glück.“ „Ja, da will der Chef wohl selbst ran“, sagte Dr. P. „Logisch, ist ja auch die Sensation.“, fuhr es mir erneut durch den Kopf. Wir plauschten noch ein wenig über unsere gemeinsamen Bekannten und verabschiedeten uns dann nett.

    10 Uhr war mein Termin zur Entnahme meines kleinen Stinkis angesetzt. Zwanzig nach neun holte mich bereits die Anästhesistin Dr. I aus meinem Zimmer. Diese Ärztin war ebenfalls genau mein Fall: nicht lange um den heißen Brei rumfaseln (Es ginge jetzt los, zack zack fertig werden 😉!), klare Ansagen, aber immer mit genügend Humor. Sie erinnerte mich schwer an die Hauptdarstellerin der Serie „Roseanne“, die in den 90ern auf Pro7 lief. Ich trabte also brav hinterher, während mein Mann in einen Vorbereitungsraum geführt wurde. Man versprach mir, man hole ihn, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen seien. „Kein Thema“, dachte ich. Alles war wie beim letzten Mal, nur eins nicht…

    Ich betrat den OP im Kreißsaal und dort lächelte mich breit grinsend Dr. P an, von Herrn Prof. Dr. T fehlte jede Spur. Dass der Chefarzt der Anästhesie mich mal wieder versetzte, war mir eigentlich schon vorher klar, mit dem habe ich schon gar nicht gerechnet, zumal „Roseanne“ ein super Ersatz war, aber dass nun Dr. Love hier stand, fand ich weniger lustig. Vor gutaussenden Männern willenlos die Beine zu spreizen, ungeschminkt und klatschen fett, fand ich so überhaupt nicht erquickend. Ich wäre ja aber nicht Sue, wenn ich meinen Unmut nicht in irgendeiner Form wieder kundgetan hätte. Ich weiß nicht mehr genau, was ich äußerte, aber ich hörte Dr. I nur sagen: „Ach Frau L., wenn man schwanger wird, muss man für neun Monate sämtliches Schamgefühl ablegen“. Wie recht sie damit hat.

    Nun gut, ich musste die Kröte schlucken, denn Herr Dr. P teilte mir mit, dass der Chef gleich käme und er heute assistieren dürfte. „Super“, dachte ich, „alle wollen mal gucken, wie der kleine Mensch ohne Hand so aussieht.“ Wie unrecht ich mit meinen ganzen Gedanken hatte, erfuhr ich erst am Ende.

    Bei den ganzen Vorkehrungen, die getroffen wurden, hatten wir Anwesenden im OP unendlich viel Spaß, worüber ich sogar mein armes wartendes Männle vergaß. Die Ärzte machten sich über Lehrer lustig und ich mich im Gegenzug über sie. Diese unbeschwerten Minuten waren klasse, denn sie nahmen mir meine Schwermut und die aufsteigende Angst. Dennoch waren diese Gefühle natürlich nicht weg und ließen mir kurzzeitig den Kreislauf runterfahren. „Bissle blass um die Nas, meine Liebe“, hörte ich es nur reden und zack hatte ich irgendeine Infusion drin und Sauerstoff-Tampons in der Nase. Just in diesem Moment kam auch der Chefarzt rein und mein Mann wurde dazu geholt. Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich die Stimmung zum ersten Mal, das lustige Geflachse hatte ein Ende und plötzlich waren Maultaschen zum Mittagessen Thema. Nicht so gut für mich, denn dadurch stieg wieder die Panik in mir auf. Da ich mich allerdings darauf konzentrierte, nicht sofort los zu heulen, verging die Zeit sehr schnell. Ein lauter Schrei und ich wusste, Samu ist jetzt endlich da. Nur wurde es bis auf das Geschrei meines Kindes plötzlich totenstill im Raum, keiner sprach ein Wort. Mir wurde erneut kotzübel…

  • Erlösung

    Um Gottes Willen, welche Nachricht überbringt man mir gleich. Aber die kleine Maus schreit doch zumindest, also lebt er… Schon mal gut. Samu wurde an mir vorbei getragen und mein Mann mitgenommen. Ich schaute ihm mit panikerfülltem Blick hinterher. Wieder musste ich mich zusammenreißen, um nicht laut los zu plärren. Unendlich viele Minuten vergingen, dann kam mein kleines eingepacktes Bündel zu mir auf den Arm. Anstatt den Neuankömmling zu genießen, suchte ich ihn nach allen möglichen weiteren Schäden ab, konnte aber aufgrund des Handtuchs nicht viel erkennen. Das Gesichtchen erschien mir aber sehr normal, erneut ein gutes Zeichen. Selbstverständlich fragte ich sofort bei meinem Mann nach, ob sonst alles in Ordnung sei. „Sieht schon so aus“, antwortete er mir. Klar, in so einer hektischen Situation konnte er auch nicht mehr erfragen oder erkennen. Ich war vorerst beruhigt. Da die restlichen Personen im Raum natürlich unsere Kommunikation belauschen konnten, schienen diese nun auch erleichtert zu sein. Und plötzlich dämmerte es mir: sie wussten alle nicht Bescheid. Nur der Chefarzt war informiert, hatte aber das gesamte Team im Vorfeld nicht unterrichtet, von was ich ehrlich gesagt schwer ausgegangen war, denn sonst hätte ich angekündigt, dass unser kleiner „einhändiger Bandit“ mit dem Namen Samu Rai gleich Terror schieben wird.

    Ich mache natürlich niemanden einen Vorwurf. In so einem hektischen Klinikalltag geht sicher vieles unter, nur hat mir das OP-Personal in diesem Moment echt leid getan, denn sie schienen mit der Gesamtsituation wohl überfordert. Klar, wie sagt man auch einer frischgebackenen Mutter, dass ihr Kind nicht ganz „perfekt“ zur Welt gekommen ist? Ein kleiner Satz vor dem Kaiserschnitt hätte diese Unannehmlichkeiten für alle sicherlich entschärfen können, aber gut. Vor allem der Kinderarzt war wohl kreidebleich, bis ihm mein Gatte erklärte, dass die Fehlbildung der Hand bekannt sei. Erst dann habe er wohl wieder eine normale Gesichtsfarbe annehmen können.

    Nichts desto trotz muss ich sagen, dass alle Ärzte und das gesamte Pflegepersonal im Kreißsaal absolut top waren: super nett, lustig, professionell und sehr bemüht. Frau Dr. I machte sogar Fotos im OP – zur Erinnerung an die ersten Momente – weltklasse!!! Das gesamte Team im ersten Stock der Klinik kann ich ohne Bedenken jedem wärmstens empfehlen. Anders sieht es da mit dem Pflegepersonal auf der Wöchnerinnen-Station aus… Da erlebte ich in den nächsten drei Tagen das ein oder andere, dass mich schon wieder sprachlos werden ließ…

  • Drei Tage Klinikaufenthalt und erstes Kennenlernen

    Nachdem unsere kleine Maus 10:05 Uhr geboren wurde, schob man mich und das winzige Bündel Mensch in das Zimmer, in dem ich auch auf die OP vorbereitet wurde. Mein Mann konnte trotz Corona die ganze Zeit bei uns bleiben und dafür war ich schon unendlich dankbar. Das gesamte Kreißsaal-Team war auch unglaublich lieb und kam immer mal wieder nach uns schauen und fragte, ob alles okay sei. Hätte ich gewusst, was mich sieben Stockwerke weiter oben erwartete, hätte ich es sicherlich nicht so eilig gehabt, auf mein Familienzimmer verlegt zu werden…

    Zumindest das Einzelzimmer blieb mir nicht verwehrt. Ich habe auch darauf bestanden, auf keinen Fall vorher mit einer anderen Person und einem anderen Kind zusammengelegt zu werden. Aufgrund des kursierenden Virus hätte man dies aber wahrscheinlich eh nicht bei „Einzelzimmerkandidatinnen“ vorgehabt.

    Eigentlich bin ich alles andere als kontaktscheu, aber bei meinem Großen erlebte ich in derselben Klinik etwas, was ich für mich persönlich total schrecklich fand. Frisch vom Kaiserschnitt wurde ich damals in ein Zimmer geschoben, in dem sich vier mir völlig fremde Männer, zwei Kleinkinder, die andere Mutter und ihr Baby befanden. Und nun kam ich da an mit herabhängendem OP-Hemd und einem Säugling eingewickelt in einem Handtuch, dass gern gestillt werden wollte. Ich fand es schrecklich. Man fühlte sich so ausgeliefert, denn aufstehen, um den Raum zu wechseln, war nicht möglich. Dies musste also beim zweiten Kind unbedingt verhindert werden und ich bat deshalb bereits am Vortag mit Nachdruck darum. Es wurde mir gewährt, Gott sei Dank!

    Dennoch war ich natürlich total abhängig von fremden Personen, denn mein Ehemännchen verabschiedete sich irgendwann, da Juniore No.1 und der Hundling versorgt werden mussten; schließlich wurden diese auch schon fast zehn Stunden von Oma und Opa sowie meiner Schwägerin betreut.

    Schon am ersten Abend hatten die Schwestern 20:30 Uhr eine Überraschung parat… Samu sollte dem Kinderarzt vorgestellt werden. „Bitte was???“, dachte ich mir. „Um diese Uhrzeit?“, frug ich nach. Im ersten Moment ging ich davon aus, dass dies mit der Hand zu tun haben muss, aber als ich später auch andere Frauen sah, war dies wohl eine Fehleinschätzung. Gut, nun war ich am Morgen operiert worden und eigentlich beim letzten Kaiserschnitt am selbigen Tag gerade einmal zwei Schritte gelaufen, bevor es mir den Kreislauf verspulte, aber dieses Mal musste alles anders laufen, denn mit meinem kleinen besonderen Samu geht niemand ohne mich irgendwohin.

    Als ich dies mitteilte, wurde das nicht unbedingt freudestrahlend aufgenommen. Klar, die Alte musste nun im Bademantel, mit Katheder und im Rollstuhl mitgeschleift werden und dafür benötigt man Personal, das heute in fast jeder Klinik Mangelware ist. Ich sage es sehr ungern und ich habe es bei meinem großen Sohn nie ausgespielt, weil es mir aufgrund seines Gesundheitszustandes völlig wurscht war, aber dieses Mal spielte ich mich auf, wie man es wahrscheinlich schon hin und wieder auch von Privatpatienten erwartet… Ich wurde zur Diva oder zur Löwenmama oder zur Mozilla oder zu was auch immer, aber mein Sohn geht ohne mich nirgendwo hin. Ich glaube da war ich schon das Gesprächsthema der Station und bei vielen unten durch. War mir völlig egal. Nun ja, ich setzte meinen Dickkopf durch und wurde zur Untersuchung kutschiert, schön im Schlepptau meines Sohnemannes. Angekommen bei einer Wald- und Wiesen-Kinderarztassistentin erlebte ich die nächste geile Sache…

  • Ärztin ohne Grenzen

    Die Untersuchung verlief zum Glück unauffällig und alles war, bis auf das besondere Patscherhändchen, völlig normal. Dann wurde es Zeit für meine Fragen, die ich natürlich feinsäuberlich in meiner zehnminütigen Vorbereitungszeit auf die Untersuchung notiert hatte (dubbelige Lehrerin halt).  Glucose check; Organe check; Bewegungsapparat check usw., aber dann stellte ich die Fragen aller Fragen, die mir so schnell nimmer aus dem Gedächtnis gehen werden: „Was sagen Sie zu der angelegten Daumenknospe? Sollte man diese abdecken, damit sich das Kind diese nicht wegreißt und daran verletzt?“ Die Antwort von Frau Dr. Unsensibel lautete: „Ja gut, die scheint ja so locker dran zu sein und erscheint mir auch sehr unnütz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da viel kaputt geht. Es blutet vielleicht ein bisschen.“

    Kennt ihr das, wenn man am liebsten jemanden ohrfeigen will, aber es einem die gute Erziehung verbietet? Ebenso möchte man diesen Menschen vor versammelter Mannschaft bloßstellen? „Schluck es einfach runter“, dachte ich mir. Rein emotionsfrei betrachtet, hat die gute Frau ja vielleicht sogar recht, aber klappert es eigentlich im Oberstübchen? Ich hatte gerade mein Kind am Morgen zur Welt gebracht und dieses war eben nicht wie jedes andere auf dieser Welt. War der Madame überhaupt richtig bewusst, was und vor allem, wie sie antwortete? Ist sie nur Medizinerin oder auch Mensch? Für mich gehört der winzige Daumen meines Sohnes genauso zu ihm wie jede andere Fingerknospe und ja, du Ärztin ohne Herz, diese minimalen Fingeransätze sind für eine Mama vielleicht ebenso wertvoll wie richtige Finger!!!

    Ich war so unfassbar wütend und froh, als ich mein Zimmer erreichte. Dort heulte ich das erste Mal nicht vor Schmerz, sondern vor lauter Wut. Wie unsensibel können Menschen eigentlich sein? Mir ging nur durch den Kopf, dass ich ganz schnell heim wollte zu meiner Familie. Naja, die Negativereignisse ebbten damit aber noch nicht ab…

  • Good morning in the morning – neue Eskapaden im Spital

    Am nächsten Morgen, gleiches Spiel, die nächste Untersuchung. ABER WARUM??? Denn nicht einmal 12h vorher waren wir doch gerade erst beim Arzt. Eine Erklärung wäre sinnvoll gewesen, blieb aber aus. Und wieder hieß es: Nicht ohne meine Mutter 😉. Und täglich grüßt das Murmeltier: Die dumme Eule aus Zimmer 44 muss mitgeschoben werden!

    Im sogenannten „Kinderzimmer“ erlebte ich dann etwas, was ich auch nicht für möglich gehalten hätte, aber die jungen Schwestern heutzutage sind wahrscheinlich immer für Überraschungen gut. Gescheite Lehrlinge in der Pflege zu finden, ist mit Sicherheit nicht einfach, aber das war wieder der Knaller… Obwohl eine dunkelhaarige, große, aus dem Ostblock stammende junge Dame (nicht negativ gemeint, bin schließlich selbst von drüben) wirklich sehr engagiert und zuverlässig war, aber ihre Kolleginnen… Um Gottes Willen…

    Das Kinderzimmer, wie es die Schwestern nannten, besteht aus mehreren angrenzenden kleinen Räumen, die über Glasfenster verfügen und damit Einsicht in die angrenzenden Zimmer bieten, weshalb ich die jungen Damen leider bei allen Aktivitäten beobachten konnte. Anstatt sich um die Mütter und ihre Säuglinge zu kümmern, hockten sich die Grazien lieber gegenseitig auf dem Schoß oder knipsten Selfies von sich mit ihren Handys. Gesprächsthema waren dabei ihre Bewertungsgespräche, die wohl zeitnah anstanden (sorry Mädels, die meisten von euch wären bei mir gnadenlos durchgefallen). Währenddessen lästerte man noch über die verschiedenen Mütter oder steckte die Köpfe zusammen und schaute in Richtung Samu. Eine dieser unfassbar klugen Gören brachte es sogar fertig, meinem Kind das Fieberthermometer in den Popes zu schieben, obwohl dieser noch voll mit Kot war. Als eine andere der wasserstoffperoxidverbleichten Dummbratzen Samu beim Ankleiden tanzen ließ und meinte, er sei doch aber so niedlich, stand für mich eins fest: Ganz ganz schnell auf die Beine kommen und bloß raus hier. Auch hier war ich wieder so perplex, dass ich der Sprachfähigkeit beraubt war und das als Germanistin und offiziell anerkanntem Krawallbiber.

    Wenigstens war bei der Untersuchung ein mir sehr geläufiges und professionelles Gesicht anwesend. Frau Dr. M war bei meinem Großen super und auch dieses Mal gab es absolut nichts zu meckern. Dennoch wackelte ich ab dem zweiten Tag auf und ab durch mein Zimmer, um bloß schnell die Flucht ergreifen zu können. Dies gelang mir tatsächlich auch relativ zeitnah. Am Donnerstag kam Samu zur Welt und am Sonntag verließ ich schnurstracks die Klinik, obwohl mir für den Montag noch ein Gespräch mit der Handchirurgin im Haus in Aussicht gestellt wurde – war mir völlig egal, dann komme ich eben noch einmal und lasse auch den Coronatest über mich ergehen, aber ich wollte heim und zwar sofort.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir vier Dinge in der Klinik meinen Aufenthalt und meine Kennenlernphase mit meinem Sohn „verhagelt“ haben: Die Kinderärztin am Abend der Entbindung, die Schwesternschülerinnen (außer Mrs. Ostblock; sollte sie das je lesen, hoffe ich, dass sie das keinesfalls negativ aufnimmt), ständige Neugier von allen Seiten und der Spruch: „Darf ich das mal sehen“ und das 24h schreiende Baby im Nachbarzimmer. Dass ich mein „Spezialessen“ als Privatpatientin erst am Samstag erhielt, war dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Obwohl ich jetzt viel geschimpft habe, möchte ich dennoch auch Positives hervorheben, denn zu Yin gehört schließlich auch Yang… Das Gyn-Team war toll, ebenso zwei Nachtschwestern (Frau „Füchsle“, Namen nur leicht verändert, und Frau „Ossi“, sie verzeiht mir den Kosenamen hoffentlich ebenfalls, immerhin bin ich auch eine Schwester des ehemaligen Ostens) sowie mein Ausblick auf die Großbaustelle (und das meine ich keinesfalls ironisch). Natürlich last but not least erhellte mein Kind den Krankenhausaufenthalt. Das unfassbar niedliche Wesen auf meinem Arm, die Nähe zu ihm und unsere Zweisamkeit ließen vielen Ärger vergessen. Nach der Abschlussuntersuchung des Kinderarztes „Dr. Hart, aber herzlich“ ging es nach weiterer sechststündiger Wartezeit auf einen noch ausstehenden Gynäkologen-Entlass-Termin auf eigenen Wunsch nach Hause; sprich die Lorenz hat sich selbst entlassen (natürlich nicht ohne nen Affentanz am Ende zu veranstalten) und erhielt ihren Entlassbrief Tage später nach Hause – völlig Wurscht, schnell weg mit meinem kleinen Samu Rai.

  • Samu kommt nach Hause – Wie werden wohl alle reagieren?

    Am allermeisten freute ich mich zuhause auf meinen Mann, meinen Großen und meinen Hund. Klar, der Stress ist zwar damit auch vorprogrammiert, aber ich vermisste alle so wahnsinnig. Am meisten war ich darauf gespannt, wie mein Erstgeborener auf seinen schon vorher heiß geliebten „Brudi“ reagieren würde. War er vielleicht doch nicht so begeistert? Wird er eifersüchtig sein? Was wird er zum Händchen sagen? Und wie wird Mama begrüßt, die ja nun insgesamt doch vier Tage weg war.

    Dass mein Hund den Kleinen einmal abschleckt , „Meins“ sagt und ihn wie seinen eigenen Welpen akzeptiert und sich zukünftig unter den Stubenwagen/ das Bettchen etc. legen wird, war mir fast klar, aber mit der Reaktion meines Sohnes hätte ich nicht gerechnet…

    Er stürmte ins Haus (kam von meinen Schwiegereltern), fragte nur wo sein Brudi sei und wiederholte dann ständig, wie süß er wäre. Mamasehnsucht??? Totale Fehlanzeige ☹!

    Was die Hand anbelangt, sind Kinder so unbefangen und akzeptieren einfach jeden Menschen, so wie er ist. Da sollten wir Erwachsenen uns mal ne ganz dicke, fette Scheibe von abschneiden. Er kommentierte die kleine Besonderheit seines Brudis nur mit: „Oh, der Brudi hat nur eine Hand“. Später fügte er hinzu, dass man ja den Verband (Stulpen des Bodys) wegmachen könne und dann wachse die Hand schon wieder nach. Natürlich hat er als Zweijähriger realisiert, dass sein Geschwisterchen anders ist, aber das ist ihm sowas von egal, dass es mich manchmal zu Tränen rührt. Er liebt ihn einfach gänzlich, wie er ist und das ist so unfassbar toll.

    Was die Erwachsenen anbelangt, hatte ich das Gefühl, dass es Unterschiede zum Erstgeborenen gab. Meine Schwiegereltern verhielten sich wie immer und besuchten den kleinen neuen Erdenbürger sofort nach seiner Ankunft. Auch meine Eltern richteten es so schnell wie möglich ein, uns einen Besuch abzustatten, wobei mein Papa im Umgang mit Samu etwas ängstlich wirkte. Ich erinnere mich allerdings nicht, ob das vor zwei Jahren ähnlich war…

    Andere enge Familienmitglieder hingegen (bis auf meine Schwester und einen meiner Schwager) hielten es plötzlich nicht mehr für nötig, zu gratulieren; weder persönlich noch via Karte. Ich weiß nun natürlich nicht, ob das an dem Händchen unserer Maus liegt oder ob sich das Verhalten allgemein beim Zweiten verändert. Mich hat es auf jeden Fall schwer getroffen, dass es einige aus der Familie nicht für notwendig erachteten, den kleinen Mann zu begrüßen, wie sie es bei Lian auch getan hatten.

    Aber auch hier gab es natürlich viele liebe und tolle Lichtblicke… Meine Freunde, die Tante meines Mannes sowie mein Cousin mit Freundin und meine Cousine, meine Großtante, meine Schulleitung + Sekretariat + Hausmeister (ich hoffe ich habe niemanden vergessen) und meine Lieblingskollegen hießen Samu Rai auf dieser Welt ganz herzlich willkommen.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang auch ein paar Zeilen einer Kollegin, Mathematikerin, wiedergeben, die sehr spirituell sind und mich wirklich sehr berührten (ob man daran glaubt, muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden):

    „Liebe Sue, die 21 steht für die göttliche Fülle. 3 (Einigkeit) = Gott/Himmel; 4 (Himmelsrichtungen) = Erde; 3+4 =7 steht für die Verbindung von Himmel und Erde = die Fülle; 3*7= 21 himmlische/göttliche Fülle. Und diese noch doppelt von allen Seiten. Die 1 in der Mitte steht übrigens für die Einheit und Kreativität. Was willst du mehr für euren Schatz?“

    Weiter schrieb sie…

    „Die mystische Bedeutung der Zahl 1: In den Augen der Pythagoreer symbolisierte die Zahl 1 die Einheit an sich, den allen Dingen innewohnenden göttlichen Geist. Sie war die aktive Essenz – verglichen mit dem passiven Prinzip, das sich in der 2 manifestierte. Da die 1 alle übrigen Zahlen erzeugt, bildet sie den Anfang der Zahlenreihe und ist in allen Zahlen erhalten. Jeder mit 1 multiplizierte Zahlenwert bleibt unverändert. Für die Pythagoreer war sie daher gleichermaßen keine wie auch jede Zahl.“

    Auch Nachbarn spickelten ja nun bei unseren Spaziergängen in den Kinderwagen. Da es nun noch Winter war und wir Samu Handschuhe über die Hände zogen, nicht um etwas zu verstecken, sondern um ihn warm zu halten, konnte niemand seine fehlende Hand bemerken. In diesen Small-Talk-Gesprächen tauscht man sich ja nun kurz aus: „Ja, Corona… schwierige Zeit“, „…wieder ein Bub, ach schön…“ und so weiter… und dann gibt es diesen einen entscheidenden Satz: „Naja, völlig egal, Hauptsache gesund.“ Ja, und da stehe ich nun. Ehrlich gesagt, weiß ich bis heute noch nicht genau, welche Antwort hier die beste wäre. Denn Samu ist ja gesund. Zumindest 90%. Oder doch weniger oder mehr??? Schließlich gibt es viel härtere Schicksale. Es ist dennoch sehr schwierig für mich, mit dieser Anmerkung umzugehen. Auch Freunde erwähnten in letzter Zeit immer, dass man ja dankbar sein müsse, schließlich hätten wir gesunde Kinder zur Welt gebracht.  Manchmal möchte ich dann am liebsten laut schreien: „Ja, ihr vielleicht!!!“. Ich weiß nicht, ob das meiner Maus gegenüber nicht fair ist, aber Fakt ist ja auch, dass eine Einschränkung vorliegt. Und wie ich insbesondere zukünftig mit dieser und den Kommentaren dazu umgehe, werde ich definitiv noch lernen müssen. Ein dickes Fell muss man sich wahrscheinlich zulegen, was die Außenwelt anbelangt, und manchmal wohl eben auch im Hinblick auf die eigene Familie – Erfahrungsberichte folgen auf jeden Fall.

  • Wenn aus verliebt sein Liebe wird

    Immer wieder wird man als Mama darauf angesprochen, wie es denn nun mit dem Nachwuchs so sei. Man wolle ihn sicherlich den ganzen Tag nur knuddeln und lieb haben… Achtung, jetzt kommt etwas Schockierendes und wer Wahrheiten nicht verträgt, sollte lieber wieder das Weichspülprogramm einiger TV-Sender einstellen und aufhören zu lesen…

    Ich möchte hiermit allen Frauen Mut machen, die nicht von Sekunde Eins die engsten und innigsten Gefühle zu ihrem Neugeborenen verspürt haben, so als hätte man quasi einen Teil von sich nach außen katapultiert. Es gibt sogar Frauen in meinem Bekanntenkreis, die solche Depressionen erfuhren, dass sie ihr Baby tagelang nicht richtig stillen und im Arm halten konnten. Ja, liebe Stillmafia, das gibt es und wir wollen deswegen niemanden verurteilen, denn der Hormoncocktail wirkt halt bei jedem etwas anders. Außerdem wage ich auch zu bezweifeln, dass die von mir innigst geliebten Übermamas ihr Neugeborenes, das in einem Krankenhaus zur Welt kam (in einem Geburtshaus oder zuhause mag das in der Tat ein Unterschied sein), ihr Baby in einem Raum mit hundert anderen Schreihälsen (wahllos ausgewählte fiktive Annahme) auf Anhieb erkennen würden. 

    Wie war das nun also bei Samu und mir? Wie ich ja bereits schon berichtete, als es um meine Schwangerschaft ging, würde ich jeden töten, der meinem Baby irgendetwas Schlechtes antun will – einfach aus Prinzip, macht man halt so. Dennoch muss ich gestehen, dass ich einige Tage brauchte, bis ich auch Samu völlig in die tiefsten Kammern meines Herzens hineinließ. Dies hatte überhaupt nichts damit zu tun, dass sein Händchen fehlte. Klar, ich war bei der Geburt überhaupt nicht so tiefenentspannt, wie bei seinem Bruder und war voller Sorge, ob sonst alles in Ordnung sei, aber auch beim felligen und menschlichen Bruder brauchte das seine Zeit. Ich würde diese Phase tatsächlich als Verliebtsein bezeichnen, die sich Tag für Tag in Liebe verwandelte. Und zugegeben, auch das Verliebtsein entwickelte sich bei mir erst in den Stunden nach der Geburt. Zum einen war ich halt voller Sorge und Anspannung, zum anderen lädt der OP-Tisch nicht zur molligen Candle-Light Atmosphäre ein. Prinzipiell bin ich auch nicht der Typ, der an Liebe auf den ersten Blick glaubt. Wie sage ich so schön: „Lauf doch noch einmal vorbei, dann vielleicht!“. Genauso war es bei allen meinen Jungs: Papa, Hundling (Reihenfolge der Geburten muss hierbei tunlichst eingehalten werden), Wipu 1 und little John.

    Jede Stunde, die ich intensiv mit meinem kleinen Samu verbrachte (manchmal nannte ich ihn auch noch Bettinerich; war ich ja schließlich so gewöhnt), liebte ich ihn mehr. Da durch Corona unsere Kennenlernphase nur durch Klinikpersonal gestört wurde, konnten wir ausführlich kuscheln, knutschen, Geheimnisse erzählen, nackte Haut aufeinander reiben, lachen und uns einfach lieb haben. Und ja, beim Verlassen des Krankenhauses hätte ich meinen Samu unter hundert weiteren Babys erkannt, denn aus Verliebtsein ist Liebe geworden.

  • Immer wieder sonntags

    Immer wieder kommt es mittlerweile vor, dass es Leser gibt, die mich fragen, ob es mir an gewissen Tagen, an denen ich Blogbeiträge veröffentliche, gut gehe, denn die Artikel wirkten so traurig. Gut, zugegeben, ich schreibe leider nicht über meine misslungene Welpenfrüherziehung oder wie wird man Ehemann gehorsam in 50 Tagen, sondern leider ist mein Thema doch etwas anders. Nichtsdestotrotz hoffe ich natürlich, dass ich euch hier alle nicht nur zum Weinen, sondern auch hin und wieder zum Lachen bringe. Hinsichtlich der Dinge, die ich schreibe, kann ich euch sagen, dass diese tatsächlich nicht erst jetzt in meinen Computer getippt werden, (quasi rückblickend betrachtet). Ihr traut mir viel zu, herzlichen Dank, aber das hätte ich mit meiner sich erst langsam ausschleichenden Schwangerschafts- und Stilldemenz niemals bewältigen können.

    Wie ich ja bereits mitgeteilt habe, konnte ich den sehr großen Schmerz nur durch das Schreiben bewältigen. Das war und ist meine persönliche Therapie damit umzugehen. Aufgrund dessen sind natürlich auch die Beiträge zur Schwangerschaft oder zur Geburt unmittelbar in dieser Zeit entstanden. Aktuell, heute ist der 1.Juni 2021, handhabe ich dies genauso. Mir fällt eine Überschrift ein und ich notiere sie sofort in mein Handy. In den nächsten Tagen muss ich dazu dann auch den Artikel verfassen, damit der Beitrag auch „echt“ wirkt, suejanisch eben (ich hoffe ihr versteht mich). Denn ist die Emotion, die Wut, der Ärger, die Angst oder auch das Glück und die Freude einmal verflogen, ist es für mich äußerst schwierig, mich wieder in das Erlebte hineinzufühlen.

    Das bedeutet also, ich hatte insgesamt ein wenig Vorlauf das Erlebte in meinen Seelentröster, den Computer, zu tippeln. Mittlerweile merke ich allerdings, wie mich die Zeit langsam einholt und ich immer weniger Geschriebenes bereits formuliert habe. Vor allem in den letzten vier Monaten war es mit dem kleinen Milchvampir und meiner lustigen Nervensäge im Lockdown nicht immer leicht, meinen schriftstellerischen Drang nachzugehen. Ich muss ehrlich zu euch sein: Ja, ich war manchmal lieber schon halb acht am Abend mit den Kindern im Bett, als die Nächte am Computer zu verbringen. Ich denke aber, dass mich insbesondere die Leserinnen und Leser mit Kindern gut verstehen können…

    Um nun nicht aus der Puste zu geraten und mich nebenbei auch noch ein wenig um andere Lebensträume kümmern zu können, möchte ich euch hiermit mitteilen, dass zukünftig meine Ausführungen zu meinem Seelen- und Alltagsleben, aber natürlich auch spannende Geschichten rund um Samus Entwicklung, immer sonntags zur gewohnten Sendezeit erscheinen werden. Somit haben auch Neueinsteiger noch die Möglichkeit den Blog gänzlich zu lesen und ich kann etwas durchschnaufen. Ich habe zwar noch einiges im petto, aber irgendwann droht der Sue ja auch wieder der Arbeitsalltag… Damit ihr nicht allzu traurig seid, werde ich versuchen, immer mittwochs ein Bild, ein Zitat, ein Foto etc. einzustellen.

    Liebe Ellen, an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für deinen Websitensupport!!!

  • Aus Samu Rai wird Samu Schrei

    Im Krankenhaus noch hatte ich die völlige Illusion, dass Samu genauso entspannt sein wird, wie sein Bruder – typischer Fall von denkste…

    Bereits in der Klinik machte ich mich innerlich wieder einmal lustig über die Frauen, die ihre Babys und Kinder nicht im Griff hatten. Gefühlte 24h schrie das Balg im Nachbarzimmer und ließ mich mit meinem Mausebär einfach nicht zur Ruhe kommen. Dabei war mein Samu sooo ein friedliches, liebes Kind: Lächelte den ganzen Tag, schlief, nuckelte zufrieden am Busen und gab nur selten Töne des Unwohlseins von sich. Was soll ich sagen und ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber immer, wenn ich mich in irgendeiner Form über jemanden lustig mache (dabei reicht denken aus), bekomme ich es wie einen Boomerang zurückgesandt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Universum, der liebe Gott, oder wer auch immer, es ausschließlich darauf abgesehen haben, mich zu beobachten und abzustrafen für fieses Gedankengut.

    Die ersten Tage war der junge Mann noch einigermaßen friedlich. Klar, viele neue Eindrücke machen müde: Brudi, neue Umgebung, Hund und Papa (Reihenfolge wurde bewusst gewählt). Aber schon kurze Zeit später erklangen die Hits des neusten Schreis im ganzen Haus und somit die Suche nach der Ursache. Hat er Hunger? Will er schlafen? Hat er einen Wachstumsschub (für Eltern kann ich hierbei das Buch: „Oje ich wachse“ empfehlen)? Ist sein Bruder zu laut? Halten wir ihn falsch? Hat er Bauchschmerzen? Oder was zur Hölle ist los mit unserem Kind?

    Besonders am Abend lief unser Neuankömmling zur Höchstform auf und seine Laune steigerte sich ins Unermessliche. Es begann schleichend mit einem nervösen Wimmern ab halb sechs und endete oft mit schrillen, quietschenden Tönen in der allerbesten Frequenz. Wir waren verzweifelt. Ich fühlte mich wie im Kriegseinsatz und folgendes Szenario verschwamm zwischen Realität und Fiktion: Ich werde gefoltert, indem man mir den Schlaf um ein Vielfaches kürzt. Bei jedem noch so kleinen Versuch des Wegdämmerns hält man mir dann ein Megafon ans Ohr und schreit: „Ich bin wieder da!“. Grausam, kann ich nur sagen. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein KIND, mein Kind, an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringen könnte. Wie bitteschön halten das denn Eltern aus, deren kleine Stinktiere einige Stunden mehr „Drei Tage wach“ trällern?

    Samu hat einen Namensvetter, der dies in Perfektion drauf hatte. Zugegeben man diagnostizierte nach geraumer Zeit eine Lactoseintoleranz, der kleine Mann quälte sich also richtig schlimm, aber wie hält man das denn als Eltern bitte aus? Oder als Mama? Denn der liebe Ehemann verpieselte sich natürlich auch hier gern den meisten Tag zur Arbeit. Chapeau, meine liebe Sarah, ich ziehe nach wie vor absolut meinen Hut vor dir, dass du noch geradeaus laufen kannst! Ich für meinen Teil war schon mit vier Stunden täglich mehr als bedient und war froh, wenn meine Hebamme an der Tür klingelte, damit ich sie wieder mit nervigen Fragen bombardieren konnte…

  • Hebammen – oder auch die Suche nach dem Heiligen Gral

    Bei unserem ersten Kind wusste ich ja Dank meines wunderbaren Endokrinologen sehr früh, dass ich schwanger war (ha ha). Als ich damals die Nachricht für mich verdaut hatte und jeder mich beschwor, ich solle mich auf die aussichtsreiche Suche nach einer Hebamme machen, war ich bereits in der 13.SSW. Voller Zuversicht rief ich damals die ersten Damen an. „Was??? Sie sind schon in der 13.SSW? Nee, also da haben wir selbstverständlich nichts mehr frei im September!“. Na galaktisch! Sue bekommt ein Kind und keiner will dann hin. Was läuft denn eigentlich falsch in diesem Land? Ich hatte mal gelesen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt bis zur zwölften Woche schon nicht ganz unwahrscheinlich sei und jetzt erzählte mir jede Hebamme am Telefon ich sei zu spät dran?

    Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik verstand ich dann letztendlich auch warum. Die Aussicht auf Dauerstress, hohe Versicherungen, wenig Urlaub und die Gefahr immer mit einem Bein im Knast zu stehen, sind nicht die besten Voraussetzungen, um sich selbstständig zu machen. Nach dreißig Telefonaten oder mehr, beschloss ich für mich die Suche einzustellen und das Thema mit „aussichtlos“ zu beenden. Ich fühlte mich am Ende erschöpft und ausgelaugt, als wäre ich auf der Suche nach dem Heiligen Gral gewesen. „Egal, wir wuppen das auch ohne Hebamme! Gott sei Dank ist meine Schwiegermutter gelernte Krankenschwester und eine Kinderärztin wohnt im größten Notfall auch in der Straße“, dachte ich mir.

    Dennoch bemühte ich mich frühzeitig wenigstens eine Zusage für einen Vorbereitungskurs zu ergattern. Was ich da erlebte, war auch wieder spektakulär.

    Kennt ihr das auch, wenn euch Personen von der ersten Sekunde, auch was rede ich, Millisekunde an, unsympathisch sind? Frau B gehörte definitiv dazu. Auch hatte ich mir so einen Kurs gänzlich anders vorgestellt. Ok, Sport ist unter normalen Umständen kein Mord und dient der Gesunderhaltung, in der Schwangerschaft aber schon. Man schnauft wie eine Dampflock bei jedem Spaziergang den Berg hinauf oder hechelt die Treppen empor. Und nun soll man dies auch noch in einem Raum mit zehn anderen Dickhäutern tun? Naja, wenigstens war man unter Seinesgleichen. Dennoch war ich der Meinung, dass dies für mich Zeitverschwendung ist, denn meinen fetten Ar… kann ich schließlich auch zuhause kreisen lassen. Immerhin waren die anderen Teilnehmerinnen nett, sonst hätte ich den Unfug sofort abgebrochen, der nach der sportlichen Betätigung weitere Höhepunkte bereit hielt.

    So sollten wir nun sanft den Rücken unserer Nachbarin streicheln und sie anschließend massieren. Weltklasse! Lecker schweißige Streicheleinheiten bei 36 Grad im August, mhhhh! Aber gut, was tut man nicht alles im Gruppenzwang… Hin und wieder lernten wir dann etwas darüber, weshalb zumindest ich gekommen war, die Atmung unter der Geburt. Die anschauliche Darstellung dieser, seitens der Hebamme, in Anwesenheit aller Männer werde ich nie vergessen; mein Mann wohl auch nicht. Ehrlich gesagt dachte ich, dass Frau B entweder in Filmen für Erwachsene nebenberuflich mitspielt oder eindeutig zuviel geraucht hat, aber gut…

    Was mich am meisten aufregte, war ihre Vorurteile gegenüber Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden und/oder danach nicht stillen. Zu Ersteren gehörte ich aufgrund meiner gesundheitlichen Vorgeschichte schon einmal. Dass ich auch nur wenige Wochen stillen konnte, wusste ich zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht, hätte mir aber wahrscheinlich bei Frau B den Preis für das schlimmste Muttertier aller Zeiten beschert.

    Was soll ich sagen? Meinem Großen geht es gut, er lebt noch und wuchs auch so auf. Einen Kurs für die Nachstellung der natürlichen Geburt bei Frau B habe ich bis jetzt auch noch nicht in Betracht ziehen müssen, denn mein Zweijähriger hat eine ganz hervoragende Bindung zu seiner Mutter und kann quasi als kleine Kopie meinerseits gelten. Ich stelle mir gerade vor, welches Selbstbewusstsein er erst entfacht, sollte mir doch irgendwann ein Furz quer sitzen und ich die Geburt nachstellen wollen – Oh, mein Gott!!!

    Letztendlich war ich nach dieser Erfahrung froh, dass die Suche nach dem Heiligen Gral bei dieser Schwangerschaft erfolglos blieb, denn auch Frau B stand in der 13.SSW auf meiner Anrufliste…

  • Samus Hebamme – der rettende Anker

    Ich hätte nie gedacht, dass ich das in meinem Leben noch einmal sagen würde, aber ich war wirklich froh, eine Hebamme bei Samu gehabt zu haben. Bei meiner zweiten Schwangerschaft wusste ich ja dieses Mal rechtzeitig, nämlich in der dritten Woche, dass da wieder ein kleiner Wurm in mir heranwächst. Ich hatte also genügend Zeit, mir zu überlegen, ob ich eine Hebamme wollte oder eben nicht. Fast wäre das schief gegangen, denn mein Verstand sagte mir: „Brauchst du nicht, hat doch auch beim ersten Baby alles reibungslos und problemfrei geklappt!“. Da mich aber von Beginn an dieses negative Gefühl plagte, wollte ich lieber nichts dem Zufall überlassen und verließ mich auf meinen Bauch. Sollte ich ja schließlich endlich begriffen haben, dass dies immer die bessere Wahl in meinem Leben ist…

    Stundenlang, und das meine ich wirklich ernst, schaute ich mir bei Google an, welche Hebammen in meiner Nähe angezeigt werden. Rational kann ich das wieder nicht begründen, aber immer wieder zog es mich zu NB hin. Wie ein Pendel, das immer wieder an derselben Position stehenbleibt. Ich rief also irgendwann dort an, ich denke, das dürfte so in der achten Woche gewesen sein. NB ging ran und ich wusste von der ersten Sekunde an, dass ich mit ihr ganz wunderbar zurechtkommen würde. Absolut genau mein Typ: direkt, forsch, ohne großes Bla Bla, sondern gleich zur Sache Schätzchen.

    „Naja, Januar ist aber schlecht! Da bin ich immer einen Monat im Urlaub. Mh, kriegen wir aber sicher mit meiner Tochter hin. Die vertritt mich, sollte ich noch nicht wieder da sein. Aber am 15.Januar bin ich zurück, am 13ten hast du ja ET. Musst du halt klemmen.“ Sowas Geiles, so ein Spruch hätte doch glatt von mir sein können… Und ja, liebe NB, ich habe geklemmt, ganze acht Tage (lol), aber aus NB wurde IB, deine Tochter, die schlussendlich zu mir kam. Sie war mir aber natürlich genauso recht und vom gleichen Schlag.

    Ich habe übrigens im Nachhinein den allergrößten Respekt vor Hebammen. Die Armen müssen bei Wind und Wetter raus, es interessiert nicht, ob Wochenende, Feiertag, Weihnachten, Ostern, der eigene Hochzeitstag oder der Geburtstag der Kinder gefeiert wird (der Ehemann kommt auch mal allein klar, ist ja schon groß 😉), nein, sie müssen immer 24/7 ansprechbar sein.

    Ganz sicher bin ich zwar nicht, aber ich meine, dass IB das erste Mal an einem Sonntag zu uns kommen musste. Es war kalt, arschglatt und hatte geschneit. Am ersten Tag war ich noch nicht so gut vorbereitet, aber die kommenden Male stellte ich gefühlt eine Million Fragen, die ich lehrertypisch auf irgendeinen Fresszettel gekritzelt hatte. „Das ist voll typisch für deine Berufsgruppe!“, bekam ich da nur zu hören. Insgesamt sei es ihr aber so lieber, als wenn dann die Fragerei übers Handy losginge. Ja, das wollte ich der Guten, ebenfalls Mutter von zwei jüngeren Kindern, nun wirklich nicht auch noch antun. Ich musste sie einmal am Abend kontaktieren, da ich nicht wusste, ob Samu in die Klinik muss (Beitrag folgt) und einmal hatte ich tatsächlich die Zeit vergessen und es war bereits halb zehn am Abend. Bei frisch gebackenen Müttern verschwimmen irgendwann Tages- und Nachtzeiten, aber ansonsten versuchte ich, nicht über Gebühr zu nerven (Für die Abende und Nächte hatte ich meine gute Freundin Diana mit ihren drei Jungs als Ersatzhebamme fest gebucht). Dafür schoss es aus mir heraus wie aus einem Maschinengewehr, wenn sie zugegen war und ich bekam auf alles eine hoch kompetente Antwort, ohne dieses ganze Hebammenschischi drum herum, von dem ich ja bereits berichtete.

    Die ersten Tage war es wirklich alles andere als leicht… Mein Baby schrie, mir spannte der Mops, mit dem Stillen lief es alles andere als gut und mein Mann war zu Beginn ungelogen jeden Tag in der Apotheke: Waage holen, Mercurialis Salbe besorgen, Sap Simplex kaufen usw.. „Dafür sind die Männer da, lass ihn laufen!“, kommentierte IB das nur. Recht hat sie! Denn schließlich haben wir genug auszustehen, sobald Nachwuchs ins Haus steht. Fett werden wir, die Beckenbodenmuskulatur ist erst einmal im Arsch, Schwangerschaftsstreifen zieren ggf. den Körper, Muttimöpse erhält man durchs Stillen, 24/7 sind wir gefragt und was ist mit unseren Göttergatten??? Sie werden von Tag zu Tag attraktiver und interessanter im Alter, während wir uns dem Schicksal ergeben, zukünftig Kleidung im Schrank in die Kategorie „passt nie wieder“ zu sortieren und von Faltencreme abhängig werden – also nein, ich hatte gar kein Mitleid, als mein Mann klare Ansagen erhielt, was er alles zu tun habe.

    Obwohl ich IB immer als super relaxte und kompetente Hebamme empfand, gab es eine Situation, bei der ich sofort wusste, dass es ernster war. Ich meine es war am dritten Tag nach meinem Milcheinschuss, als ich extrem harte Knötchen in der Brust spürte, beziehungsweise in meinen Wassermelonen. Unter normalen Umständen kann man meine Brust schon nicht mehr mit Äpfelchen oder so vergleichen, nein Galiamelone sicherlich ohnehin schon, aber an diesem Tag fühlte ich mich wie Lolo Ferrari. IB tastete und schaute ernst. „Oh,Oh“, dachte ich mir, „gar nicht gut, wenn sie schon so schaut!“. „Sue, du machst jetzt Folgendes: Du nimmst jetzt sofort eine Ibu und gibst deine Kinder zur Oma. Danach gehst du extrem heiß duschen. Dabei versuchst du so viel auszustreichen, wie du kannst. Anschließend genehmigst du dir einen Prosecco. Ich komme am Abend noch einmal.“. „Habe ich gerade Prosecco gehört???“, schoss es mir durch den Kopf. „WELLNESS, klasse Sache!“, dachte ich mir, aber da hatte ich mich getäuscht, denn der Prosecco schmeckte, doch die Wassermelonen ließen sich ganz und gar nicht einfach ausstreichen und der Schmerz nahm zu….

  • Wissenschaft Stillen

    Ganz ehrlich, eigentlich ist das doch ne riesen Schweinerei, dass einem niemand vor der ersten Schwangerschaft mal die ganzen AGB’s unter die Nase hält. Das macht doch die Generation über uns mit Absicht, damit die Menschheit nicht ausstirbt oder ist die Vergesslichkeit da schon ein so großes Thema?

    Hätte ich auf jeden Fall die Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Vorfeld gekannt, wüsste ich nicht, ob ich so naiv an die Sache des Kinderkriegens herangegangen wäre. Vor allem den Absatz, der sich mit der Thematik „Stillen“ beschäftigt, hätte ich wohl genauer studieren sollen…

    Da ich bei meinem Großen nach acht Wochen bereits wieder arbeitete, war ich ganz froh, als nach zwei Monaten das Thema gegessen war und wir einfach nur noch Premilch fütterten. Bevor mich die Stillmafia allerdings wieder killen will, lasst euch bitte gesagt sein, dass ich willig war, aber mein Kind nach tagelanger Trockenheit im Krankenhaus keine Brust mehr sehen konnte. Erst als die schockierte Ärztin nach drei Tagen anordnete, ich solle SOFORT zufüttern, wurde er endlich glücklich. Und nein, ich hatte auch keinen einzigen Tropfen, von wegen Kolostrum und so… ich war trocken wie die Wüste Gobi (ich berichtete glaub schon darüber). Also pumpte ich beim ersten Mal fleißig ab. Es lief und lief und lief, bis zu dem Tag, als mir die ganze Beschriftung im Kühlschrank außer Kontrolle geriet. Ich schüttete alles weg, aus Angst mein Kind könnte sterben, aufgrund meiner viertagealten Muttermilch – totaler Blödsinn, aber ich war Erstlingsmama (also den Felligen raus gerechnet) und hatte kein Stilllexikon alias Geburtsvorbereiterin, die ich nerven konnte. IB sagte bei Samu einen Satz, der mich wochenlang nicht losließ: „Was du verschiet, das versiegt!“. Gut, mich hatte also beim ersten Kind der Hebammenfluch getroffen. Jetzt konnte ja nur noch alles besser werden…

    Samu kam auf die Welt und es lief alles ganz wunderbar. Blöd ist die Sue ja nicht, manchmal würde ich mich sogar als Oberhauptfuchs bezeichnen, und so schleuste ich schon ins Krankenhaus Spritzen und Pre-Nahrung ein. Denn eins sollte auf gar keinen Fall wieder passieren, dass mein Kind die Brust verweigert. Nun konnte Samu schon nicht auf natürlichem Wege geboren werden, also MUSSTE es zwingend mit der Stillerei funktionieren.

    Plan A funktionierte schon einmal ganz hervorragend. Mein Kind wurde kein Brustverweigerer wie sein Bruder. Ganz im Gegenteil, er beruhigte sich nur, wenn ich ihn anlegte. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten klappte es auch ziemlich gut. Anfängliche Schwierigkeiten klingt dabei so easypisi. N alter Scheiß sag‘ ich euch. Ich hatte höllische Schmerzen. Für die Männerwelt: Lasst euch mal von eurer Frau 16h am Tag (vielleicht auch besser von mehreren) die Brustwarze nuckeln. Ja, dann werdet ihr ein Gefühl dafür bekommen, was wir da aushalten müssen. Scheiß auf Hormone, die konnten gar nicht in so großem Maße einschießen, wie das weh tat. Auch mein Milchstau war ja mittels Prosecco und bissi ausstreichen nicht zu beheben. Nein, ein Massagegerät aus den 70ern musste erhalten (anbei als Beitragsbild). Sah aus wie eine überdimensionale Haarbürste und damit musste ich mir jetzt schön, mindestens 5X täglich, nach der ganzen Stillerei den Mops beim Abpumpen massieren – schöner Scheiß. Zusätzlich war ich abhängig von Drogen wie: Stillhütchen, Mercarialissalbe, der Medela Pumpe und Stilleinlagen.

    Nach geraumer Zeit, als es endlich funktionierte, kam ich mir vor wie eine Tropfsteinhöhle, denn so viel konnte der junge Mann gar nicht saufen, wie Milchkuh Lisbeth produzierte. Ich stillte, ich pumpte ab, ich massierte. Dass ich dafür nicht den Preis „Mutti des Jahres“ erhielt, ist mir bis heute rätselhaft (ach nein, so geht es ja vielen Frauen…). Ich beneide die Muttis, die ihr Kind am ersten Tag anlegen und es nach eigenen Aussagen keine Probleme bis zum zweiten Lebensjahr gibt. Möge euch der Stillteufel holen (Spaß!).

    Zwei weitere Faktoren, die mich wahnsinnig stressten waren: die Wortfindungsstörungen und die Ernährung. Das Erste wäre mir vermutlich so oder so nicht erspart geblieben, aber der Verzicht auf gewisse Lebensmittel war Folter. Ja, ich höre die Stillmafia schon wieder sagen: „So ein Quatsch. Man braucht auf nix verzichten. Ich habe alles gegessen“. Schön für euch, aber wir haben sofort gemerkt, wenn ich nur die geringsten Mengen an blähenden Dingen verköstigt habe. Samu hatte extreme Bauchkrämpfe und schrie, schrie, schrie, schrie – stundenlang. Das was also in der Schwangerschaft für mich verboten war, war ein Scheiß gegen das, was ich jetzt alles nicht konsumieren durfte. Aber: Allet für den Dackel, allet für den Club!

    Es kam dennoch wie beim Großen… Aus „Milch für Drillinge“ wurde nach exakt genau demselben Zeitraum wie damals „Milch für nicht einmal ein Kind“. Ich habe es eh gehasst, irgendwann nicht mehr pumpen zu dürfen, ich sollte ausschließlich stillen. Auch aufgrund der Zeit, musste ich doch gewährleisten, dass mein Kamikaze Zweijähriger keine Rolle vorwärts im Treppenhaus übt. Angeschlossen an die Milchstation gestaltete sich die Aufsicht immer schwierig, vor allem, als die schöne Elternzeit meines Mannes ein Ende fand.

    Nun nahm mein Samu ab und schrie. „Dringend Stillproben machen und zufüttern“, lautete die Anweisung der Hebamme. Und ja, wie beim Ersten kamen plötzlich nur noch 50ml pro Pumpgang, obwohl mein Baby 120ml verputzte. Mein Traum, mein Kind dieses Mal bis zum vollendeten ersten Lebensjahr zu stillen, zerplatzte. Und ganz ehrlich, ab dem vierten Monat ließ ich es ganz sein. Der zeitliche Aufwand stand für mich in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen, denn zufüttern musste ich nun eh.

    Was soll ich sagen ihr Lieben… Ich bin nach einwöchiger unendlicher Traurigkeit froh, dass meine Möpse wieder mir gehören, ich kann soviel Kohl futtern, bis es mir den Ranzen zerreißt. Der Oberkontrolletti hat die gefütterte Menge wieder im Blick und ist deutlich weniger gestresst und ja, das Leben ist schön, auch ohne zu stillen.

  • Ersatzhebamme Diana

    Nun bin ich ein Mensch, der es gewohnt ist, nachts kreativ zu sein, zu denken und manchmal eben auch zu handeln. Dies hat sich Samu in Perfektion in den ersten drei Monaten abgeschaut. Und liebe Neumamas, ich kann euch aus eigener Erfahrung versprechen, exakt mit Ablauf der berühmten zwölf Wochen Anpassungsstörung wurde es besser – kaum zu glauben, aber wahr, man kann den Timer danach stellen.

    Nun gut, die ersten Wochen brachte mich mein Kind allerdings wie bereits im Beitrag „Aus Samu Rai wird Samu Schrei“ beschrieben, zur Weißglut. Man will ja aber die arme Hebamme nicht auch noch des Nächtens nerven, hat eh schon genug zu tun. Dennoch hat man Fragen, viele Fragen. Zumal Lian so ein einwandfreies, problemloses Kind war. Also musste eine Ersatzhebamme für die Nacht her.

    Diana ist Mutter von drei Kindern; ihr Jüngster ist lediglich ein Dreivierteljahr älter als Samu. Wir kennen uns seit nunmehr fast zwanzig Jahren – oh mein Gott, die Zahl erschreckt mich gerade. Und wir sind in vielerlei Hinsicht seelenverwandt.

    Kennengelernt haben wir zwei uns bei unserer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und was soll ich sagen… Es passte wie Arsch auf Eimer: beide ne große Klappe und ausm Osten, dazu derselbe Humor und dieselbe Einstellung – perfekt. Ich kann mich an so viele lustige Momente aus unserer gemeinsamen Azubizeit erinnern, dass ich allein darüber einen Blogeintrag schreiben könnte. Eine Episode davon will ich euch jedoch nicht vorenthalten…

    Man behauptet ja so schön, dass Lehrjahre keine Herrenjahre seien. In unserem damaligen Unternehmen war das in vielerlei Hinsicht Programm, obwohl ich behaupten würde, dass wir die beste Ausbildung im Einzelhandel genossen, die Azubis bekommen konnten. Das Kleingeld stimmte im Übrigen auch. Nun war es Firmenphilosophie, dass auch die Lehrlinge, wie die Chefetage, Schulungen in einem 5-Sterne Hotel erhielten (das aufgrund zweier berühmter deutscher Schlagerstars über unsere Landesgrenzen bekannt ist) und zwar eine ganze Woche lang, jedes Lehrjahr. Am ersten Vormittag lernten wir noch brav. In den darauffolgenden Tagen mussten wir alle zusehen, dass wir die Augen offen behielten. So nahmen wir die Lehrinhalte zum Thema „Jim Jack und Jonny“ sowie „Wein, Champagner und Co.“ sehr ernst – die einzelnen Geschmacksnoten mussten schließlich mit dem eigenen Gaumen herausgefiltert werden. So begann ein Abend damit, dass wir schön den Schampus in der Badewanne genossen, um danach frisch erholt, den Caipi aufs Zimmer liefern zu lassen, um mit den anderen Genossen eine dicke, fette Azubi-Party zu feiern. Hin und wieder hatte vor allem ich dann nach diesen Ritualen Oberwasser und legte mich noch zusätzlich mit unserer 45kg Russin Anastasia an. „Dich sauf‘ ich doch locker unter den Tisch, du Fliegengewicht!“, proletete ich noch . Dass Damen aus der ehemaligen Sowjetunion wahrscheinlich schon mit Wodka im Blut groß werden, unterschätzte ich dabei wohl gänzlich. Nützte nix, mussten schließlich auch die Spirituosen verköstigt werden. Während Diana wohlweislich irgendwann ausstieg, kannte ich kein Ende und verlor, gegen Anastasia!!! Mein Hasenpüpschen sorgte auf jeden Fall dafür, dass ich auch im richtigen Bett landete – dafür post exercitatione herzlichen Dank.

    Ich habe keine Ahnung, wie wir damals diese Woche überstanden, denn unsere Nachmittage starteten bereits mit Alkohol; mit ganz viel Alkohol. Dennoch mussten wir auch lernen, denn alle zwei Tage standen Tests an. Mir ist es wirklich bis heute ein Rätsel, wie wir das durchstanden und vor allem, wie es uns auch noch gelang, gute Noten zu schreiben. Badewanne, Schampus und Lernkarten waren vielleicht gar keine so schlechte Mischung… Naja, während wir den Luxus in unserer Ausbildung noch in vollen Zügen genießen konnten und wir uns bei jedem Seminar aufs Neue freuten, dass wir nun mal die Firma ausbeuteten wie diese das ganze Jahr uns, so wurde diese Ehre dem nachfolgenden Jahrgang nicht mehr zuteil – woran das wohl lag???

    Ihr seht also, wir kennen uns in und auswendig. Und auch wenn unsere Freundschaft hin und wieder von Funkstille geprägt war, werden wahre Seelenverwandte sich immer irgendwann wieder finden. So auch wir und das war gerade mit meinem Samu Schrei ein Segen.

    Eigentlich wollte ich noch einmal in unsere unzähligen Sprachnachrichten hineinhören, die wir uns besonders gern in der Nacht aufsprachen, allerdings muss ich zugeben, dass dies meinen zeitlichen Rahmen sprengen würde, denn sie waren wirklich lang (zwischen 10-25min). Unsere Lieblingsthemen umfassenden selbstverständlich die komplexen Bereiche rund ums Kind: Stillen und Abpumperei (in diesem Zusammenhang war auch die Ernährung ein Thema), nächtliche Ruhestörungen durch die kleinen Terroristen, Kinderkrankheiten, Bürokratie und und und… Dennoch fanden wir hin und wieder auch anderen Unterhaltungsstoff. So schwelgten wir beispielsweise in Erinnerungen, unterhielten uns über unsere Verwandtschaftsverhältnisse, über Esoterik, zukünftige Reiseziele (also die, die wir in 20 Jahren dann zusammen ohne Kinder angehen), unsere Gemeinsamkeiten, die im Übrigen erschreckend sind, oder quakten über unsere Ehemännchen.

    Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass wir seit der Geburt von Samu (oder auch die Jahre zuvor) einmal ernsthaft gestritten hätten. So wie damals beim Lernen unterstützten wir uns nun mit unseren Kinderthemen, oder besser gesagt Diana mich, schließlich hat sie dahingehend schon ein Kind mehr Erfahrung. Ich möchte mich auf diesen Weg auf jeden Fall noch einmal ganz herzlich bei dir bedanken und ich weiß ja, dass du fleißig mitliest 😉. Du warst, insbesondere bei meinem jüngsten Kind, eine ganz große Stütze, wenn ich bereits am Rande des Nervenzusammenbruchs war. Es gab keine einzige Frage, die von dir nicht SOFORT beantwortet wurde und auch keine einzige Aussage stimmte nicht mit der der Hebamme überein. DANKE, DANKE, DANKE! Obwohl wir nun leider einige Kilometer entfernt wohnen, hoffe ich, dass mich mein Seelenhasenpüpschengschmusi ein Leben lang begleiten wird!

  • Schock – Das Kind hat eine blaueZunge

    Gerade den ersten Monat mit Samu einigermaßen ohne Zwischenfälle überstanden, überkam mich die Panik ziemlich genau am erstmonatigen Geburtstag. Tagsüber war der junge Mann schon extrem quengelig und unleidig und ich überlegte, ob er vielleicht schon den ersten Entwicklungsschub durchmachte. Fix mal in das Buch „Oje, ich wachse“ geschaut, aber dort hieß es, dass die jungen Menschen i.d.R. das erste Mal mit sechs Wochen soooo richtig gute Laune aufgrund der Veränderungen, die sie erleben, bekämen. Es war ja nicht so, dass Samu nicht ohnehin schon die letzten vier Wochen zum Samu Schrei mutierte… Nein, er legte noch einmal ne Schippe oben drauf – na hervorragend! Laut des Buches sollte das aber erst in zwei Wochen passieren. Mit viel Schuckelei im Kinderwagen und auf unseren Armen überstanden wir den Tag. Am Abend erhielt ich dann mal wieder eine mittelschwere Panikattacke, denn die Zunge meines Kindes war blau. Nicht irgendwie blau, nein. Er sah aus, als hätte er sämtliche Kinderkrankheiten dieser Welt einfach einmal inhaliert. Zu meinem Glück passiert natürlich so ein Anschlag auf mich nur am Wochenende oder wie hier am Abend, wenn selbstverständlich kein Kinderarzt einfach so erreichbar ist. Ziellos stolperte ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durchs Haus. Sämtliche Erste-Hilfe-Kurse für Erwachsene, Kinder, Kleinkinder und sogar Haustiere habe ich absolviert, aber man sollte nicht meinen, dass die liebe Sue dadurch in der Lage wäre, entsprechend zu reagieren; also mit kühlem Kopf und klarem Verstand, so nach dem Motto: „Kind wird schon nicht gleich sterben!“. Nein!!! Sobald ich emotional an eine Person oder Personengruppen, können tatsächlich auch Schüler sein, gebunden bin, fällt mir das Handeln im ersten Moment schwer.

    Was also nun tun? Auch mein Mann befand, dass es gefährlich aussah und wir vielleicht doch besser in die Klinik fahren sollten. Aber auch hier kam mir die nun schon so oft beschriebene Intuition zur Hilfe, die mich nach ein paar Minuten des Schocks lautstark anschrie: „Erst mal die Hebamme befragen!“. An dieser Stelle muss ich noch einmal los werden, dass ich glaub die weltbeste Hebamme erwischt hatte. Nicht nur, dass  es sehr positiv war, dass sie nicht zur Stillmafia gehört, mit Edelsteinchen herum hantierte oder bereits mit Säuglingen schon Geburtsrückführungskurse anbot, nein, sie ist im Notfall auch immer erreichbar gewesen.

    Sie und meine innere Stimme beruhigten mich. „Morgen zum Kinderarzt… ist ein Pilz höchstwahrscheinlich, aber dringend abklären“, schrieb sie mir. „Ist das gefährlich? Woher kann das kommen?“, wollte ich noch wissen. Per Voicemail wurde ich weiter beruhigt: nicht gefährlich; eigentlich müsse ich es aber auch an den Brustwarzen spüren, falls es ein Pilz sei; eventuell auch schwarze Haarzunge (aber eigentlich bei Erwachsenen vorkommend); vielleicht auch bakterielle Infektion – Resultat: Kein Klinikbesuch am Abend nötig. IB gab mir dann aber noch den Tipp, zu versuchen, es mal mit einem Mulltuch etwas wegzurubbeln.

    Was soll ich sagen… Ich rubbelte und alles ging weg. Es waren Fusel!!! Ich war zwar mega happy, aber gleichzeitig auch hochgradig peinlich berührt, da ich wieder alle schalu gemacht hatte. Woher die Fuselviehcher kamen… ich habe keine Ahnung, denn außer auf der Zunge waren sie weder bei mir, noch bei Samu irgendwo auszumachen.

  • I can’t get no sleep

    Nun gibt es ja eine Million Theorien, weshalb Kinder nicht schlafen, von durchschlafen spreche ich in diesem Zusammenhang gar nicht: Anpassungsstörungen, Schübe, Hunger, zahnen oder schlicht und ergreifend keinen Bock auf pennen und lieber Party machen. Früher fand ich das lustig und ich wäre sofort mit am Start gewesen, heute ist nimmer soviel los mit mir und drei-Tage-wach bringen mich schier um.

    Nun gehört Samu nicht zu den Babys, die jede Stunde auf der Matte stehen, aber selbst zwei Mal in der Nacht ist unmenschlich. Und bis er einmal schläft, Herr Gott sagt… Mein kleiner Terrorist hatte nämlich exakt bis zur zwölften Woche die Angewohnheit vier!!! Stunden am Abend einfach zu schreien (ich meine ich berichtete schon, aber durch Wiederholung wird etwas nicht falsch – smile). Pünktlich 18 Uhr startete das Konzert und ca. 22 Uhr war die Batterie leer. Konnte man sich wenigstens drauf verlassen. Auch hierzu bekam ich allerhand Tipps, wie das zu managen sei. Ich schwöre euch: nichts funktionierte. Nun hat man aber ja noch ein anderes Kind und das will dann irgendwann einmal schlafen.

    Ich war schon so verzweifelt, dass ich mir die Swing-to-sleep-Wiege ausleihen wollte, aber ungefähr 200 Euro fürs MIETEN auszugeben, fand ich gesponnen. Ich glaube neu kosten die Dinger um die 600 Euro. Also warum nicht gleich kaufen? Da ich dahingehend aber viel von meiner neuen Wahlheimat gelernt hatte und von den Menschen, die hier wohnen, war mir das natürlich viel zu teuer und ich saß die Angelegenheit aus.

    Was macht man nun als Elternteil, wenn man sicher damit rechnen kann, dass sich durch das Seele aus dem Leib schreien, zwei Stunden nach 22 Uhr wieder der Hunger einstellt? Schlafen gehen, jedoch nicht schlafen können, weil man bei der kleinsten Drehung sofort in Habachtstellung ist? Oder doch lieber versuchen wie ein wandelnder Zombie die Zeit zu überbrücken? Ich sage es euch, es ist beides kacke. Nichts hält ein Mensch auf Dauer durch oder ich zumindest nicht. Männer sind da ja ganz anders drauf… Kaum den letzten Zeh ins Nest gestreckt, zack eingeschlafen. Wie zur Hölle funktioniert das? Wahrscheinlich ist das ein Relikt aus der Urzeit, in der wir Frauen beim Feuer mit den Kindern schliefen und ständig aufpassen mussten, dass die Kids nicht von irgendeinem wilden Viehsch gefressen werden, während die Männer jagen waren. Irgendwie hat sich da heute nicht viel verändert, nur dass manche Männer jagen fehlerhaft interpretieren.

    Nun liege ich also jedes Mal halb scheintot irgendwo rum oder wandel durchs Haus, bis mein kleines Monster wieder anfängt, in unerträglichen Höhen zu pfeifen. Danach verläuft meine Nacht aber auch nicht wirklich besser, denn ich bin ja wieder in bewährter Stellung unterwegs, damit mir bei den zwei Schnuppis nur nichts durch die Lappen geht. Nicht mal das laue Lüftchen, das aus dem Popo entweicht. Mein Mann sagt, ich sei bekloppt, ich muss damit aufhören. Recht hat er natürlich, aber den Ausknopf hat er mir nicht gezeigt, aber dann wundern die sich, wenn man drauf ist wies Messer und zu Motzilla wird.

    Eins sage ich euch, wenn ich irgendwann in meinem Leben jemals wieder schlafen können sollte, und dabei wird es sich noch um eine sehr sehr sehr lange Zeit handeln, da schlafe ich dann aus bis halb elf am Mittag, soviel ist sicher. Scheiß egal, was die Nachbarn denken. Ich habe schließlich etwas nachzuholen. Hoffentlich ereilt mich bis dahin nicht die senile Bettflucht, aber das ist aktuell schwer vorstellbar. Bis dahin werde ich damit leben müssen, dass ich mich oft fühle, wie in einem Verhör. Weggecasht von einer anderen Spezialeinheit, die einem geheime Informationen entlocken will. Und wie geht das am besten? Richtig! Mit Schlafentzug! Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist, ob je ein Mann, der damit gefoltert wurde, länger als ein paar Tage durchhielt, bis er zusammenbrach und sang wie ein Kanarienvogel. Liebe Männer, es ist mal wieder bewiesen: ihr seid leider das schwächere Geschlecht, denn wir ertragen das Jahre und mehrfach in der Nacht, während wir NIE richtig schlafen. Dennoch schön, dass ihr und die Kinder da seid 😉, auch wenn es heißt: I can’t get no sleep.

  • Was Babys so niedlich macht und alles vergessen lässt

    Nun sollte man ja eigentlich bei meinen bisherigen Schilderungen davon ausgehen, dass bereits ein Kind einen an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt, denn wir erinnern uns an die Beiträge zum Thema schreien, stillen und schlafen. Spätestens nachdem man die AGB’s beim ersten Kind nicht gelesen hat, dürfte es unmöglich erscheinen, sich noch eins anzutun. Warum macht man das als Eltern oder vielmehr als Frau? Und welche Mutter hierbei behauptet, sie hätte noch nie für wenigstens eine Millisekunde das Gefühl gehabt, sich oder das kleine Monster aus dem Fenster zu schmeißen, die lügt schlicht und ergreifend.

    Man wird ja aber nicht nur seelisch auf eine harte Probe gestellt, sondern auch körperlich. Während ich 2008 noch Konfektionsgröße 36 trug, 62kg wog und mit mir und der Welt ziemlich zufrieden war, möchte ich aktuell nach zwei Kindern nicht unbedingt über meine körperliche Verfassung sprechen. Auch das Thema Sport ist so ne Sache für sich. Die ersten acht Wochen geht sowieso nichts nach dem Kaiserschnitt, bei dem leider keine Bauchstraffung vorgenommen wurde, auch auf dringenden Wunsch hin nicht. Vielleicht hätte ich tiefer in die Tasche greifen sollen… Naja, also bleibt man das erste Vierteljahr sowieso fett, es sei denn man verliert Unmengen Kilos beim Stillen. Aber nein, ich gehöre natürlich nicht zu dieser Kategorie Mütter. Ich bin eher diejenige, bei der exakt ein Jahr nach der Entbindung gar nichts geht und damit meine ich wirklich gar nichts. War schon nach dem Ersten so. Sämtliche Ärzte versuchten die Ursache zu finden: Schilddrüse, Hormonstörung, Diabetis Typ I etc. pp – nach exakt 12 Monaten nahm ich plötzlich wieder super ab, aber dann zeigte der Test schon das nächste Vögelchen an. Und zack, wieder fett oder noch fetter. Ziel war es nur, niemals dreistellig zu werden.

    Es dürfte also nun mehr als deutlich geworden sein, dass die süßen Mäuse nicht nur Segen ins Haus bringen, also für uns Mütter zumindest. Die Frage bleibt also: Wieso bekommen viele ein zweites oder drittes Häsle? Ich versuche es zunächst einmal mit dem sogenannten Kindchenschema zu erklären…

    Rein wissenschaftlich gesehen gibt es dazu Folgendes zu wissen (ich zitiere, bevor ich mir den Finger wund tippe): „Das Kindchenschema bezeichnet die bei Menschen und bei vielen höheren Tierarten vorkommenden kindlichen Proportionen, die als Schlüsselreiz wirken und Fürsorgeverhalten und Kümmerungsverhalten auslösen, wodurch gerade im Tierreich gewährleistet ist, dass sich die Eltern um ihre Jungen kümmern, sie beschützen und großziehen. Die Evolution der höheren Arten verlangte bei der lange dauernden Großzucht zur Selbständigkeit einen Mechanismus, um die Eltern an das Kind zu binden. 1943 postulierte Konrad Lorenz den Begriff Kindchenschema als Bezeichnung eines Merkmalaggregats des Kleinkindergesichts. Zu diesen Merkmalen zählt ein großer Kopf, eine große Stirnregion und damit einhergehend eine relativ weit unten liegende Platzierung der Gesichtsmerkmale. Darüber hinaus zählen große, runde Augen, eine kleine Nase, ein kleines Kinn, rundliche Wangen und eine elastische, weiche Haut zu den Charakteristika. Der kindliche Kopf ist im Vergleich zum Körper größer als beim Erwachsenen, und die Gliedmaßen (Arme, Beine, Finger) sind kürzer. Evolutionsbiologisch betrachtet bedeutet dieses Aussehen für Kinder einen Vorteil. Die Eltern erkennen durch diese Merkmale die Schwäche und Hilfsbedürftigkeit des Heranwachsenden und werden dadurch zu Schutz- und Pflegeverhalten animiert. Dass dies funktioniert, wies Thomas Alley 1983 nach: Erwachsene verhalten sich gegenüber kindchenschemagerechten Merkmalen stärker schützend, fürsorglicher und weniger aggressiv, als sie sich gegenüber Merkmalen älterer Individuen verhalten. [Dass dies einwandfrei funktioniert, beweist das Beitragsfoto meiner Freundin Jacky – auch bei ihr wird ein Knuddel- und Liebhabreiz ausgelöst, was gegenüber Erwachsenen keinesfalls oft der Fall ist hihi] Das Gegenstück zum Kindchenschema – die erwachsenen Proportionen, insbesondere Gesichtsproportionen – wird als das Mutterschema bezeichnet, das bei Kleinkindern Vertrauen und Klammern auslöst.“ (zitiert nach: https://www.biologie-seite.de/Biologie/Kindchenschema).

    Soviel zur Theorie. Aber es ist wirklich so, und man kann es sich als Nichteltern keinesfalls ausmalen, man sieht seine kleine Schnullerbacke mit diesen riesigen Kulleraugen an und fühlt sich wie im siebten Himmel. Zusätzlich sind die kleine Wurschtgewitter unglaublich niedlich, wenn sie versuchen, einen nachzuahmen, quietschende Geräusche von sich geben (natürlich sind hierbei eher die freudigen gemeint) oder einfach nur, scheinbar grundlos, laut loslachen. Außerdem sind Babys noch so unverbraucht und freuen sich über Kleinigkeiten wie einen Quirl, einen bunten Textmarker oder ein Geschirrtuch. Selbstverständlich ist auch alles toll, was knistert oder Geräusche von sich gibt, aber glaubt mir, dabei muss es sich nicht zwangsläufig um Spielzeug aus der Hölle handeln. In der Regel sind die kleinen Mäuse also ganz einfach zu befrieden: Windel frisch, genug gefuttert, keinen Furz quer sitzen haben und immer wieder was Neues aus der Umgebung erkunden lassen und zack: glückliches Baby. Und dieses Lächeln ist wirklich unbezahlbar. Hinzukommt, dass die kleinen Racker unglaublich gut riechen. Klar, manchmal sind Milchreste im Hals oder Käsefüße nicht so die Dinge, die man mit guten Gerüchen in Verbindung bringt, aber die Pupser schaffen es, dass man dennoch nahezu stündlich an ihnen schnüffeln will, weil sie unglaublich lecker nach Baby riechen. Zu guter Letzt sind die Ministinkis ja auch einfach nur eine Mickymousekopie von einem selbst, zumindest zu 50% und deshalb liegt es glaube ich in unserer Natur, dass man sie zum Fressen gern hat. Ich liebe meinen Samu auf jeden Fall aus tiefsten Herzen, völlig bedingungslos und auch trotz der ganzen Nebenwirkungen, die ein Kleinkind halt so mit sich bringt. Für seinen Bruder gilt selbstverständlich selbiges und auch fürs Ehemännchen, obwohl sich der wenigstens Gott sei Dank den Popo schon selbst putzen kann (Spaß). Meinen Schnatz liebe ich auch ganz besonders dolle, denn er ist immer mein Seelentröster und mein Fels in der Brandung, wenn ich mal wieder durchdrehe oder verzweifle. Lieb you am matchigsten!

  • Oh du schöne Elternzeit

    Bereits als Erstgebärende war die Elternzeit bei uns ein ganz großes Thema. Da ich ja eigentlich laut Ärzten nicht so einfach schwanger werden konnte, freute ich mich, dass es geklappt hatte und ich nach dreijähriger Abstinenz an meine Refischule zurückkehren konnte. Alles war ganz wunderbar vorbereitet und mit meinem Schulleiter so ausgetüfftelt und abgesprochen, dass das RP ja sagen musste. Ja, bis ich im Februar wusste, dass ich schwanger bin und mein Mutterschutz natürlich, wie soll es anders sein bei mir, pünktlich zu den Sommerferien beginnen würde und ich im September bereits Mama sein werde. Dies hieß für mich: Aus der Traum? Denn eins war klar, sollte ich nicht nach der Mutterschutzfrist zurückkehren, würde die Stelle anders besetzt werden.

    Nach langen Überlegungen zuhause, bot sich mein Mann an, die Elternzeit zu übernehmen. Allein deswegen behaupte ich, dass ich den weltbesten Schnatz habe, denn wie viele Männer der draußen würden das machen? Also ich meine mehr als die hierzulande üblichen zwei Monate, in denen die Frau ja meist gleichzeitig zuhause ist. Richtig! Fast niemand. Ich kenne in meinem Freundeskreis nur noch ein einziges Pärchen, die das ähnlich hielten, wie wir und wo der Papa ein halbes Jahr mit dem kleinen Spatz seine Freude hatte. Ja, warum denn auch nicht? Denn ich bin da schon Emanze genug zu sagen, dass MANN beim Kinderkriegen nicht nur seinen Spaß haben kann. Wir haben zwar auch Spaß, zumindest hoffe ich das für alle da draußen, aber dann hat man den Salat über den ich ja nun bereits ausführlich berichtete. Also warum sollten die Väter nicht auch ein bisschen in die Pflicht genommen werden bzw. einen prägenden Teil in der Kindererziehung übernehmen?

    Ich habe dahingehend mal ein wenig recherchiert und war sehr überrascht, dass in Japan und Korea die Männer ebenfalls 52 oder 53 Wochen in Elternzeit sind, sprich ein ganzes Jahr!!! In Europa sind wohl Frankreich und Portugal Spitzenreiter (28/22 Wochen) und danach folgen viele Länder mit den üblichen zwei Monaten. Mich überraschte auch zu lesen, dass die türkischen Männer im Durchschnitt wohl wenigsten zwei Wochen zuhause bleiben, während in der USA und in der Schweiz kein einziger Tag Vaterschaftsurlaub genommen wird – verrückt!

    Wir für unseren Teil können auf jeden Fall sagen, dass man dadurch unglaublich was verpasst. Vor allem ist die Zeit zu Zweit bzw. Dritt oder Viert so unendlich wertvoll. Mir hat der liebe Gott, das Universum oder wer auch immer, bei meinem Großen die Zeit in Form von Corona zurückgegeben und dafür bin ich unendlich dankbar. Denn ja, es war schon extrem hart, nach acht Wochen wieder voll in den Beruf einzusteigen, auch wenn man i.d.R. mittags daheim ist, Feierabend hat man deswegen noch lang nicht (auch wenn das Volk da draußen immer davon ausgeht). Zumindest konnte ich meinen Großen dann ins Tragetuch nehmen oder ins Bettchen neben mich legen – war viel wert. Aber die Zeit verfliegt so schnell und deswegen habe ich den Lockdown sowas von dermaßen genossen. Es war Zeit mit meinem Kind, wertvolle Zeit. Während viele schimpften, und ja es hat auch mich starke Nerven gekostet, vor allem, als ich wieder schwanger war, dennoch war es ein Geschenk.

    Dieses Geschenk habe ich mir bei meinem zweiten Schatz nicht nehmen lassen und es war völlig klar, dass ich daheim bleiben würde. Dennoch hat ja auch das Ehemännchen Anspruch auf zwei Monate nach dem Elterngeldanspruch 12+2. Also war die große Preisfrage, wie wir die verteilen. Meine Kollegin aus der Schule riet mir davon ab, den ersten Monat gemeinsam zu starten, da die Häsle ja viel schliefen und der Mann eigentlich eh nichts tun könne. Wir haben uns Gott sei Dank dennoch dafür entschieden, den ersten Monat gemeinsam zu verbringen und das aus verschiedenen Gründen.

    Zum einen ist Samu ein Winterkind. Das bedeutete, die Zahlen waren mal wieder extrem hoch im Landkreis und die Kindergärten dicht. Nun weiß glaub jede Mehrfachmama, was es bedeutet, wenn man ein Kind stillen will, während der Zweijährige ungelogen nur Scheiße baut und man gerade noch verhindern kann, dass die Rolle vorwärts nicht unbedingt im OG am Treppengeländer ins EG erfolgt. Zum anderen wusste ich auch dieses Mal nicht, ob mir ein Kaiserschnitt bevorstand oder nicht. Wie ich ja bereits geschildert habe, war eine Spontangeburt geplant, aber leider wurde nichts daraus. So und dann steht man genauso da, denn jeder Arzt warnt vor zu schwerem Heben. Und wir reden hier weder von Gewichtheben noch anderen Aktivitäten, sondern es sind ganz profane Dinge wie eine Einkaufstüte schleppen, verboten. Sehr witzig natürlich, wenn man ein weiteres Kleinkind hat, um nicht zu sagen ausgeschlossen. Aber es hilft natürlich unglaublich, wenn man erst einmal eine helfende Hand hat und deswegen bin ich sehr froh, dass mein Mann den ersten Monat mit mir und dem kleinen Schatz verbracht hat. Des Weiteren war es auch für die ganze besch… Bürokratie unglaublich hilfreich, denn die muss ja auch in den ersten Wochen erledigt werden. Das schönste an der Elternzeit mit Samu war jedoch, dass wir alle Vier (Fünf inkl. Felligem) die Anfangszeit genießen konnten und als Familie zusammen waren. Wir haben oft einfach nur zusammen im Bett gelegen und alle gekuschelt. Das war eine Zeit, die ich nie vergessen werde, weil ich sie als so unglaublich wertvoll empfunden habe. Gott sei Dank haben wir den zweiten Monat meines Mannes in die Zeit zwischen Weihnachten und Samus ersten Geburtstag gelegt und wieder freue ich mich wie ein kleines Kind auf die gemeinsame Zeit. Ich werde berichten…

  • Die Nachtschichten bringen mich um

    Im Hinblick auf meine heutige Überschrift vermuten wahrscheinlich alle Leserinnen und Leser, dass Samu uns nachts kaum schlafen lässt. Nein, mein Kind ist seit dem 3.Lebensmonat tatsächlich nicht mehr das Problem. Alle 10 Tage steigt mein Puls gefühlt auf 200, denn immer dann heißt es die 2 Nachtschichten meines Mannes irgendwie überleben. Ich weiß nicht, wer von euch da draußen eine ähnliche Situation hat und diese gut meistert… Sollte sich auf jeden Fall jemand hinsichtlich meiner folgenden Schilderungen wiedererkennen, so bitte melde dich, denn ich bin für jeden Ratschlag dankbar.

    Als wir unser felliges Familienmitglied kauften, war die Freude groß, der Weitblick leider nicht. Für mich war sonnenklar, dass ein Hund und ein Baby kein Problem darstellen werden. Ja, EINS ist in der Tat auch kein Problem. Mit zwei Kindern und einem Mann, der sich des Nächtens rarmacht, sieht das allerdings wieder ganz anders aus…

    So heißt es bereits 16:15 Uhr: „Ade, ihr Lieben, bis morgen früh!“. „Ja, viel Spaß auf der Wellnessfarm!“, rufe ich meinem Mann dann oft hinterher. Denn während er sich mit Kollegen über Kapitalanlagen, Einreisebestimmungen oder den neusten Klatsch und Tratsch in den verschiedenen Dienstgruppen austauscht, heißt es hier daheim: AIR LO FLIEGT WIEDER. Und das meine ich keinesfalls ironisch, sondern leider bitterernst.

    Bekommt es irgendjemand da draußen gebacken, mit einem Hund am Abend Gassi zu laufen und zwei Kleinkinder zur selben Zeit zum Einschlafen zu bringen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein oder das Tablet laufen zu lassen? Wenn ja, dann kann ich nur noch einmal an DICH appellieren: BITTE MELDE DICH (klingt im Übrigen wie die Vermissten-Sendung im Trash-TV, aber egal, ich bin echt verzweifelt).

    Ich muss dazu sagen, dass ich gerade in den ersten Wochen nach der Elternzeit meines Mannes auf die Hilfe meiner Eltern oder der meiner Schwiegerleute zurückgreifen konnte. Besonders zuletzt Genannte helfen auch heutzutage noch oft aus, wenn sie denn auch darüber informiert werden, dass sie dies bitte tun sollen. Mein Gatte ist Meister darin, Dinge zu organisieren, zu erfragen oder zu kommunizieren…NICHT! Und ich bin nun mal niemand, der andere gern um Hilfe bittet und ihnen ständig auf den Senkel geht. Jedes Mal aufs Neue flehe ich darum, Absprachen zu treffen, damit ich etwas entlastet werde und zwar einen Monat im Voraus, da meine Schwiegereltern auch noch berufstätig sind und jedes Mal grüßt das Murmeltier und ich erfahre 15 Uhr, dass ich mal wieder auf mich allein gestellt bin – Danke, Ehemann!

    Nun habe ich schon die verschiedensten Ratschläge erhalten, aber irgendwie kann ich mit keiner Lösung so richtig leben. Vorschlag 1: Lass deinen Hund abends nur in den Garten. Abgelehnt weil: Jamie ist es gewohnt, nicht in sein Revier zu k… Ich muss ihn ja schon immer bei Durchfall beknien, dass er doch nun bitte auf 500qm mal sch… geht. Vorschlag 2: Telefoniere mit dem Babyphone und gehe Gassi. Abgelehnt weil: Zum einen schlafen die Kids in unterschiedlichen Räumen. Zum anderen vertraue ich weder der Technik noch darauf, dass meine Kinder nicht aufwachen und deshalb traue ich mich selbst keine 10min um den Block. Vorschlag 3: Nimm die Kinder mit auf die Hunderunden. Abgelehnt weil: Erstens ist es mit den drei Jungs echt spannend zu laufen und damit ist ebenso eine Achterbahnfahrt meines Pulsschlages garantiert und zweitens macht dies auch nur Sinn im Sommer, denn mit allen bei Kälte und Dunkelheit durch unseren Wald laufen ist irgendwie nicht so erquickend. Vorschlag 4: Bessere Abstimmung und Hilfe annehmen. Abgelehnt weil: Schon hundert Mal versucht, aber da muss der Ehegatte mitspielen und endlich etwas hinsichtlich seiner Kommunikationsfähigkeiten verbessern. Vorschlag 5: Mann austauschen 😉 (Spaß)! Abgelehnt, weil: auch keine Option. You see: It’s very COMPLICATED! (Einen Hundesitter bekommt man hier übrigens auch nicht so ohne Weiteres).

    Und während ich so tippe, fliege ich wieder von Zimmer zu Zimmer. Kandidat 1 hat den Schneller verloren, kurze Zeit später hat Kandidat 2 schlecht geträumt, später sicherlich auch noch Durst. So geht das die ganze Nacht. Froh bin ich schon immer, wenn dann der Fellige nicht noch Magen-Darm hat und in einer 20-minütigen Fürsprache davon überzeugt werden muss, irgendwann einmal im Garten etwas zu verrichten, bevor er platzt. Aber ratet… Genau! Natürlich passiert dies ausschließlich in den Nachtschichten meines Mannes. Und nachdem ich dann mal wieder 2min in der Nacht geschlafen habe, weil meine Lauscher ständig auf Empfang sind, kommt mein Schnatz heim und ratet… Jep, er muss erstmal schlafen. Unterstützt wird das von ALLEN, denn der arme Bub hatte schließlich Nachtschicht. Nach den Nachtwachen, die wir Mamas ständig hinter uns bringen, fragt dabei natürlich keiner…