Mein Blog

Wie die meisten sicherlich schon bemerkt haben und wie ich jetzt schön öfter betont habe, bin ich nicht diejenige, die Leute mit ihren Problemen vollquakt, sondern eben lieber die Öffentlichkeit in Form eines Blogs belästigt.

So kam es, dass ich mir in der Schwangerschaft schon alle Ängste und Sorgen von der Seele schreiben musste. Es war so unglaublich befreiend und für einen kurzen Moment auch schmerzstillend. Ich hatte mir damals nicht überlegt, diese Erfahrungen vielleicht einmal als Blog zu veröffentlichen. Ganz im Gegenteil, denn Sue und die digitalen Medien sind zwar Freunde, aber nur in einem gewissen Maß. Wenn es nicht gleich alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, lebt mein Laptop ziemlich gefährlich, da er nah am Fenster steht. Außerdem war mir überhaupt nicht klar, wie man eine Website aufbaut, diese pflegt, verwaltet etc. pp – kurzum: alles böhmische Dörfer für mich. Schließlich bin ich auch Lehrerin geworden und kein Digitalisierungsweltmeister. Obwohl ich mich schon manchmal frage, wo das noch bei den Schulen hinführt mit dem ganzen Quatsch. Vormittags sechs Stunden Tablet und nachmittags sechs Stunden zocken. Ole, ole, das ist vielleicht super für die Eltern, weil sie ihre Bälger beschäftigt wissen und diese nicht nerven und man deshalb in Versuchung geraten könnte, sich mit diesen zu beschäftigen, aber auch hier will ich gar nicht allzu sehr meine Meinung breittreten, denn erstens führt es zu nichts und zweitens schweife ich mal wieder vom Thema ab.

Warum ich mich letztendlich doch dazu entschloss, meine Geschichte einer Leserschaft zu präsentieren, hatte verschiedene Gründe. Klar, sicherlich war der Computer eine wahnsinnige Unterstützung in schweren Zeiten, aber was sollte denn nun mit den unglaublich vielen Seiten passieren, die ich schon fleißig nach unten scrollen konnte. Format C alles ok? War irgendwie keine befriedigende Lösung für mich. So entschied ich mich zunächst dazu, alles abzuspeichern, schließlich gestaltete ich auch jedes Jahr ein Fotoalbum für die Kinder inkl. Anhang mit politischen, wirtschaftlichen, sozialen und privaten Ereignissen. Ich fand es eine schöne futuristische Vorstellung, Samu irgendwann meine Papierrollen schön verpackt zum 18.Geburtstag überreichen zu können und zu sagen: „Weißt du Schatz, wie du musste ich erst in die ganze Sache hineinwachsen, aber schau, wo du heute stehst und wie wir das alle gut zusammen gemeistert haben!“.

Dann kam der Tag, an dem ich auf Juli’s Blog stieß. Ich fand die Geschichte der kleinen Familie mit ihrem Sohn so ergreifend, dass ich immer wieder darauf wartete, wenn endlich der neue Beitrag erscheint. Aktuell gab es leider schon lange nichts mehr, aber auch das kann ich gut verstehen, denn sicherlich wird auch bei mir irgendwann der Tag kommen, an dem ein jeder Schreiberling eine Pause braucht. Sie inspirierte mich auf jeden Fall, auch mein Schicksal zu teilen und damit wiederum anderen zu helfen. Außerdem hatte ich ja bereits durch die Ahoi-Gruppe erfahren, dass viele viele Dinge erst noch auf mich zukommen würden und dass es sicherlich interessant ist, diese mit anderen Betroffenen zu teilen, z.B. Erfahrungen in der Gesellschaft, Anträge, Untersuchungen und so weiter.

Es gab allerdings noch einen weiteren Grund, der ehrlich gesagt, keine unerhebliche Rolle spielte. So wollte ich beispielsweise schon am Ende der Schwangerschaft vorbeugen, dass zigtausende Leute in den Kinderwagen glotzen, um dann festzustellen: „Ah ein Junge. Und alles gesund, alles dran? Das ist doch schließlich die Hauptsache.“. Und ihr werdet lachen, aber genauso ist es mir dann doch noch oft gegangen. Die meisten Personen unterbrechen nämlich ihren Monolog nicht und sind dann völlig vor den Kopf gestoßen, wenn man ihnen mitteilt, dass überwiegend schon alles okay ist, nur eben eine Hand fehlt. Hätte ich mich damals nicht immer so scheiße dabei gefühlt, wären die entgleisten Gesichter eigentlich eher zum wegschmeißen gewesen (also im positiven, erheiternden Sinne).

Naja, zumindest war dann für 80% schon mal klar, was bei mir rauskommt, nämlich ein kleiner schnuckeliger Bandito mit eben nur einer Hand. Und somit musste ich nicht eine Million Mal meine für mich sehr schwer zu verarbeitende Situation schildern.

Einen letzten Ausschlag, der dann letzendlich auch noch das i-Töpfelchen ausmachte, war ein You-Tube Video eines erwachsenen Mannes, der das Poland-Syndrom hat und auch von einer Handfehlbildung betroffenen ist. Sicherlich erschien mir dieser selbstbewusst und auch erfolgreich zu sein, aber eine Sache störte mich ungemein: Er bezeichnete sich selbst als MUTANT und alle mit ihm, die ähnlich betroffen sind. Ich fand das sehr verstörend und entschied für mich, dass es einer anderen Aufklärung in der Gesellschaft bedürfe, als sich selbst mit derlei Ausdrücken auszugrenzen und ins Abseits zu schießen. Und so entschied ich mich, auch mit meinem Sohn in einem Blog öffentlich dafür zu werben und darüber aufzuklären, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Einschränkungen, keine „Mutanten“, sondern Menschen sind!!!

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